Klosterneuburg: Vorsicht trifft auf Wunsch nach Nähe . Wie werden wir uns in Zukunft begrüßen? Wird es noch so etwas wie Handschlagqualität geben? Die NÖN befragt Prominenz aus Politik, Kunst, Sport und Gesellschaft.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:14)
440_0008_8103038_klo24_16_kl_haendeschuetteln_c_krakenim.jpg
shutterstock/Krakenimages.com, shutterstock/Krakenimages.com

„Man hat es eben schwer, wenn man zu erkennen gibt, dass man seiner Zeit voraus ist.“ Gemeinderat Peter Hofbauer, einsamer Kämpfer an vielen politischen Fronten, dürfte da so etwas wie eine Vorahnung gehabt haben, als er lange vor Ausbruch der Pandemie seinen Händedruck verweigerte. „Durch die Bitte auf Verzicht auf den Handschlag wurde ich sowohl im Gemeinderat als auch am Tennisplatz mit Häme bedacht, und man warf mir Unhöflichkeit vor“, erinnert sich Hofbauer. Nach eineinhalb Jahren Pandemie stellt sich nun die Frage, ob die Ersatzformen der Begrüßung, die sich durch den Verzicht des Händeschüttelns eingebürgert haben, wohl aufrecht bleiben.

„Auch wenn die Pandemie verschwindet – ich werde weiter auf das Händeschütteln verzichten“, ist sich Hofbauer sicher und führt dafür einigens an Gründen an. So sei das Handgeben, neben dem gemeinsamen Kontakt von Menschen mit Oberflächen wie etwa Türklinken, der wichtigste Übertragungsweg für Infektionen wie Erkältungen oder auch Magen-Darm-Erkrankungen. Das Infektionsrisiko werde durch den Umstand erhöht, dass Menschen, ohne sich dessen bewusst zu sein, sehr häufig mit den Händen Mund, Nase oder Augen berühren. Auf diese Weise könnten Krankheitserreger von einer Person auf die andere übertragen werden.

„Das Händeschütteln bleibt für einige Zeit noch aus. Aber es gibt zum Glück viele Formen der freundlichen und wertschätzenden Begrüßung.“ Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau

Politiker haben es in solchen Zeit wohl schwerer, denn für sie ist Händeschütteln ein fundamentaler Teil ihrer Arbeit. Für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist aber derzeit noch Vorsicht geboten: „Das Händeschütteln bleibt für einige Zeit noch aus. Aber es gibt zum Glück viele Formen der freundlichen und wertschätzenden Begrüßung, und diese verwende auch ich je nach Termin, sei es in der politischen Arbeit oder bei Treffen mit Freunden.“

Bürgermeister nimmt Anleihe bei 007

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager wird, nach Ende der Pandemie, wieder zum traditionellen Begrüßungsritual zurückkehren: „Wir Menschen können seit jeher auf unsere Sinne vertrauen und sollten diese auch entsprechend anwenden. Daher halte ich es für normal, anderen Menschen die Hand zu reichen und damit durch Berührung Nähe auszudrücken. Ebenso kann man durch die Art des Händedrucks gewisse Empfindungen wahrnehmen. Fast wie bei James Bond, nur ein wenig abgeändert: geschüttelt und gerührt.“

Menschliche Nähe nicht ohne Berührungen

In der Kunst scheint ein extrovertierter Umgang mit Seinesgleichen unumgänglich. „Nein, jemandem nicht die Hand geben zu können – daran werde ich mich nie gewöhnen“, ist Michael Garschall, Intendant der Oper Klosterneuburg, überzeugt. Er hätte engen Kontakt mit dem Publikum und den Künstlern, und da seien „auch Umarmungen wichtig. In unserer Branche braucht es Nähe“, so der Intendant, der am 3. Juli Premiere im Kaiserhof feiert.

Auch im Sport ist Nähe zu anderen Menschen nicht zu vermeiden. Der „Panther von Hütteldorf“, Michael Konsel, hat da einen für ihn gangbaren Mittelweg gefunden: „Unter Einhaltung aller hygienischen Vorsichtsmaßnahmen werde ich weiter Hände schütteln, weil wir sind einfach so aufgewachsen.“ Seine Hände waren für ihn immer ein wichtiges Werkezug als Tormann. Konsel kann sich vorstellen, dass es Usus wird, nach dem Händeschütteln mit einem mitgenommenen kleinen Sprayfläschchen die Hände zu desinfizieren. „Bei kurzen und eher oberflächlichen Begrüßungen werde ich aber das Händeschütteln vermeiden und mit anderen Gesten meine Wertschätzung mitteilen“, so die Tormannlegende Michael Konsel aus Kritzendorf.

Menschen, die sich ständig in Gesellschaft bewegen, werden um das Händeschütteln nicht hinwegkommen. Georg Mayrhofer, besser bekannt unter „Wiesnschürli“, ist so einer: „Ich hoffe, dass das Händeschütteln wieder kommt. Die ganzen Ersatzrituale nerven mich. Besonders das Boxen. Ich halte das für unsympathisch und aggressiv.“ Und noch einen anderen Aspekt bringt der „Wiesnschurli“ ein: „Nur durch das Händeschütteln kann man Handschlagqualität beweisen. Die ist mir sehr wichtig, und daher muss für mich das Händegeben beibehalten werden.“

Umfrage beendet

  • Werdet ihr nach der Pandemie Menschen wieder die Hand geben?