Klosterneuburg im Ersten Weltkrieg. Vor 100 Jahren / Die Babenbergerstadt war mit etlichen Einrichtungen am Krieg beteiligt. Automobile und Krankenstationen waren die bekanntesten.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 30. Juli 2014 (10:57)
NOEN, Martin Gruber-Dorninger
Adi Krenn (li.) und Carl Kohutek beim Eingang zum Pioniermuseum, das eine Sonderausstellung zu Klosterneuburgs Beteiligung am Ersten Weltkrieg behandelt.

Am 28. Juli 1914 war es so weit, Österreich-Ungarn erklärte dem Königreich Serbien den Krieg. Der Anlassfall war vielfältig, als einer der Auslöser ist das Attentat an dem damaligen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand allgemein bekannt. Doch welche Rolle speziell Klosterneuburg im Ersten Weltkrieg spielte, versuchte die NÖN gemeinsam mit dem Historiker Robert Tögel und den Kuratoren der Sonderausstellung im Pioniermuseum der Magdeburgkaserne, Carl Kohutek und Adi Krenn, zu erarbeiten.

Die Geschichte der Babenbergerstadt wird beim Betreten des Pioniermuseums in der Magdeburg-Kaserne greifbar. Vizeleutnant Carl Kohutek begrüßt die Besucher überschwenglich, und Adi Krenn ist begierig, sein Wissen an die Interessierten weiterzugeben. Das Museum besteht aus einem großzügig ausgestatteten Raum mit Waffen und Uniformen sowie unzähligen Bildern und Postkarten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.
 

NOEN, Martin Gruber-Dorninger
x
„Angefangen hat alles mit dem Attentat“, beginnt Krenn seine Führung. Die Truppenkörper in Klosterneuburg haben wesentlich zur Ausbildung und Ausrüstung der österreichisch-ungarischen Armee beigetragen: die Pioniertruppe, die Traintruppe und die Automobiltruppe. In der Babenbergerstadt waren Hunderte Jahre lang Pioniere (Genietruppe, Sappeure, Pontoniere) stationiert. Wuchtige Kasernen waren die Heimstätten der Pioniertruppe, die schon damals nicht nur für den militärischen Bedarf ausgerüstet waren, sondern auch für den zivilen Bereich Schutz und Hilfe bieten konnten.

Stadt war im Krieg eine riesige Krankenstation

„Außerdem spielte Klosterneuburg eine wichtige Rolle als Kranken- und Sanitätsstation. Verwundete Soldaten wurden in Kindergärten und heutigen Gasthäusern verpflegt“, berichtet Krenn.
 

NOEN, privat
x

Das Bataillon wurde 1893 errichtet und bestand zu 56 Prozent aus Tschechen, zu 41 Prozent aus Deutschen und drei Prozent aus anderen Nationalitäten. Der Kommandant war Oberstleutnant Rudolf Pratl. Außerdem war auch das Pionier-Zeugs-Depot in Klosterneuburg stationiert, wo Brückengeräte, Pontons und alle Pioniermittel deponiert, erzeugt und repariert wurden.

Klosterneuburg auf Fahrzeuge spezialisiert

Nach dem Neubau des Stabsgebäudes wurde das Depot in „Magdeburg-Kaserne“ umbenannt, die bis heute besteht. Schon um 1900 wurden die ersten Kraftfahrzeuge bei Manövern eingesetzt. Die Fahrzeuge wurden vorerst von den Fahrzeugbesitzern, meist vermögenden Personen, für Manöver zur Verfügung gestellt. Die Besitzer stellten auch die Chauffeure bei oder übernahmen selbst das Lenkrad. Militärisch wurden die Fahrzeugbesitzer in das k.u.k. freiwillige Automobilkorps und das k.u.k. freiwillige Motorfahrerkorps eingegliedert, die auch während des Krieges weiter bestanden. Außerdem wurden auch vom Heer bereits Fahrzeuge angekauft und speziell für die Artillerie spezielle Zugfahrzeuge entwickelt.

NOEN, privat
x
Ab 1912 gab es die k.u.k. Automobilabteilung Klosterneuburg, die aus Platzgründen auch Filialen in Kierling und Weidling bilden musste. Die damals schon existierende Kolda-Garage war beispielsweise ein Mittelpunkt.

Das Pionier-Bataillon Nr. 8 zog direkt nach Serbien in den Krieg. Die Automobilabteilung sandte zwei Artilleriemunitions-Kolonnen und zwei mobile Werkstätten-Züge nach Südungarn, wo sie zur Versorgung von Mörsern eingesetzt wurden.


Geschichte:

Einige Klosterneuburger und örtliche Institutionen sind bestrebt, die Geschichte zu bewahren.

  • Das Buch „Österreich-Ungarn. Kraftfahrformationen im Weltkrieg 1914 - 1918“. Der Klosterneuburger Autor Wilfried Schimon hat mit seinem Buch die Klosterneuburger Kraftfahr-Institutionen mit historischen Bildern ausführlich beschrieben.

  • Modelle erzählen Geschichte. Der Klosterneuburger Herbert Stahl ist ein hervorragender Modellbauer, der Szenen aus der Geschichte als Dioramen nachbaut. Er hat natürlich auch das Thema aufgegriffen und einige Kraftfahrzeuge des Autokaders, die vor dem Dürnhof stehen, gebaut. Das Original ist auf der Modellbaumesse in Wien (23. bis 26. Oktober) auf dem Stand des DOPPELADLER-TEAMS zu besichtigen (Infos:  www.doppeladler.com ).

  • Klosterneuburg ist die Heimstätte der Internetseite über österreichische Militärgeschichte. Der Inhaber Robert A. Tögel ist Historiker, Modellbauer und Journalist, der Modell-Ausstellungen im Raum Wien organisiert und Vorträge über militärische Ereignisse hält.

  • Einmalige Sonderausstellung zum 100-jährigen Jubiläum im Pioniermuseum Klosterneuburg. Magdeburggasse 9. Öffnungszeiten: jeden Donnerstag im August von 8 bis 15 Uhr. Anmeldung unter 0699 / 88 79 89 12.