Impfstoff in Klosterneuburg dringend gesucht. Für den Grippeimpfstoff gibt es nur mehr Wartelisten – ausgenommen für Kinder.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 25. November 2020 (04:06)
Allgemeinmediziner empfehlen nicht nur kranken und älteren Personen eine Grippe-Impfung. Auch junge Erwachsene sollten sich auf die Grippe-Saison vorbereiten.
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Es ist wohl der derzeit heiß begehrteste Stoff in Klosterneuburg und ganz Österreich: der Grippeimpfstoff. Von 24 Monaten bis ins hohe Alter soll die Impfung vor der Influenza schützen. Aber derzeit heißt es meistens: „Gut, aber aus“. Nur für Kinder und Jugendliche ist zur Zeit noch Impfstoff in Klosterneuburg verfügbar.

Impfstoff für Kinder gibt es nur mit Rezept

Schon im Sommer mahnten Ärzte, dass man sich in diesem Herbst gegen die Influenza impfen lassen solle. Dieser Appell zeigte Wirkung. Noch nie zuvor wollten sich so viele Menschen in Österreich gegen Grippe impfen lassen. Was an sich etwas Gutes ist, entpuppt sich nun für viele als negativ. Durch die hohe Nachfrage nach dem Impfstoff ist dieser kaum noch verfügbar. Das ergab auch ein Rundruf bei den Apotheken der Babenbergerstadt.

„Das Einzige, das uns vielleicht – auch bei einer niederen Durchimpfungsrate – hilft, dass die Influenza-Pandemie weniger stark ist, sind die Corona-Schutzmaßnahmen. Aber das ist nur hypothetisch.“ Peter Kaufmann, praktischer Arzt

Die Apotheke zum Heiligen Leopold, die Stadtapotheke, die Apotheke zur Heiligen Agnes, die Rathausapotheke oder die Blaue Apotheke in Kierling – bei den fünf Klosterneuburger Apotheken gab es nur eine Antwort auf die Frage, wie es derzeit mit Grippeimpfstoffen aussieht: schlecht. Mit einer Ausnahme. Impfstoff für Kinder von 24 Monaten bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist noch in der Apotheke am Stadtplatz und am Rathausplatz verfügbar. Für den Nasal-Impfstoff ist allerdings ein Rezept vom Kinderarzt notwendig.

Vor allem Über-65-Jährige warten

Für Erwachsene sieht es da schon schlechter aus. So gibt es – zum Beispiel – in der Stadtapotheke derzeit noch eine Warteliste mit etwa 400 Personen, die auf den Impfstoff warten. „Wir arbeiten die Warteliste ab. Die meisten warten auf einen Impfstoff für Über-65-Jährige“, heißt es dazu aus der Stadtapotheke. Und weiter: „Die einzige Chance, noch einen Impfstoff zu bekommen, wenn man noch nicht auf der Warteliste steht, ist, wenn jemand seinen Impfstoff nicht abholt.“

Die Warteliste der Agnes-Apotheke ist ebenfalls bereits über-voll: „Wir haben zwar eine Warteliste, aber werden sicher nur einen Teil davon abarbeiten können. Daher schreiben wir auch niemanden mehr auf.“ Keine Wartelisten führen die Apotheke zum Heiligen Leopold und die Rathausapotheke. Die Begründung nimmt wahrscheinlich vielen die Hoffnung auf eine Impfung in diesem Jahr: „Wir haben keine Warteliste. Wir sind uns auch nicht sicher, ob dieses Jahr noch Impfstoffe kommen. Laut Großhandel gibt es keinen mehr.“

Warteng auf den Grippeimpfstoff

Die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben, empfiehlt die Blaue Apotheke in Kierling. Dort erwartet man Mitte Dezember noch eine Lieferung von Grippeimpfstoffen. Und auch wenn es dort ebenfalls eine lange Warteliste gibt, zeigt die Erfahrung, dass man auch jetzt noch Chancen hat, wenn man sich auf die Liste setzen lässt. „Wir haben vor einiger Zeit eine Lieferung von 50 Dosen für Über-65-Jährige vom Land Niederösterreich bekommen und konnten gleich etwa 150 Leute von der Warteliste streichen, weil sie schon vorher einen Impfstoff bekommen haben“, empfiehlt die Blaue Apotheke, die Hoffnung nicht aufzugeben, doch noch einen Impfstoff zu ergattern. Denn die Erfahrung zeige, dass sich viele Menschen bei mehreren Apotheken auf die Warteliste setzen ließen.

In den letzten Jahren bot auch die Bezirkshauptmannschaft die Möglichkeit, sich dort gegen Grippe impfen zu lassen. Aber auch dort hat man – sollte man nicht schon angemeldet sein – keine Chance mehr auf eine Impfung. „Unser Kontingent ist bis zum Ende ausreserviert“, bedauert die Bezirkshauptmannschaft Tulln.

Schutzmaßnahem helfen auch gegen die Grippe

Auch wenn es derzeit wirklich schwierig ist, an einen Impfstoff zu kommen, sollte man die Hoffnung, die Grippesaison einigermaßen gut zu überstehen, nicht aufgeben. Das empfiehlt auch der praktische Arzt Peter Kaufmann aus Kritzendorf. „Die Influenza-Pandemie kommt eigentlich wie das Amen im Gebet immer im Jänner. Wir haben also hoffentlich noch einen Monat Zeit“, erklärt Kaufmann. Und der Mediziner ist zuversichtlich, dass in dieser Zeit doch noch Grippeimpfstoffe ausgeliefert werden – obwohl Kaufmann in seiner Gruppenpraxis derzeit auch keinen Impfstoff vorrätig hat. „Wir haben zwar um ein Vielfaches mehr Impfstoff als die letzten Male bestellt, stehen jetzt aber vor leeren Regalen, weil wir keine Lieferungen bekommen“, so Kaufmann. Und weiter: „Das liegt nicht in unserer Macht. Wir haben bei unserem langjährigen Lieferanten bestellt, aber der kann eben auch nicht liefern.“ Kaufmann gibt seinen Patienten trotzdem den Rat, sich bei den Apotheken umzusehen.

Sollte man trotz aller Bemühungen vonseiten der Ärzte und der Apotheken keinen Impfstoff mehr ergattern, könnten die Schutzmaßnahmen gegen Corona, die schon seit Beginn der Covid-Pandemie gelten, ebenfalls bei der Influenza helfen. Auf diese Hoffnung – auch wenn es zur Zeit nur eine Hypothese ist – hofft der Allgemeinmediziner. „Das Einzige, das vielleicht – auch bei einer niederen Durchimpfungsrate – hilft, dass die Influenza-Pandemie weniger stark ist, sind die Corona-Schutzmaßnahmen. Aber das ist nur hypothetisch“, apelliert Kaufmann nochmals, auch die Influenza nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn die Auswirkungen eines Zusammentreffens von Corona und Influenza sind derzeit medizinisch noch nicht erforscht. Nur eines ist leider sicher: Sowohl Corona als auch Influenza können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.