„Gewalt gegen Frauen ist tagtäglich da“: Kampagne in Klosterneuburg

Gemeinsamer Antrag von ÖVP, FPÖ, Grüne und PUK macht auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:57
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Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen: Jacqueline Eschlböck, Regina Doppelhofer (beide Grüne), Katharina Danninger, Maria Theresia Eder (beide ÖVP), Susanne Eistert (FPÖ), Ulrike Kobrna, Irene Edtmayer (beide Grüne), Martha Wepner-Banko (PUK) und Verena Pöschl (ÖVP).
Foto: privat

Die Statistik zeichnet ein trauriges Bild: Frauen sind in ihren eigenen vier Wänden nicht sicher. Im August hat ein Mann in Kierling seine Gattin mit einem Messer lebensgefährlich verletzt, im Jahr 2008 wurde eine Klosterneuburgerin von ihrem Mann erschossen.

„Die Gewalt an Frauen und Mädchen macht vor unserem Gemeindegebiet nicht halt, sie ist tagtäglich da“, sind sich die Mandatarinnen der Babenbergerstadt einig – und setzen ein Zeichen: einen gemeinsamen und parteiübergreifenden Antrag aller Stadt- und Gemeinderätinnen.

„Es ist wichtig, dass wir auch in Klosterneuburg an Frauen denken, die nicht in Sicherheit sind und deren Kinder auch nicht.“ Katharina Danninger, Gemeinderätin, ÖVP

Weltweit ist jede dritte Frau von Gewalt betroffen. ln Österreich erfährt jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr psychische, physische und/oder sexuelle Gewalt. Die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ – von 25. November bis 10. Dezember – fordert Prävention, Schutz und das Recht auf ein gewaltfreies Leben ein.

„Ich finde, dass jede Form von Gewalt an Frauen ein Verbrechen darstellt und auch entsprechend gestraft gehört. Wichtig ist, dass auf dieses Thema aufmerksam gemacht wird, dass man nicht wegschaut, sondern bewusst hinschaut“, betont Frauenstadträtin Maria Theresia Eder (ÖVP) und appelliert an ihre Polit-Kollegen: „Da kann jeder einzelne etwas beitragen, aber auch die Stadtgemeinde. Und deshalb stellt sich die Stadt Klosterneuburg klar hinter die Kampagne ,16 Tage gegen Gewalt gegen Frauen‘. Die Grundsatzerklärung dazu soll auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden.“ Außerdem wird das Rathaus im Kampagnen-Zeitraum in orange, der Farbe der Solidarität, erstrahlen.

Frauenlose SPÖ-Fraktion: „Antrag diskriminiert uns“

Der Dringlichkeitsantrag der Mandatarinnen, eingebracht von ÖVP, FPÖ, Grünen und PUK, wird einstimmig angenommen – aber nicht ganz reibungslos. Der Grund: Weil der Appell nur von Frauen unterschrieben ist, fehlen Unterschriften jener Parteien, die keine Mandatarin im Klub haben.

Sozialstadtrat Karl Schmid (SPÖ): „Wir wurden von dem Antrag in Kenntnis gesetzt und davon, dass wir nicht drauf sein sollen, weil das ein Frauenanliegen ist und von Frauen eingebracht werden soll. Eigentlich diskriminiert uns das schon. Noch dazu steht im Antrag ,alle Fraktionen‘. Die Begründung ist ein Wahnsinn: ,Weil Ihr keine Frau in der Fraktion habt.‘ Das ist so beschämend und traurig, da will ich gar nichts mehr sagen dazu.“

NEOS-Gemeinderat Darius Djawadi – auch seine Partei ist frauenlos – kann diese Kritik nicht verstehen: „Es ist wichtig, dass wir ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen setzen. Das sage ich ganz klar, und das sage ich noch viel klarer gerade auch an uns als NEOS, die es nicht geschafft haben, dass eine Frau im Gemeinderat bei uns sitzt. Das sollte nicht so sein, und ja, das ist beschämend, und daran müssen wir auch arbeiten.“