Lieferservice statt Jammern in Klosterneuburg. Klosterneuburgs Gastronomie bleibt trotz prolongierter Sperrstunde positiv: „Wir leben ja“!

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 31. März 2021 (04:15)
Wie viele andere Gastronomen hält sich auch Manuel Hammer aus Kritzendorf mit seinem Lieferservice in diesen schwierigen Zeiten über Wasser. Sein Kaffeehaus ist geschlossen. Das „Gasthaus zum Ockermüller“ liefert warme Speisen.
Hornstein, Hornstein

Fall- und Inzidenzzahlen sprechen nicht für den Osten Österreichs. Niederösterreich, Wien und das Burgenland erwarten zu Ostern harte Verschärfungen der Corona-Maßnahmen. So sehr die Gastronomen gehofft hatten, zu Ostern mit einem kühlen Bier Gäste in ihren Schanigärten willkommen zu heißen, so groß ist nun die Enttäuschung über den Oster-Lockdown. Da die Gastronomie durchgehend geschlossen hatte, können die Wirte nicht schuld an der dritten Corona-Welle haben, argumentiert die Standesvertretung.

„Das Problem liegt im privaten Bereich. Würden sich die Menschen im sicheren Umfeld der Gastronomie treffen, hätte das einen positiven Effekt auf die Corona-Infektionszahlen“, so der Fachverbandsobmann der Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich, Mario Pulker. Die Gastronomen brauchen jetzt ein Worst-Case-Szenario für die Branche, um Klarheit zu schaffen. Und weiter: „Wichtig ist ein definiertes Datum einer spätest möglichen Öffnung der Gastronomie auch im Osten Österreichs.“

Wie geht es den Klosterneuburger Gastronomen mit der Prolongation der Schließung ihrer Gaststätten?

„Mir geht es recht gut. Wir leben ja noch!“ Royadh Ringer, Chef der Trattoria Castel Nuovo

„Wir haben Gott sei Dank viele treue Stammkunden, die sich ihr Essen bei uns abholen“, zeigt sich Royadh Ringer, Chef der „Trattoria Castel Nuovo“ in der Weidlinger Straße, trotz der Krise halbwegs zufrieden. Natürlich mache er nicht den Umsatz, der zu Ostern in normalen Zeiten zu erzielen ist. „Mit dem Abholservice sind aber zumindest 40 Prozent meines Umsatzes zu schaffen. Ohne Unterstützung der Regierung gäbe es aber eine Katastrophe“, weiß Ringer. Die Unterstützung erleichtere die momentane Situation und verschaffe die Möglichkeit, den Betreib weiterzuführen.

Auch die Öffnung der Schanigärten ist für Ringer keine Option: „Mit den Kontrollen würde ich mir nur meine Stammgäste verärgern.“

Außer den Kellnern, die momentan in Kurzarbeit sind, arbeitet Ringers Stammpersonal immer noch: „Ich mache mit der Familie und dem Küchenpersonal weiter. Die Köche sind alle da.“

Das Problem für den beliebten Wirt ist die Unsicherheit, dass man nicht weiß, wann dieser Zustand zu Ende geht. „Aber das kann einfach keiner wissen, weil keiner eine Glaskugel hat. Ich glaube, wenn alle geimpft sind, wird es einen Normalbetrieb geben können. Das wird aber frühestens im Herbst der Fall sein.“

Seine positive Lebenseinstellung hat Royadh Ringer aber nicht verloren: „Mir geht es recht gut. Wir leben ja noch!“

„Lieber klein und gut besucht, als leer“

Das Kaffeehaus ist aktuell komplett geschlossen, das Restaurant liefert weiter wie bereits vor einem Jahr. Die Rede ist von den Betrieben des Kritzendorfers Manuel Hammer, der das „Café im Amtshaus“ und die „Gastwirtschaft zum Ockermüller“ betreibt. Auch Hammer hat seit einem Jahr einen Lieferservice aufgezogen, der noch immer die einzige Einnahmequelle in der Krisenzeit ist. „Man kann damit seine Mitarbeiter und die Ware bezahlen“, ist Hammer bescheiden, aber froh. Auch er hätte geschätzte 60 Prozent seines Umsatzes aus normalen Zeiten eingebüßt, kann aber auch den Kern seines Teams im Angestelltenverhältnis halten.

Dass nun die Wirtshausgärten nicht öffnen dürfen, ist für Hammer kein Grund zu verzweifeln: „Das ist natürlich dann wieder vom Wetter abhängig. Ob wir jetzt eine Woche früher oder später den Garten aufsperren können, ist mir egal. Für die Menschen wäre es aber eine wichtige Option gewesen, wieder wohin gehen zu können.“

„Kontrollen sind organisatorisch machbar. Grundsätzlich wird die Kontrolle notwendig sein"

Manuel Hammer rechnet damit, Ende April oder Anfang Mai seinen Garten öffnen zu können, Mitte bis Ende Mai könnte es dann einen halbwegs regulären Betrieb geben. Auch die dann anstehenden Kontrollen würden für den immer positiv denkenden Wirt kein gröberes Problem darstellen: „Kontrollen sind organisatorisch machbar. Grundsätzlich wird die Kontrolle notwendig sein. Ich nehme an, bis die Gastronomie wieder aufsperrt, wird diese Art der Legitimation in vielen Bereichen des Lebens notwendig sein und daher zum Alltag werden.“

Wie es in der Praxis allerdings weitergeht, ist für den erfahrenen Gastronom einiges an Überlegung wert: „Die Frage, die sich für mich stellt, ist, ob sich die Qualität der Gastlichkeit erhalten lässt. Ob mit Maske ein Gasthausflair möglich sein wird, wird sich weisen. Wie in anderen Sparten könnte es auch sein, dass die Leute euphorisch beim Start der Gastronomie losstürmen, danach aber das Interesse abebbt.“

Manuel Hammer will seine beiden Lokale weiterführen, allerdings vorsichtig, mit weniger Personal. Tendenziell denke ich, klein und gut besucht ist besser als groß und dauernd leer.“ Man müsse sich dann gegebenenfalls darauf einstellen, dass es stressig wird, wenn einmal überraschend viel los ist.

Lieferservice als echte Alternative

So hält sich mit dem Verkauf über die Gasse und mit dem Lieferservice die Klosterneuburger Gastronomie in diesen schweren Zeiten über Wasser. Initiativ wurde dafür vor einem Jahr die Wirtschaftskammer Klosterneuburg. Obmann Fuchs fertigte vor einem Jahr eine Liste aller Gastronomiebetriebe an, die einen Lieferservice angeboten haben, und stellt sie ins Netz. Das waren damals rund fünf Betriebe. Heute sind es an die 25.

„Die Resonanz war damals enorm“, erinnert sich der WK-Obmann, „viele Betriebe erkannten dadurch, dass die Lieferung auch für sie eine gute Alternative wäre, und stellten ihren Betrieb um.“

Gemeinsam mit dem Team des Klosterneuburger Stadtmarketings entstanden etliche Listen, die dann auch auf der Homepage der Stadtgemeinde veröffentlicht wurden. In den darauffolgenden Lockdowns wurden sie immer wieder erweitert und auch viele andere Initiativen, wie zum Beispiel eigene Facebook-Gruppen, gegründet.

Fuchs: „Ein bisschen stolz bin ich schon darauf, dass ich damals den Startschuss für diese Entwicklungen gegeben habe und vielleicht damit auch einigen Betrieben die Situation etwas erleichtern konnte.“

Umfrage beendet

  • Nehmt ihr den Lieferservice unserer Gastronomen in Anspruch?