160 Jahre HBLA Klosterneuburg: Im Wein liegt Tradition. Das „Weinmaleins“ der Klosterneuburger Schule geht um den Globus. Die weltweit älteste Lehranstalt für Wein- und Obstbau verzeichnet in der 160-jährigen Geschichte wichtige Errungenschaften.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 01. Januar 2021 (05:44)
Das Schulgebäude der „Versuchs- und Forschungsanstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg“, heute Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, um 1930. Fotos: HBLA u. BA Klosterneuburg
HBLA u. BA Klosterneuburg

Die 160-jährige Geschichte der Wein- und Obstbauschule beginnt 1860 im Kuchlhof des Chorherrenstiftes mit 14 Schülern. Hauptaufgabe der Lehranstalt ist neben der zweijährigen Ausbildung des Winzernachwuchses die Suche nach Rebsorten, die gegen die neu aus den USA eingeschleppte Krankheit Echter Mehltau (Oidium) resistent sind.

Viele Erfolge in der Rebenzüchtungen

Der Zulauf zur stiftlichen Privatschule ist groß – aus dem Privatinstitut wird erst eine NÖ Landesschule, später eine Bundesschule. Das Wein- und Obstzentrum wächst, ebenso seine Bedeutung für die Babenbergerstadt. Ab dem 1. Jänner 1869 erscheint zweimal monatlich die Klosterneuburger Zeitschrift „Weinlaube“, welche in den Ländern der Monarchie rasch zur führenden Weinzeitung wird und damit den Namen Klosterneuburg europaweit bekannt macht.

In der Zeitschrift wird erstmals die indirekte Bestimmung der Zuckergrade in Form der Klosterneuburger Mostwaage (Babo Spindel) der Praxis vorgestellt, eine von vielen Innovationen von den Direktoren August Wilhelm von Babo und Leonhard Roesler. Roesler ist es auch, unter dessen Mitarbeit 1891 der erste Codex Alimentarius Austriacus, die Vorlage für den weltweiten Lebensmittelstandard, entwickelt wird.

Eine weitere wichtige Errungenschaft macht Wenzel Seifert, der dritte Direktor: Er stellt 1901 als weltweit Erster fest, dass Bakterien eine maßgebliche Rolle beim biologischen Säureabbau spielen, und beschreibt auch als Erster den Chemismus dieses Vorgangs.

Die Klosterneuburger Wein- und Obstbauschule – sie ist weltweit die älteste – verzeichnet viele Erfolge in der Rebenzüchtungen. Sorten, die neu entstehen, sind Blauer Zweigelt (nach Direktor Friedrich Zweigelt, auch Rotburger genannt), Blauburger, Goldburger (neuerdings Donauriesling), Donauveltliner und Pinot nova.

Internationale Pionierarbeit

Beginnend mit dem Jahr 1950 wird die wissenschaftliche Zeitung „Mitteilungen Klosterneuburg“ herausgegeben. In einer der ersten Arbeiten berichtet Walter Saller weltweit erstmals über die Vorzüge der gekühlten Gärung, mit der es möglich ist, aromatische, nach exotischen Früchten riechende Weißweine herzustellen – ein Verfahren, das inzwischen in allen erfolgreichen Weißweinkellereien angewandt wird. Weitere Publikationen – etwa zum Weinzusatzstoff Schweflige Säure, den Aromastoffen oder zur chemischen Entsäuerung – finden international Anklang.

Neben dem Weinbau leistet die Schule auch Pionierarbeit in der Obstzucht und -verarbeitung (biologischer Anbau von Äpfeln, wilder Holunder aus der Klosterneuburger Au und ein revolutionäres Anbausystem für Holunder oder jüngst weichenstellende Erkenntnisse zum Anbau von Marillen und anderem Steinobst).

Die bedeutende Geschichte der Schule ist Motivation für Morgen. Der heutige Direktor Reinhard Eder blickt euphorisch in die Zukunft: „160 Jahre und kein bisschen müde!“