Klosterneuburger Kultur in Wartestellung. Initiative von Kulturamtsleiter Franz Brenner mit positivem Echo. Kulturstadträtin Verena Pöschl: Stolz auf Vereine, aber: „Auf Sicht verhungern wir ohne Kultur!“

Von Ewald Baringer. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:49)
Die Kulturveranstaltungen stehen seit Monaten still. Auch in Klosterneuburg, wie hier in der Babenbergerhalle.
operklosterneuburg/Ferrigato

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie befinden sich die Freizeit- und Kulturbetriebe (abgesehen von Museen, Galerien und Bibliotheken) weiterhin in Zwangspause. Veranstaltungen sind grundsätzlich untersagt. Davon ausgenommen sind etwa berufliche Zusammenkünfte, Begräbnisse, Zusammenkünfte im privaten Wohnbereich sowie professionelle Sport-Veranstaltungen mit Berufssportlern, die jedoch ohne Zuschauer stattfinden müssen. Aus diesem Grund wurden auch alle Kulturveranstaltungen der Stadtgemeinde Klosterneuburg bereits abgesagt oder verschoben

„Ein großes Dankeschön an alle Künstler, für die die Situation einfach wirklich extrem schwierig und sogar existenzbedrohend ist, dass sie mit uns Veranstaltern für ihr Publikum alles mitmachen, was bisher geschehen ist“, entrichtet Kulturamtsleiter Franz Brenner. Verschiebungen, teilweise Aufführungen in anderen Spielorten und nun wieder Verschiebungen und sogar ein paar Absagen: Natürlich sinken derzeit der Mut und die Zuversicht, dass es „bald wieder so wird wie vorher“. Brenner: „Und natürlich auch ein Dankeschön an unser Publikum, das uns bisher sehr treu geblieben ist, alle Maßnahmen, Umplatzierungen und Verschiebungen mitgetragen hat und einige sogar das Stornogeld gespendet haben!“

Zwei Monate Vorlauf für Rückkehr zu Betrieb

Doch Brenner ist darüber hinaus aktiv geworden: „Ich habe in einem Schreiben an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gebeten, dass sie sich für Kulturveranstalter einsetzt und die Möglichkeiten schafft, neben der geplanten Freitestung über die Teststraßen, den ,Nasenbohr-Selbsttest‘ direkt etwa eine Stunde vor der Veranstaltung für all jene Besucher unter geschulter Anleitung zu ermöglichen. Quasi die Kulturveranstaltungen als Teil der Teststrategie einzuplanen. Denn nur dann wird es realistisch möglich sein, dass Veranstaltungen nach Ostern wieder gut gebucht werden können. Ich habe darauf eine aufmunternde Antwort bekommen, und wie ich einer Pressekonferenz des Landes Niederösterreich entnehme, wurde die Idee nun tatsächlich aufgegriffen. Das stimmt mich zuversichtlich, denn ich sehe das als einzige Chance, und rechne daher fest damit, dass wir auf diese Weise rasch nach Ostern – wenn die Sieben-Tages-Inzidenz das zulässt – zu einem geregelten und planbaren Betrieb zurückkehren können. Man darf nicht vergessen, dass wir mindestens zwei Monate Vorlaufzeit haben, um Veranstaltungen auch organisatorisch und wirtschaftlich vertretbar durchzuführen.“

Unglücklich mit der derzeitigen Situation zeigt sich auch Kulturstadträtin Verena Pöschl: „Kultur ist ja mehr als Kultur, sie ist ein Teil des Lebens. Auf lange Sicht verhungern wir ohne Kultur.“ Dennoch steht sie „voll hinter den Schließungen“, auch wenn sie selbst als Mutter von vier Kindern von Problemen wie Home Schooling intensiv betroffen ist, hofft jedoch auf baldmöglichste Öffnungen.

Stolz ist Pöschl auf die heimischen Vereine, die sich unter anderem mit alternativen Formen der Kommunikation über die Krise retten. Sogar Chöre oder die Stadtkapelle proben online, so schwierig dies auch sein mag. Aber unterkriegen lassen sie sich nicht. Wer allerdings von der Kultur lebt, ist arm dran: „Viele Künstler haben ihre Lebensgrundlage verloren“, ist Pöschl schmerzlich bewusst.

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