„Jeder ist ein wahrer Experte“. Bernhardt Schweeger über die Träume und Wünsche der PUK.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 23. Juli 2014 (08:13)
NOEN, Martin Gruber-Dorninger
Das Thema »Fahrrad« und alles, was dazu gehört, ist für Bernhardt Schweeger-Exeli eine Herzensangelegenheit. Foto: Martin Gruber-Dorninger

Bernhardt Schweeger-Exeli ist der Kopf von der Plattform Unser Klosterneuburg (PUK). Gemeinsam mit Elisabeth Pröglhöf bildet er die Fraktion im Gemeinderat. Die NÖN bat Schweeger zum Sommergespräch im dritte Teil der Serie.

NÖN: Bis zur Wahl 2015 dauert es noch ein wenig. Gibt es dennoch schon ein Wahlprogramm der PUK?
Bernhardt Schweeger-Exeli: Wir sind eine Bürgerliste und haben somit einen deutlichen Bezug zu den Bürgern und versuchen das umzusetzen, was sie wollen. Wir fordern eine ernsthafte Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe, fordern Information und viel mehr Transparenz in der Stadtpolitik Klosterneuburgs.

„Motto ‚kooperativer Planungsprozess': Alle sollen einbezogen werden“

Wie könnte so etwas an einem Beispiel aussehen?
Da fallen mir die Kasernengründe ganz aktuell ein, das ist bislang nicht besonders erfreulich aus unserer Sicht verlaufen. Es läuft unter dem Motto „kooperativer Planungsprozess“. Da sollten alle, die es interessiert oder auch künftig betrifft, einfach an Informationen kommen. Was sind die favorisierten Bauprojekte? Wie soll man diese umsetzen? Alle sollen einbezogen werden, und dann sollte man sich an einen Tisch setzen und versuchen, das bestmöglich umzusetzen. Nur so kann man ein Gefühl dafür bekommen, was alle wollen.

Verderben nicht zu viele Köche den Brei?
Es ist klar, dass nicht ein jeder unmittelbar an Verhandlungen teilnehmen kann. Aber das Gründen einer Expertengruppe, die aus den Bedürfnissen der Bürger heraus zusammengestellt wird, wäre machbar. Ein Experte ist ein vielseitiger Begriff. Für mich ist beispielsweise jeder Bürger, der in Klosterneuburg lebt, ein Experte für Lebensqualität.

„Platz lassen, Treffpunkte schaffen – Entwicklung einer Grätzelgemeinschaft“

Das setzt aber auch Kommunikation untereinander, Verständnis für die Bedürfnisse der anderen und vieles mehr voraus. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Die Stadt muss es mehr fördern, dass sich die Leute treffen können. Mir fällt in Klosterneuburg nicht ein Zentrum der Begegnung ein. Das kann ein Kaffeehaus sein oder ein öffentlicher Platz. Vergleichbar mit einer Dorfgemeinschaft, da sind alle engagiert, sei es bei der Feuerwehr oder bei irgendwelchen Vereinen. Man muss Infrastruktur schaffen, wo Junge und Alte aufeinandertreffen. Man muss nicht auf Teufel komm raus jegliches Bauland verwerten. Platz lassen, Treffpunkte schaffen – dann entwickelt sich so etwas wie eine Grätzelgemeinschaft, wo viele produktive Ideen entstehen können .In Eichgraben hat das übrigens wunderbar geklappt. Die haben über eine Bürgerbeteiligung gemeinschaftlich ein Gemeindezentrum auf die Beine gestellt.

Fällt Ihnen eine Stadt in der Dimension von Klosterneuburg ein, wo es so etwas gibt?
Ja, Tulln oder St. Pölten, dort gibt es ein lebendiges Stadtzentrum und einen „Shared Space“. Dazu müsste man Parkplätze in Ortszentren verhindern. In Klosterneuburg scheint die Stadtplanung eher willkürlich, die Bereiche des Stiftes werden viel zu wenig genützt. Das Stift verhält sich wie ein Wirtschaftsbetrieb, da muss ich als Stadtgemeinde auch gleiche Kriterien bei den Verhandlungen anwenden wie bei jedem anderen Wirtschaftsbetrieb.

„Ein lebendiges Stadtzentrum wie in St. Pölten oder Tulln könnte auch für Klosterneuburg vorbildhaft sein.“
Bernhardt Schweeger, PUK

Mobilität und öffentlicher Verkehr gehören zu Ihren Lieblingsthemen. Was muss hier in Klosterneuburg geschehen?
Das ist für uns eigentlich der erfolgreichste Bereich. Wir haben das Öffi-Forum gegründet, und das Radverkehrs-Konzept ist auf unserem Mist gewachsen. Generell ist beim Verkehr in Klosterneuburg viel zu tun. Die „Multi-Modalität“ ist ein Thema, das uns alle noch beschäftigen wird. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich nur einen Aspekt herauszupicken. Man benutzt heutzutage vielerorts nicht mehr nur ein Verkehrsmittel. Man steigt vom Zug in den Bus um oder vom Auto auf den Zug und dann auf das Fahrrad. Parkplätze für Pendler sind auch ein wichtiges Thema, Busshuttle mit kurzer Umstiegs- und Wartezeit. All das kann helfen, den Verkehr aus Klosterneburg zu bringen.

Wie wird die Gemeinderatswahl ausgehen?
Ich denke, die absolute Mehrheit der ÖVP wird fallen. Wenn die NEOS kandidieren, werden sie in den Gemeinderat einziehen und sicher mit der ÖVP eine Koalition bilden.


PUK

Gemeinderatswahl 2010:
Prozent: 4,81
Stimmen: 689
Mandatare: Bernhardt Schweeger-Exeli, Elisabeth Pröglhöf


Zitiert:

NOEN, NÖN
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„Sein unbestritten großer Fleiß wird meist nicht belohnt, da die meisten Anträge von der VP-Mehrheit abgewürgt werden.“
Peter Hofbauer, Liste Hofbauer
 

NOEN, zVg
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„Er gehört zu den engagiertesten Debattenrednern im Gemeinderat. Bei Wirtschafts- und Finanzthemen stimmen wir häufig überein.
Josef Pitschko, FPÖ