Tipps vom Fitness-Papst: „Hauptmotiv: Aktiv sein und bleiben“

Die NÖN sprach mit dem Klosterneuburger Fitness-Papst John Harris.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:49
Lesezeit: 3 Min
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Hält sich zu Hause und im Fitnesscenter in Schuss: der Internationale bekannte Fitnessexperte John Harris.
Foto: Hornstein

NÖN: . Hat das Fitnesscenter im Winter eine besondereBedeutung?

John Harris: Was kann man im Winter nicht machen, was man immer Sommer macht? Das ist ganz typisch für unser Gebiet hier, dass man im Winter den Sport eher auslässt.

Als ich 1983 in Wien angefangen habe, gab es keine 2.000 Leute, die in Wien trainiert haben.“ John Harris Fitnessexperte

Also kann man auch Radfahren im Winter?

Es geht immer darum: Was machen die Anderen? In der Nord- und Ostschweiz ist Radfahren im Winter ganz normal. In Genf, wo das Wetter milder ist, ist es schon viel weniger. Und in Lugano, wo es warm ist, gibt es nicht einmal Radwege. Wenn du siehst, dass alle mit dem Radfahren aufhören, hörst du auch auf.

Also verlegt man sich auf den Indoorsport?

Ja. Entweder man hat zu Hause Fitnessgeräte oder man geht ins Fitnesscenter. Um zu Hause zu trainieren, muss man aber schon ein bisschen süchtig sein. Meistens enden die angeschafften Geräte aber als Wäschetrockner. Für Menschen, die systematisch an ihrer Fitness arbeiten, stellt sich die Frage des Sports im Winter gar nicht. Die wirklich fitten Leute wollen auch im Winter fit bleiben.

Hält der Trend zur Fitnesseigentlich noch immer an?

Jetzt haben wir fast zwei Jahre Pandemie und überall gesehen, dass, sobald ein Lockdown vorbei war, die Leute die Fitnesscenter gestürmt haben. In den letzten zehn Jahren ist der Trend immer gestiegen. Als ich 1983 in Wien angefangen habe, gab es keine 2.000 Leute, die in Wien trainiert haben. Wenn man jetzt in ein Schwimmbad geht, sieht man, wie viele Körper trainiert sind.

Wie oft sollte man insFitnesscenter gehen, um sich gut zu fühlen?

Effizient sind zwei- bis dreimal in der Woche. Geht man fünfmal, ist der „Return of Investment“ nicht im gleichen Verhältnis gegeben.

Warum gehen die Leute insFitnesscenter?

Am Anfang ist es der Wunsch, einfach gut auszusehen. Jedenfalls bis zum 40. oder 50. Lebensjahr. Über 70 Jährige werden aber immer mehr. Für die geht es darum, dass sie sich wohlfühlen. Ein 70 Jähriger, der fit ist, bewegt sich anders als ein 70 Jähriger vor 20 Jahren. Das Problem dieser Altersgruppe ist der Abbau der Kraft. Eine Studie hat ergeben: Je besser jemand am Rücken liegend aufstehen kann, umso länger bleibt er am Leben.

Fitness verlängert also das Leben?

Das ist statistisch beweisbar. Aber die Hauptmotivation bleibt: Ich will aktiv sein und bleiben.

Wie wichtig ist das Fitnesstraining für die Sportausübung?

Was ich ständig gehört habe, war: Ich brauche keine Fitness, ich betreibe Sport. Ausgangpunkt ist natürlich der Sport, und der Körper stellt sich ein auf diese Sportart. Mit Vorteilen und oft auch mit Nachteilen. Ein Beispiel ist Squash: Man hat zwar Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit bekommen, aber sich die Gelenke kaputt gemacht. Fast alle Sportarten haben eine Verletzungs- und Abnützungsgefahr.

Und das ist beim Fitnesstraining nicht so?

Fitnesstraining bietet ein Maximum an Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit mit einem Minimum an Gefahren. Der Philosoph Bertrand Russell hat auf die Frage, was Philosophie sei einmal gesagt: Philosophie ist das Niemandsland zwischen Wissenschaft und Theologie. Für mich ist Fitness das Jedermannsland zwischen Sport und Medizin.