Geiselnahme - Täter wollte drei Personen "Lehre erteilen". Nach der Geiselnahme in der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung am Dienstag in Klosterneuburg, in dessen Vorfeld ein Abteilungsleiter angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden war, wurden am Mittwoch mehr Details zur Tat bekannt.

Erstellt am 23. März 2011 (11:51)
NOEN, HORNSTEIN/WERTHEIM
APA3814045-2 - 22032011 - KLOSTERNEUBURG - …STERREICH: ZU APA 449 CI - In der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung in der Leopoldstraße 21 in Klosterneuburg ist es am Dienstag, 22. März 2011, nach einer Schussabgabe mit einem Schwerverletzten laut Augenzeugen auch zu einer Geiselnahme gekommen. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER
So habe der Täter, ein 55-Jähriger aus Wolfsgraben, der sich anschließend erschoss, eine gezielte Aktion gegen drei Personen - den Abteilungsleiter, den Amtstierarzt und einen Forsttechniker - setzen wollen, erläuterte Bezirkshauptmann Wolfgang Straub im Gespräch mit der APA. Er habe sie aber nicht töten wollen, sondern ihnen "eine Lehre erteilen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen".

In dem Büro der Forstverwaltung im dritten Stock des Gebäudes seien zum Tatzeitpunkt gegen 13.30 Uhr fünf Personen gewesen. Während der Abteilungsleiter mit mehreren Schüssen niedergestreckt und eine Mitarbeiterin als Geisel genommen wurde, seien zwei Sekretärinnen geflüchtet, der Forsttechniker habe sich - unbemerkt - in einem Nebenraum versteckt, der aber zum Gang hin abgesperrt war. Dort saß der Mitarbeiter während der gesamten Geiselnahme fest. "Der hat sechs Stunden lang die Türschnalle nach oben gehalten und alles mitgehört", schilderte Straub. Melden konnte er sich aber nicht, da sein Handy noch im Büro am Schreibtisch lag. "Wir wussten nicht, wo er ist. Für uns galt er als vermisst", so der Bezirkshauptmann.

Die Geisel, eine 52-Jährige, habe das ihre dazu beigetragen, beruhigend auf den Täter einzuwirken und sei - den Umständen entsprechend - "gut" mit ihm ausgekommen. Dass genau diese Frau in die Hände des 55-Jährigen geriet, war Zufall, er habe aber wortwörtlich zu ihr gesagt, er sei "ja froh, dass ich Sie als Geisel hab, Sie sind wenigstens ruhig und sympathisch und keine hysterische Funsen", erzählte Straub. Sie habe aber nicht das Gefühl gehabt, dass der Geiselnehmer ihr tatsächlich etwas tun wollte.

Dass die Frau letztlich befreit werden konnte, war auch ihrem eigenen Mitdenken zu verdanken. Nachdem drei Zugriffsversuche fehlgeschlagen waren, verlangte die 52-Jährige nach Zigaretten, obwohl sie Nichtraucherin ist. Diese Gelegenheit konnten die Polizeibeamten dann nützen, um sie in Sicherheit zu bringen.

Die Ermittler waren am Mittwochvormittag noch mit der Spurensicherung am Tatort beschäftigt. Man wolle vor allem rekonstruieren, wann, wo und wie oft mit welcher der beiden Waffen geschossen wurde, erläuterte Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamts. Betroffen sei ein halbes Geschoß, man wolle aber heute noch mit der Arbeit an Ort und Stelle fertig werden. Auch müssen noch Zeugen in der BH befragt werden, dabei bestehe aber - mit Rücksicht auf deren psychischen Zustand - kein zeitlicher Druck.

Beleuchtet werden soll auch, wie der Mann zu den beiden illegal besessenen, halbautomatischen Waffen kam. Auch sein engstes Umfeld wird befragt. So wolle man klären, ob der 55-Jährige noch weitere Leute bedroht oder andere Straftaten gesetzt oder geplant hatte.