Endstation Klosterneuburg für "heißen" Tinder-Flirt. Politikerin ließ Kärntner abblitzen. Daraufhin wollte der Enttäuschte den intimen Chatverlauf dem Gemeinderat übermitteln. Beim Treffen in Kloburg wartete schon die Polizei.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 17. Juni 2020 (04:07)
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Eigentlich habe er Ende des Jahres 2019 auf der Dating-Plattform „Tinder“ nur eine Tanzpartnerin für zwei bis drei Bälle in Wien gesucht. Doch im Chat mit einer Gemeinderätin aus dem Bezirk Tulln ging es dann auch um ganz andere körperliche Betätigungen.

Vor dem ersten persönlichen Treffen winkte die Frau aber doch ab. Da überkam es den 50-Jährigen aus dem Bezirk Klagenfurt-Land, und er drohte, den Chat-Verlauf an den gesamten Gemeinderat zu übermitteln. So musste er sich nun am Landesgericht Korneuburg wegen versuchter geschlechtlicher Nötigung verantworten.

Der Akademiker bekannte sich allerdings nicht schuldig. Er sei bis zuletzt von einem freiwilligen Treffen ausgegangen. Sein Verteidiger unterstrich, dass das Interesse an sexuellen Handlungen von der Frau kam. „Sie hat eindeutig das Ruder in die Hand genommen und ihn über Telefon angeleitet.“

Man vereinbarte schließlich ein Treffen in Klosterneuburg. Auf der Anreise machte der Kärntner auf Wunsch der Tinder-Bekanntschaft noch ein Selfie von sich. Reaktion der Frau: „Das geht ja gar nicht!“ Er sei nicht ihr Typ. Es wäre wohl besser, man treffe sich doch nicht.

Treffen fand statt – aber mit der Polizei

„Gut, Frau Gemeinderat, verarschen kannst einen anderen“, reagierte der vor den Kopf gestoßene Mann und drohte nun, den Chat-Verlauf ans Gemeindegremium zu übermitteln. Die Frau gab nach und ging auf das Treffen ein. In Klosterneuburg wartete jedoch bereits die Polizei am Parkplatz.

„Ich appelliere immer an junge Menschen, dass sie aufpassen sollen, was sie schreiben und herumschicken. Interessant, dass das auch bei älteren Menschen passiert“, meinte Richter Helmut Neumar. „Es hat mir gefallen, was sie mir da angeboten hat. Das kannte ich so nicht und ich habe versucht, mitzuspielen“, erklärte der 50-Jährige. Er habe sich mitreißen lassen. „Ist Ihnen die Wut hochgekommen, als dann doch die Absage kam?“, wollte der Richter wissen. „Ich hab’s nicht verstanden. Sie hat mir vorher viel Wärme gegeben. Dann bin ich mir verarscht vorgekommen“, gestand der Mann.

„Aber glauben Sie nicht, dass das eine Drohung ist?“, spielte Neumar auf die Nachricht an, den Chat-Verlauf an den Gemeinderat zu schicken. Dieser Frage wich der Angeklagte mehrmals aus: „Ich habe mich telefonisch gleich dafür entschuldigt, und sie hat diese Entschuldigung auch angenommen. Ich wollte ihr nie irgend einen Schaden zufügen.“ Staatsanwältin Gudrun Bischof verwies jedoch auf eine Nachricht des Opfers, die darauf hindeutete, dass die Angelegenheit für die Frau keineswegs geklärt war: „Ich bin jetzt etwas nervös und weiß nicht, welche Wünsche ich erfüllen muss, damit du den Verlauf nicht veröffentlichst.“

Aufwendiges Verfahren endet mit Diversion

Die Frau selbst sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. „Ein so aufwendiges Beweisverfahren für so etwas; man greift sich ein bisschen auf den Kopf“, meinte der Richter und riet dem Angeklagten, sich mit seinem Verteidiger zu beraten und vielleicht doch einzugestehen, dass „so eine Äußerung eine Drohung darstellt“. Die Staatsanwältin erklärte, dass sie in diesem Fall mit einer diversionellen Einigung einverstanden wäre.

Gegen Zahlung einer Geldbuße von 4.000 Euro und eines symbolischen Schmerzensgeldbetrags von 300 Euro kam der Beschuldigte ohne Verurteilung davon.