„Hab‘ geglaubt,
mich trifft der Schlag“.
Abrechnung / Im Juli flatterte die Wasserrechnung der Stadtgemeinde in das Häuschen von Renate Eberhardt in Weidling: 10.000 Euro.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 01. Januar 2014 (23:59)
Die Wasserleitung bei Renate Eberhardt war leck. Fazit: Über 10.000 Euro Nachzahlung, Das kann und will sie nicht bezahlen.
NOEN, Foto: Hornstein
Von Christoph Hornstein

„Bei Ihnen rinnt’s“. Knapp aber deutlich die Information, als zwei Beamte der Stadtgemeinde Klosterneuburg im April 2013 im Garten von Renate Eberhardt standen. Die Folgen waren noch deutlicher. Anfang Juli bekommt die Pensionistin ihre Wasserabrechnung: 10.096,35 Euro.

Renate Eberhardt lebt in der Löblichgasse in Weidling. Sie bewohnt dort ein kleines, altes Häuschen mit Grundstück. Jahrelang bezahlt sie brav ihre Wasserrechnung. Anfang April kommt sie gerade vom Zahnarzt heim und trifft zwei Beamte vom Wasserwerk an. Die Stadtgemeinde musste bemerkt haben, dass der Wasserverbrauch 2013 überdurchschnittlich gestiegen ist. „Das wird teuer“, meinte einer der Beamten bei der Verabschiedung.

Installateur kontaktiert

Renate Eberhardt rief sofort ihren Installateur an, der den Schaden erkannte und auch reparierte. Nur, die Warnung „Das kann teuer werden“ ließ der Frau keine Ruhe, sie forderte von der Gemeinde eine Zwischenabrechnung ihres Wasserverbrauchs an. „Ich hab‘ geglaubt, mich trifft der Schlag“, erzählt Eberhardt, als sie im Juli die Abrechnung bekam. 10.096,35 Euro so die Forderung der Stadtgemeinde: Wasserverbrauch über 6.000 Kubik, das sind so 140 Schwimmbecken.

„Ich hab natürlich alles in Bewegung gesetzt und mich sofort erkundigt. Alle meine Intentionen, Verständnis bei der Stadtgemeinde zu bewirken, sind aber fehlgeschlagen“, erzählt Eberhardt weiter. „Wir haben Ihnen das Wasser geliefert und der Schaden ist auf Ihrem Grund. Daher müssen Sie bezahlen“, so die Meinung der Beamten im Rathaus.

Die erste Berufung wurde abgewiesen, auch ein Nachsichtsansuchen wurde abgelehnt.

Fall wird bearbeitet

Laut Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager wird dieser Fall derzeit im Rathaus bearbeitet und die rechtliche Lage geprüft. „Der bisherige Standpunkt war, dass Gebühren ohne Wenn und Aber vorzuschreiben sind.“ Sollte es eine Lösungsmöglichkeit für solche Härtefälle geben, werde er — Schmuckenschlager — diesen näher treten. „Die Stadtgemeinde will sich nicht am Schicksal der Menschen bereichern“, beteuert Schmuckenschlager.

In anderen niederösterreichischen Städten werden solche Fälle insofern behandelt, dass man sich mit den Selbstkosten der Wasserlieferung begnügt. Die Rückfrage in Tulln bestätigt das. Und auch in Purkersdorf wird so gehandelt. Bürgermeister Karl Schlögl: „Das Verschulden liegt zwar klar beim Grundstückseigentümer, aber wir verrechnen in solchen Härtefällen nur den Einkaufspreis. Auch eine Ratenzahlung kann gewährt werden. All das liegt aber in der Entscheidung des Stadtrats.“

Renate Eberhardt sucht nun Hilfe beim Volksanwalt.