Um 4,26 Millionen Euro das Budget überzogen. Der Rechnungshofbericht liegt vor und übertrifft die Kritik der Opposition: Über 100 Mängel und um 4,26 Millionen überzogen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 25. April 2018 (05:28)
Wahrlich kein schöner Anblick für eine um 15 Millionen sanierte Sportstätte: die Geländer der Happyland-Badanlage.
NOEN, Hornstein

Der mit Spannung erwartete Rechnungshof-Schlussbericht zur Sanierung des Happylands liegt nun vor. Teile des nicht-öffentlichen Rohberichts wurden der NÖN bereits zugespielt. Der nun vorliegende und für die Öffentlichkeit bestimmte Schlussbericht zeichnet ein düsteres Bild und lässt kein gutes Haar an den Verantwortlichen der Happyland Sanierung. Das ist auch Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager bewusst, der aber einräumt, dass viele der aufgezeigten Mängel bereits behoben wurden.

Über 100 Sanierungsmängel hat der Rechnungshof in seiner Bestandsaufnahme im April 2017 festgehalten. Heute noch – ein Jahr später – tropft es von der Decke der Schwimmbad-Garderobe.
NOEN, privat

Auf 108 Seiten brachte der Rechnungshof das Ergebnis seiner Überprüfung der Happyland-Sanierung auf Papier. Von Februar bis April 2017 prüfte der Rechnungshof (RH) das Projekt der Sanierung, das von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden haben muss.

Schon bei der Projektentwicklung wären die Grundlagen – Masterplan, Vorentwurfsplanung samt Kostenschätzung) „nicht baureif gewesen“, so die Kritik des RH. Das führte zu „zahlreichen Ausführungsänderungen und zur Erhöhung des Finanzrahmens“, so der RH. Waren die politisch Verantwortlichen vor Kurzem noch stolz auf die moderaten finanziellen Überschreitungen der Baustelle, müssen sie nun die Kritik des RH zu Kenntnis nehmen, die ein reales Bild der Kostenüberschreitung zeigt. „Unter Berücksichtigung von Mehrkosten, weggefallenen Bauleistungen, verminderter Ausführungsqualität und Inanspruchnahme der Reserve ergab sich eine Kostenüberschreitung von 4,26 Millionen Euro, oder rund 30 Prozent“, stellte der RH fest.

Mehr als 100 Mängel aufgelistet

Der „Sanierungs-Pfusch“, wie die Opposition und vor allem Gemeinderat Peter Hofbauer (Liste Hofbauer) die Arbeiten im Happyland bezeichnen, wurde vom Rechnungshof bestätigt. So ist wörtlich aus dem Bericht zu entnehmen: „Bei Begehungen fand der RH eine Anlage vor, die teilweise unvollendet und mit gravierenden Mängeln behaftet war. Dies betraf auch für Besucherinnen und Besucher sichtbare Mängel. Die Liste der noch nicht behobenen Mängel umfasste im März 2017, über ein Jahr nach Abschluss des Projekts, mehr als 100 Punkte. Weder die Geschäftsführung noch der Generalplaner konnten eine Strategie samt Zeitplan für deren Behebung vorlegen.“

Konkret wurde auszugsweise folgendes bemängelt:

  • Rostflecken auf dem Niro-Geländer, aufgrund niedriger Materialqualität und fehlender Entfeuchtung durch die bislang unterbliebene Inbetriebnahme der Wärmepumpen.
  • Die Lüftung der Mehrzweckhalle ist unter Bezug auf die Besucherzahl unterdimensioniert.
  • Der ersatzlose Abbau der Wärmetauscher bei der Kälteanlage des Eislaufplatzes führte zum Verlust der Abwärmenutzung für das Bad, zu weiterem Investitionsbedarf und zu künftig zusätzlichem Energieverbrauch.
  • Investitionen in die Barrierefreiheit waren zum Zeitpunkt der Überprüfung des RH „weder in der Planung vorgesehen noch bei der Sanierung umgesetzt“, ist im Bericht zu lesen.
  • Auch die Vergabe der notwendigen Arbeiten wurde vom RH heftig kritisiert: „Der RH beurteilte die vom Generalplaner erstellten Leistungsverzeichnisse als wenig geeignet, um im Wettbewerb unstrittig das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln. So belief sich beispielsweise beim Gewerk Trockenbau die Summe aus Mehrmengen und Nachträgen — die dem Wettbewerb entzogen waren — auf 96 Prozent der Auftragssumme.“
     

Alle Akteure massiv unter Kritik

Projektleiter, Generalplaner, Projektsteuerung Örtliche Bauaufsicht, begleitende Kontrolle, Baubeirat und der Beirat der Sportstätten GmbH bekamen vom RH ganz schlechte Noten ausgestellt. So verfügte laut Bericht Geschäftsführer Stefan Konvicka „weder über eine bauspezifische Ausbildung noch über Erfahrungen mit vergleichbaren Bauprojekten.“ Generalplaner und Projektsteuerung (beides externe Unternehmen) erreichten die in den Leistungsverträgen vorgegebenen Ziele nicht. Darüber hinaus nahm der Generalplaner „Maurer & Partner“ die örtliche Bauaufsicht nicht ausreichend wahr.

Es fehlte ein systematisches Mängelmanagement. Auch die Prüfung der Rechnungen wurde kritisiert. Vor allem die Kontrolle steht im Bericht am Pranger, und das betrifft vor allem die Politik: „Die Kontrollorgane (Begleitende Kontrolle, Baubeirat und Beirat der Sportstätten GmbH), die sich im Wesentlichen aus Mitgliedern des Stadtrats und Mitarbeitern der Stadtgemeinde zusammensetzten, blieben unwirksam.“

Der komplette Rechnungshofbericht zum Thema Happyland als PDF-Download:

Rechnungshofschlussbericht.pdf (pdf)