Klosterneuburger Steinmetz will „Denkmale setzen“. Die Grabsteine am Friedhof zeigen alle ähnliche Formen. Dagegen will der einzige Steinmetz in Klosterneuburg Akzente setzen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:46)
Jugendstilstele mit Herzmotiv, gefertigt aus Carrara Marmor, vergoldet.
Rathmayer

Wenn die Tage kürzer werden, Blätter sich verfärben, sich der Nebel über die Stadt legt – wenn also der Herbst seinen fixen Platz im Wechselspiel der Jahreszeiten einnimmt, dann feiern wir auch Allerheiligen. Der 1. November ist dem Gedenken an unsere lieben Verstorbenen reserviert, und so pilgern auch heuer viele Menschen zu den Friedhöfen, um den Vorangegangenen die Ehre zu erweisen und ihre Gräber zu besuchen. Nicht nur dem Blumenschmuck, sondern vor allem dem Grabmonument als solchem kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu.

Ein Spaziergang durch die Friedhöfe zeigt allerdings, dass diese Bedeutung immer mehr in den Hintergrund gerät. Monoton reiht sich ein Grabstein in ähnlich Form an den anderen. Die Inschrift, als zentrale Personalisierung der Gedenkstätte, wird immer sparsamer gehalten, oft ziert den Grabstein nur mehr der Familienname.

Grabanlage mitPolygonal-Deckel und ausgefallenen Schrift-Applikationen.
Rathmayer

Am Steinmetzmeister liegt es, dies zu ändern. In Klosterneuburg gibt es jemanden, dem das ein Anliegen ist. Der einzige Steinmetzmeister in Klosterneuburg: Philipp Hornstein, Steinmetzmeister, Bildhauer und Graveur. Die NÖN bat ihn anlässlich des Allerheiligenfestes zum Gespräch.

NÖN: In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten eröffnen Sie ein Geschäftslokal in der Hofkirchnergasse. Ist das nicht ein waghalsiges Unterfangen?
Philipp Hornstein: In der Privatwirtschaft gibt es keine Handlung, die nicht mit Risiko behaftet ist. Diesen Wunsch, auch in Klosterneuburg mit einem Geschäftslokal präsent zu sein, hege ich schon lange, bevor Corona sein Unwesen startete. Jetzt habe ich das ideale Lokal gefunden, um meine Ideen zu verwirklichen. Da lasse ich mich von einer Pandemie nicht aufhalten.

Offensichtlich gehen Sie einen anderen, sehr kreativen Weg der Grabgestaltung. Was steckt hier ideologisch dahinter?
Unsere Zeit ist von Zweckmäßigkeit getragen. Es geht immer nur mehr darum, zielorientiert die Pflicht zu erfüllen. Auch bei der Wahl des Grabsteines ist es so. Einfassung, Sockel, Grabstein und der Familienname eingraviert – mehr wird nicht mehr erwartet.

Das führt dazu, dass am Friedhof die Gräber alle gleich aussehen?
Genau, dem will ich mit aller Kraft entgegenwirken. Denn es geht ja nicht nur darum, die letzte Ruhestätte eines geliebten Menschen formal in Ordnung zu halten, sondern ich glaube, es ist wichtig und es müsste auch ein Anliegen sein, jemandem, der es verdient hat, ein Denkmal zu setzen.

Das heißt, Sie setzen Grabstein und Denkmal auf eine Stufe?
Ja, ich sehe hier wenig Unterschied. Es geht immer nur darum, das Andenken eines Menschen zu wahren. Es sollte nur so persönlich wie möglich sein und den Verstorbenen mit seinem Wirken und Sein abbilden. Jeder von uns hat seine Geschichte. Und sie ist es wert, erzählt zu werden.

​​​​​​​Es ist schon klar, dass so eine Einzelanfertigung teurer ist als ein Grabstein vom Fließband

Derzeit hat es ja den Anschein, als kämen Grabsteine vom Fließband...
So ist es ja fast auch, und auch bei mir kann man die übliche Grabgestaltung bekommen. Aber zusätzlich ist es mir ein Bedürfnis, den Menschen etwas ganz Persönliches zu bieten, Monumente zu schaffen, die jedes für sich ein Unikat bedeuten, das es kein zweites Mal auf der Welt gibt. Dafür nehme ich mir auch die Zeit zur Beratung und Umsetzung.

Das klingt ja alles sehr engagiert, aber ist das nicht auch mit erheblichen Kosten verbunden?
Es ist schon klar, dass so eine Einzelanfertigung teurer ist als ein Grabstein vom Fließband. Aber der Markt hat sich anscheinend damit abgefunden, billig produzieren zu müssen, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Mir geht es bei meinen Entwürfen aber nicht um die verkaufte Stückzahl. Mir geht es darum, etwas Individuelles zu schaffen und jene, die etwas Einzigartiges am Friedhof entstehen lassen wollen, zu unterstützen und das richtige Angebot dafür präsentieren zu können.