Eine Oase für den Obstbau

Versuchsgut feiert 50-jähriges Jubiläum. Das Areal in Klosterneuburg ist heute das österreichische Kompetenzzentrum für den Obstbau.

NÖN Redaktion Erstellt am 08. Oktober 2021 | 04:50
440_0008_8199185_klo40_19_kl_50_jahre_haschhof_eder_4.jpg
Direktor Reinhard Eder betont die Wichtigkeit des Haschhofs: „Wir sind froh, dass unsere Väter und Vorgänger vor 50 Jahren den Haschhof erworben und so gut für die obstbauliche Lehre und Forschung vorbereitet haben.“
Foto: HBLAuBA

Was am Haschhof reift, kann sich sehen lassen: einerseits fruchtig-frische Beeren, Marillen, Äpfel und Co. – andererseits das Wissen, das seit 50 Jahren gesammelt und weitergegeben wird. Die Klosterneuburger Obstversuchs-Anstalt in sonniger Hügel-Lage feiert Jubiläum – passend bei Kaiserwetter und strahlend blauem Himmel wurde der Anlass entsprechend gewürdigt.

Seit dem Jahr 1971 ist das Obstversuchsgut Haschhof im Besitz des Landwirtschaftsministeriums und wird von der HBLA und BA für Wein- und Obstbau für Lehre und Forschung im Obstbau verwendet. Rudolf Novak gab beim Jubiläumsfest einen historischen Rückblick auf die In-Kulturnahme des Haschhofs:

Da die Lage keine landwirtschaftliche Gunstlage ist, musste in den ersten Jahrzehnten sehr viel in die Verbesserung der Bodenqualität – etwa die Anwendung von Kompost auf Pferdemistbasis, umfangreiche Steinentfernungen, Wassersammelbehälter und Bewässerungssysteme – und in den Aufbau einer betrieblichen Infrastruktur – Arbeitsräume, Hallen für Maschinen und Geräte, Obstlagerhalle – investiert werden.

Nun aber präsentiert sich der Haschhof als das österreichische Kompetenzzentrum für den Obstbau. Von dort nahm die Kultur des Holunders mit der Hauptsorte „Haschberg“ seinen Ausgang, die heute mit rund 1.500 Hektar Anbaufläche zu den drei Top-Obstarten im österreichischen Anbau zählt. Weiters wurden dort seit den 80er-Jahren erste Versuche mit dem Bio-Anbau von Apfel gemacht, und heute noch werden Pionierarbeiten zum Bio-Anbau von Steinobst, insbesondere Marille, unternommen.

Von Erdbeere bis Kriecherl

Die zahlreichen aktuellen Forschungsvorhaben wurden vom Leiter des Instituts für Obstbau, Lothar Wurm, im Zuge einer Besichtigungstour durch das Obstgut präsentiert. An elf Stationen waren Infostände aufgebaut, bei denen Mitarbeiter ihre Projekte präsentierten: moderne, geschützte Anbausysteme (Folientunnel, Regenkappensysteme) für Beerenobst (Erdbeere, Himbeere, Heidelbeere) und Steinobst (Kirsche, Marille), Schutzmaßnahmen gegen vom Klimawandel verursachte, zunehmende Schäden (Hagel, Frost), Testung neuer Sorten und Anbaumethoden, Anbauoptimierung seltener oder bisher unüblicher Obstarten (Speierling, Edelkastanie, Elsbeere, Mandel, Kornelkirsche, Kriecherl), Testung neuer und alter Marillen- und Zwetschkensorten und Aufklärung ihrer genetischen Verwandtschaft oder natürliche Bekämpfung des Götterbaums.

Christian Kasper, der Leiter der Abteilung Schulen und Forschungszentren im Landwirtschaftsministerium, hob hervor, dass ein wesentlicher Aspekt des großen Erfolges der Ausbildung an Landwirtschaftlichen Höheren Lehranstalten die enge Verknüpfung von lebensnaher Lehre und praxisorientierter Forschung ist. Weiters regte er an, dass im Bereich Obst- und Gemüseanbau noch mehr geforscht werden sollte, da sich die Ernährungsgewohnheiten der Menschen, insbesondere Jugendlicher, immer mehr weg vom Fleisch hin zu pflanzlichen Produkten verschieben.

Aufgrund der zahlreichen Forschungsaktivitäten und des Vorhandenseins praktisch aller in unserer Klimazone relevanten Obstarten stellt das Obstgut Haschhof einen idealen Standort für die hohe fachliche Ausbildung der Schüler der HBLAuBA Klosterneuburg dar. Zusätzlich trägt die spezielle Atmosphäre am entlegenen Haschhof inmitten des Wienerwalds mit dem manchmal rauen, windig kalten Wetter besonders zur Ausprägung des Gemeinschaftsgefühls der Klosterneuburger Obst- und Weinbauschüler bei. Ob seiner landschaftlichen Schönheit und Vielfalt von Obstgehölzen wird das Obstgut aber auch von anderen geschätzt und ist daher ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen unterschiedlichsten Alters aus dem In- und Ausland oder naturverbundener, regional aktiver Vereine.

Direktor Reinhard Eder ist sich der Wichtigkeit des Areals bewusst: „Wir sind froh, dass unsere Väter und Vorgänger rund um Eduard Strauss, Reinhard Eder und Rudolf Novak vor rund 50 Jahren den Haschhof erworben und so gut für die obstbauliche Lehre und Forschung vorbereitet haben – danke! Und danke dem Team vom Haschhof und allen Aktiven für deren wertvolle Arbeit.“