Brandrat Josef Angelmayer: Meilensteine in der Uniform. Brandrat Josef Angelmayer war 25 Jahre lang Kommandant der FF Klosterneuburg – ein Rückblick.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 19. Februar 2021 (03:17)
Ende Jänner übergab Josef Angelmayer (r.) nach 25 Jahren das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Klosterneuburg an seinen bisherigen Stellvertreter Benjamin Löbl. 
FF Klosterneuburg

Die freiwillige Feuerwehr Klosterneuburg, eine der ältesten Feuerwehren Niederösterreichs, hat seit ihrer Gründung im Jahre 1867 bewegte Zeiten hinter sich. In ihrer mittlerweile 154-jährigen Geschichte hat die Feuerwehr der Babenbergerstadt historische Revolutionen miterlebt. Zwei Weltkriege, die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und die Digitalisierung in den letzten Jahrzehnten. All diese stetigen Veränderungen in der Welt haben die Feuerwehr Klosterneuburg über die Jahre geprägt und zu jener schlagkräftigen und modernen Einsatzorganisation geformt, die sie heute für die Klosterneuburger ist.

Als Feuerwehrkommandant war Josef Angelmayer bei unglaublichen 791 Einsätzen in Klosterneuburg von 1996 bis 2021 Einsatzleiter.
FF Klosterneuburg

In dieser Zeit haben auch herausragende Persönlichkeiten ihre Fußabdrücke hinterlassen. Zu den wohl größten Führungskräften der freiwilligen Feuerwehr Klosterneuburg haben sicherlich der Gründungskommandant Bäckermeister Josef Popp zu „Kaiserszeiten“ (1867-1879), Dachdeckermeister Franz Ziegler (1937-1945), der die Feuerwehr Klosterneuburg durch den Zweiten Weltkrieg führte, sowie der Zimmermeister Heinrich Fuchs (1962-1987), der in seiner Zeit als Kommandant die technischen Grundsteine für das heutige Ausrüstungsniveau legte, gezählt.

Zu diesen „Ausnahme-Kommandanten“ reiht sich nun auch der Konditormeister Brandrat Josef Angelmayer (1996-2021) ein. Er führte die Feuerwehr Klosterneuburg insgesamt 9.142 Tage und war somit der längstdienende Feuerwehrkommandant in der Geschichte der städtischen Feuerwehr.

Seit 1980 im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr

Josef Angelmayer trat am 16. Juni 1980 in den Dienst der Feuerwehr Klosterneuburg ein und engagierte sich bereits in seinen jungen Jahren. So trat er schon 1986 eine Führungsaufgabe als Gruppenkommandant im 1. Zug (Untere-Stadt) an. Nur zehn Jahre später wurde er mit 34 Jahren zum bis heute jüngsten Feuerwehrkommandanten Klosterneuburgs gewählt. Im Jahr 2001 wurde Josef Angelmayer als Abschnittsfeuerwehrkommandant-Stellvertreter und nur zwei Jahre später als Abschnittsfeuerwehrkommandant zum Kommandanten und Vertreter aller Feuerwehren der Stadtgemeinde Klosterneuburg gewählt. Am 25. 11. 2017 berief ihn der Gemeinderat zum ersten Branddirektor in der Geschichte Klosterneuburgs.

In seiner Feuerwehrlaufbahn absolvierte Angelmayer 110 Feuerwehrlehrgänge und Fortbildungen, nahm an 81 Feuerwehrbewerben, hauptsächlich zu Wasser, teil und engagierte sich darüber hinaus als „Donaufeuerwehr-Kommandant“ im Bereich Wasserdienst der Feuerwehr, besonders als Bewerter und Ausschussmitglied. Damit trug er über die Bezirksgrenzen hinweg, bis auf die Landesebene Niederösterreichs, zur Entwicklung des Wasserdienstes bis heute bei.

Als Feuerwehrkommandant war Josef Angelmayer bei unglaublichen 791 Einsätzen in Klosterneuburg von 1996 bis 2021 Einsatzleiter. Insgesamt stand er bei weit über 1.000 Feuerwehreinsätzen im ganzen Bundesland, aber auch im Rahmen von Katastropheneinsätzen über die Grenzen hinweg, im Einsatz. Zu seinen größten Herausforderungen zählten einige Großeinsätze wie der ausgedehnte Dachbrand am Stadtplatz im Jahr 1996, das Jahrhunderthochwasser 2002, der tödliche Schiffsunfall „Grein“ im Jahr 2004, die schwere Sturmnacht „Kyrill“ im Jahr 2007, eine schwere LKW-Bergung mit Unterstützung der BF Wien in der Türkenschanzgasse 2008, der Hallenbrand am Areal des ehemaligen Inku-Geländes unter Einsatz aller Kräfte aus Klosterneuburg und der Löschbereitschaft Döbling im Jahr 2011 sowie unzählige Einsätze, wo er die Feuerwehr Klosterneuburg durch sein erfahrenes Vorgehen zum Erfolg führte.

Landesrat Josef Plank und Landesfeuerwehrkommandant Weissgärber übergeben in Ardagger das neue Feuerwehrrettungsboot an KDT Angelmayer.
FF Klosterneuburg

Neben der Bewältigung der Einsätze hat Josef Angelmayer die Feuerwehr Klosterneuburg in den 25 Jahren seiner Kommandantur auch in Sachen Administration und Technik bedeutend weiterentwickelt. Unter seiner Führung wurden wesentliche Bauprojekte verwirklicht. Das Feuerwehrhaus Franz-Rumpler-Straße erhielt einen Zubau für Garderoben im Innenhof im Jahr 2002 sowie eine umfangreiche Revitalisierung der Feuerwehralarmzentrale im Jahr 2006. Ebenso wurde der Donaustützpunkt „Katastrophenlager Donaustraße“ mehrfach an die gestiegenen Anforderungen und wegen fortschreitenden Platzmangels adaptiert.

Zuletzt wurde im Jahr 2018 in der Donaustraße eine Halle neu errichtet und der gesamte Komplex für das Wechselladesystem und den Katastrophenschutz der Stadt Klosterneuburg umfangreich angepasst.

Neuerungen für Organisation & Technik

Aufseiten der Technik hat Josef Angelmayer den gesamten Fuhrpark in seinen 25 Jahren einmal komplett erneuert, um den aktuellen technischen Herausforderungen der Feuerwehr mit bester Schlagkraft entgegentreten zu können. Dabei wurde immer wieder Neues probiert und Bewährtes weiterentwickelt. So wurde im Jahr 2007 die alte Drehleiter gegen einen modernen Hubsteiger ersetzt.

Auch das Tanklöschfahrzeug aus dem Jahr 1984 konnte im Jahr 2007 gegen ein modernes und universelles Nachfolgefahrzeug getauscht werden. Ein besonderer technischer Wandel hat im Bereich der „Rüstfahrzeuge“ stattgefunden. Angelmayer setzte als Nachfolge eines Schwerrüstfahrzeugs Baujahr 1987 auf moderne Wechselladefahrzeuge. Das erste dieser WLFs konnte die Feuerwehr Klosterneuburg bereits im Jahr 2003 in Dienst stellen.

Heute sind drei dieser Universalfahrzeuge, die je nach Bedarf für den Einsatz unterschiedliche Ausrüstungen mit Wechselhaken aufnehmen können, im Dienst der Feuerwehr. Zuletzt konnte im Jahr 2017 das Einsatzleitfahrzeug aus dem Jahr 1993 gegen eines der modernsten seiner Art ersetzt werden. Das Fahrzeug wurde im Zuge der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestandsjubiläum der Feuerwehr Klosterneuburg von Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager und Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner übergeben.

2017 feierte die Freiwillige Feuerwehr Klosterneuburg ihr 150-jähriges Bestehen.
Alois & Eva Steinhauser

Am 2. Februar 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, wurde nach vielen Jahren der Vorbereitung durch Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, Branddirektor Josef Angelmayer und der Gemeindeadministration der erste Zivildienstleistende bei der Feuerwehr Klosterneuburg zum Dienst an der Gesellschaft berufen. Dies stellt, neben den zwei hauptamtlichen Feuerwehrmännern, die ebenfalls seit 2020 von der Gemeinde zur Dienstunterstützung abgestellt sind, eine enorme Entlastung der freiwilligen Feuerwehrkräfte dar und ist ein bedeutender Meilenstein in der Entwicklung der Klosterneuburger Feuerwehr.

9.142 Tage an der Spitze der Feuerwehr

Josef Angelmayer hat am 25. Jänner 2021, nach 9.142 Tagen, die Feuerwehrführung in jüngere Hände übergeben. Dank seines 25-jährigen Wirkens als Kommandant in Klosterneuburg steht seine Feuerwehr heute solide dar und schreitet bestens ausgerüstet in die weitere Zukunft.

Das neue Feuerwehrkommando rund um Benjamin Löbl bedankt sich für seinen unermüdlichen Einsatz und freut sich, Josef Angelmayer auch die nächsten Jahre als gute Seele und Mentor stets unterstützend an der Seite zu haben. Danke, Josef!