Junge Herren und alte Rebe im Stift Klosterneuburg. Mit dem barocken Jungherrengarten wurde das Projekt im Stift Klosterneuburg abgeschlossen und nun eröffnet.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 17. September 2020 (03:53)

Vor etwa 14 Jahren startete das Projekt „Gärten der Jahrhunderte“ im Stift Klosterneuburg. Letzte Woche konnte – nach einigen corona-bedingten Verschiebungen – der letzte Teil nun auch offiziell eröffnet werden. Der Jungherrengarten ist ein Stück Barockgarten, das in diesem Natur-Projekt bisher noch gefehlt hat.

Direkt vor der Sala Terrena erstreckt sich der neugestaltete Teil der Stiftsparkanlage. Zwischen der mittelalterlichen Stützmauer und der barocken Sala Terrena wurde der Garten von Landschaftarchitekt Werner Sellinger von „Grünplan“ geplant und realisiert.

Nach 300 Jahren endlich realisiert

Im Auftrag von Karl VI. wurde der Plan für den Jungherrengarten 1738 gezeichnet. Allerdings wurde der Barockgarten damals nicht gebaut, weil Karl VI. zuvor verstarb. Knapp 300 Jahre später wurde der Plan – etwas adaptiert – nun eröffnet. „Der Fuß folgt dem Auge. Die Wegeführung folgt der zentralen Perspektive“, erklärte Sellinger bei einer kleinen Führung durch den neu angelegten Bereich vor der Sala Terrena. Fächerlinden, Weinstöcke und Schmuckbeete mit Wechselflorbepflanzung sollen nun zum Treffen, Verweilen und Genießen einladen. Der Spielplatzbereich wurde in die hintere Ecke verlegt. Dort wo nach den Originalplänen ursprünglich ein Brunnenbecken geplant war.

Aber nicht nur der Garten soll die Blicke der Besucher auf sich ziehen. „Wir haben versucht, räumliche Tiefen herzustellen. Das funktioniert mit der ,geborgten’ Landschaft und dem Blick nach Norden zur Donau beziehungsweise nach Wien“, machte Sellinger aufmerksam.

Aber nicht nur auf diesen Blick sollten die Besucher im Jungherrengarten achten. Sie sollten auch einer kleinen, aber umso geschichtsträchtigeren Pflanze ihre Aufmerksamkeit schenken. Denn gleich in der Nähe der Stufen, die vom Stiftsplatz hinunterführen, wurde ein ganz besonderer Weinstock gepflanzt. Der „Blaue Kölner“ ist ein Ableger eines 400 Jahre alten Weinstocks, der im Guinness-Buch steht und ein Geschenk der Stadt Maribor an das Stift Klosterneuburg war.

Eine Kraftquelle für die Klosterneuburger

Eine der ersten Besucherinnen im Jungherrengarten war Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. „Dieser christliche und spirituelle Ort ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Kraftquelle. Gerade am Höhepunkt der Pandemie haben die Menschen die Natur und die Kultur vor der Haustür lieben und schätzen gelernt. In der Region Klosterneuburg haben die Menschen im Stift viel Kraft getankt und sich spirituell gestärkt“, ist Mikl-Leitner sichtlich stolz auf diesen Zugewinn für die Stadt.