Klosterneuburg , St. Andrä-Wördern

Erstellt am 23. Januar 2019, 05:19

von Christoph Hornstein

PUK-Besichtigung: „Großheim ist nicht zeitgemäß“. PUK-Gemeinderätin Arrieta bemängelt Greifensteiner Quartier. Waldhäusl: „Kein Asyl-Luxus auf Kosten der Steuerzahler.“

PUK-Gemeinderätin Teresa Arrieta machte sich persönlich ein Bild vom Quartier für minderjährige Geflüchtete in Greifenstein.  |  privat

Der Kritik des SPÖ-Fraktionschefs und Höfleiners Karl Schmid und der Volksanwaltschaft schließt sich nun auch PUK-Gemeinderätin Teresa Arrieta an. Bemängelt wurden das Sicherheitskonzept, Betreuungs- und Personalsituation sowie „Ausgangssperren“. Volksanwalt Günther Kräuter kritisierte auch die Größe des Quartiers für minderjährige Geflüchtete in Greifenstein.

Am vergangenen Sonntag hat Gemeinderätin Teresa Arrieta dem ÖJAB-Haus einen Überraschungsbesuch abgestattet. „Ich habe am Sonntag zwei Betreuer vorgefunden, die sich um über 40 Jugendliche und junge Erwachsene kümmern müssen“, berichtet sie.

Unter der Woche seien zwar mehr Betreuer anwesend, trotzdem sei offensichtlich, dass es an allen Ecken und Enden an Zuwendung und Betreuung mangle. „Die Angebote zur Freizeitgestaltung von Freiwilligen kommen nur langsam in die Gänge.“ Die Jugendlichen gingen zwar teils Ausbildungen nach, „doch ganz offensichtlich mangelt es an einem sozialpädagogischen Konzept.“

„Integration und gutes Zusammenleben sind nicht möglich, wenn man ein Heim nach dem Modell der 60er Jahre aufzieht.“Teresa Arrieta, PUK

„Integration und gutes Zusammenleben sind nicht möglich, wenn man ein Heim nach dem Modell der 60er Jahre aufzieht“, so Arrieta. Das Heim sei zwar gut renoviert, aber viel zu groß für unbegleitete Minderjährige, „in Wien hat der Fonds Soziales Wien für unbegleitete Jugendliche Wohneinheiten von 15 Personen als Standard vorgeschrieben.“

PUK-Gemeinderätin Teresa Arrieta machte sich persönlich ein Bild vom Quartier für minderjährige Geflüchtete in Greifenstein.  |  privat

Die Jugendlichen könnten kaum gemeinsam kochen und haben zu wenig Tagesstruktur. „Zur Freiheitsbeschränkung habe ich widersprüchliche Aussagen bekommen. Wenn sie abends nicht rausdürfen, wäre das gesetzwidrig.“ Es ginge um eine Grundhaltung, die die Autonomie und Selbstverantwortung der Jugendlichen fördere. „So wie es jetzt gestaltet ist, sind Spannungen und Probleme vorprogrammiert, das schadet uns allen“, so Arrieta.

„Auch wenn es seitens der Volksanwaltschaft und von anderen Parteien Kritik gibt, die Unterkünfte sind aus Sicht des Landes NÖ bestens geführt, und solange ich für Asylagenden die Verantwortung trage, wird es in diesem Bereich keinen Fünf-Sterne-Luxus geben“, kontert Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) gewohnt schroff.

„Ich erinnere mich an die Zeit im Internat, hier gab es fixe Essenszeiten und auch in allen anderen Bereichen strenge Regeln“, argumentiert Waldhäusl. Die unbegleiteten Minderjährigen seien eben ohne Eltern hier, das Land sei für die Obsorge zuständig. Daher gäbe es selbstredend Regeln für Asylquartiere, die in der jeweiligen Hausordnung auch festgeschrieben seien.

Laut Waldhäusl sollten sich die notorischen Kritiker den Begriff „Asyl“ endlich vor Augen führen: „Asyl heißt Schutz auf Zeit, sehr gerne stellt Niederösterreich den betroffenen Personen ein Dach über den Kopf, entsprechende Versorgung und natürlich auch die notwendige Betreuung zur Verfügung. Ich werde allerdings keinesfalls Asyl-Luxusunterkünfte auf Kosten der Steuerzahler betreiben. Schließlich gibt es unter unseren Landsleuten genug Familien, die mehr schlecht als recht über die Runden kommen.“

Und der FP-Landespartei- und Klubobmann im NÖ Landtag, Udo Landbauer, stärkt Waldhäusl den Rücken. „Der Volksanwalt hat allem Anschein nach sein Parteibuch noch nicht abgegeben. Zudem sollte er wissen, dass das Wort Volk in der Bezeichnung Volksanwalt für die Vertretung des eigenen Volkes steht und nicht für Syrer, Afghanen und Iraker“, fühlt sich Landbauer bemüßigt, den Volksanwalt an seine Aufgaben zu erinnern.