FP-Pitschko zum Klimawandel: „Das wird die Erde selbst regeln“

Erstellt am 03. August 2022 | 04:28
Lesezeit: 7 Min
Josef Pitschko
Josef Pitschko ist Fraktionschef der FPÖ Klosterneuburg und Stadtrat.
Foto: Hornstein
Der Fraktionschef der Klosterneuburger FPÖ, Josef Pitschko, zur Klimakrise, dem Ukrainekrieg und zur eigenen Parteizukunft mit der NÖN im Gespräch.
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NÖN: Wir befinden uns in einer Zeit gespickt mit Krisen. Fangen wir mit der Klimakrise an…

Josef Pitschko: Wir haben natürlich einen von den Menschen mitverursachten Klimawandel. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass wir übermütig sind oder bewusst klimaschädlich leben, sondern mit der Bevölkerungsentwicklung weltweit. In den letzten 40 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Alle wollen Wohlstand, es warm haben, wollen genug zu Essen – das geht auf die Ressourcen der Erde.

Da scheint eine Lösung aber schwierig zu sein…

Pitschko: Da gibt es keine soziale Lösung. Daher schwurbeln Politiker herum und wir hören uns die Phrasen von ‚Friday For Future‘ und ‚Parents For Future’ an. Das ist alles ein Schwachsinn. Immer diese nullachtfünfzehn Phrasen. Dass wir nur den einen Planeten haben, wissen wir alle. Die wirkliche Ursachenbekämpfung scheitert.

"Der Erde ist es völlig wurscht, wie viel Milliarden Menschen da kreuchen und fleuchen. Wenn sich die Menschheit nicht mehr ernähren kann, dann wird eben ein Teil davon verhungern."

Aber wenn Überbevölkerung die Ursache ist, wie soll man die bekämpfen?

Pitschko: Das geht eben nicht. Daher muss ich schauen, dass ich das lindere. Wir räumen den Planeten leer. Damit löst sich letztendlich das Problem selbst, denn irgendwann wird es den Hunger geben.

Hat da nicht die Politik die Aufgabe dagegen zu steuern? Gibt der Pitschko da auf?

Pitschko: Irgendwann kannst du nicht mehr gegensteuern. Das wird die Erde selbst regeln. Ihr ist es völlig wurscht, wie viel Milliarden Menschen da kreuchen und fleuchen. Wenn sich die Menschheit nicht mehr ernähren kann, dann wird eben ein Teil davon verhungern. Das ist zwar brutal, aber die Realität.

Also die Hände in den Schoß legen…

Pitschko: Ich kann natürlich jetzt Lebensmittel umverteilen, oder sagen: Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Als Flüchtlinge – dann kann man gleich bei uns die Mindestsicherung kassieren. Aber da stellt sich die Frage, wie lange wir uns das noch leisten können.

Nun gibt es aber doch einige alternative Energieformen, die zumindest eine Verbesserung versprechen…

Pitschko: Die Geburtsstunde der Grünen war die Verhinderung eines Donaukraftwerkes bei Hainburg. Und seit dem haben diese Umweltschützer mindestens zehn weitere Wasserkraftwerke verhindert. Den Schmäh mit der erneuerbaren Energie können sich die Grünen also abschminken. Das glaubt keiner mehr. Windräder gibt es schon viele und Photovoltaik hab ich auch auf dem Dach, aber Strom gibts da nur untertags.

Reichen also die sauberen Alternativen nicht aus?

Pitschko: Bei der Rasanz der Steigerung der Weltbevölkerung wird das meiner Meinung nach nicht ausreichen.

Das ist aber ein trauriges Szenario, das Sie hier zeichnen…

Pitschko: Man muss das endlich realistisch sehen. In Deutschland sollen Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen und Atomkraftwerke weiter verwendet werden. Wir sind genau dort, wo wir schon waren.

Kommen wir zum Ukrainekrieg. Wie stehen Sie zu den Ereignissen?

Pitschko: Ich habe das Interview in der NÖN mit dem Grünen Stadtrat Wimmer gelesen. Ich war angenehm überrascht, dass Wimmer die Sache mit einem derartigen Realitätssinn beurteilt hat. Wir sagen immer, wir verteidigen die westlichen Werte. Aber was sind denn die in Amerika? Das ist Gewinn, Gewinn und noch mehr Gewinn. America first, das sagt ja schon alles. Die Amerikaner wollen ihr Fracking-Gas nach Europa verkaufen und haben mit dem Boykott der Nordstream 2 einen Wirtschaftskrieg angezettelt. An Nordstream 2 waren einige große europäische Firmen beteiligt und weil Amerika diktiert, das darf nicht sein, müssen diese Firmen Milliarden abschreiben. Das ist die westliche Solidarität? Und das war schon lange, bevor es Krieg in der Ukraine gegeben hat.

Aber war es richtig, sich Jahrzehnte lang vom russischen Erdgas abhängig zu machen?

Pitschko: Wir haben in Österreich 50 Jahre vom russischen Erdgas gut gelebt. Das ist ein Stellvertreter-Krieg, denn in Wirklichkeit kämpft Amerika gegen Russland. Und gleichzeitig wird Europa geschwächt.

Was hätte man aus europäischer Sicht anders machen sollen?

Pitschko: Man hätte klar machen müssen, dass in nächster Zeit für die Ukraine keine Beitrittsverfahren geben kann und ein NATO-Beitritt nicht möglich ist. Genscher hat doch versprochen, dass es keinen NATO-Erweiterung Richtung Osten geben wird? Aber das vergessen wir heute.

Dann ist dieser Krieg Ihrer Meinung nach von Amerika und Europa hausgemacht…

Pitschko: Von Amerika provoziert und von Europa mitgetragen. Die EU ist ja in Wirklichkeit nichts. Die EU ist Demokratie? Na, niemals! Wer hat die Frau von der Leyen gewählt? Die stand nicht einmal auf einem Wahlvorschlag!

Wie lange, glauben Sie, wird dieser Krieg noch dauern?

Pitschko: Das ist nicht absehbar. Die einen liefern Waffen ohne Ende, die anderen werden wegschießen, was da ist. Am Ende haben wir zigtausend Tote und zertrümmerte Städte.

Aber der Völkerrechtsbruch Russlands mit dem Überfall auf die Ukraine ist schon Fakt…

Pitschko: Ja, das schon, aber nach jahrelanger Provokation. Das hat sich doch abgezeichnet und was haben wir dagegen unternommen?

Immerhin Sanktionen verhängt. Was muss man Ihrer Meinung nach tun? Gar nichts?

Pitschko: Das Wesen der Demokratie ist, solche Krisen zu erkennen und gegenzusteuern. Ich frage mich, wo für tingeln da tausende Diplomaten durch die Gegend. Zu Hause versucht man doch auch, mit seinem Nachbarn ein gutes Einvernehmen zu haben. Mit meinem Nachbarn will ich in Frieden leben. Und so etwas Ähnliches erwarte ich mir auch von einem Herrn Selenskyj. Wenn ich Russland als Nachbarn habe, muss ich versuchen, mit dem Land zu sprechen. Und wenn ich es nicht alleine kann, dann mit diplomatischer Hilfe. Sanktionen sind in Wahrheit kein Mittel dagegen, weil die Einfuhr von russischem Gas und Öl zu boykottieren, tangiert die Russen gar nicht. Dann verkaufen sie halt woanders. Die Frage ist nur, ob wir dann noch etwas bekommen, wenn sich die Lage einmal normalisiert und ob es dann noch andere Lieferanten für Österreich gibt. Mit zwei Pullover anziehen, Vorhang weg vom Heizkörper und Deckel auf den Topf wird man da nichts erreichen. Die Diplomatie hat da völlig versagt. Und ausbaden muss das die Bevölkerung.

Aber wird das nicht zur Verarmung führen?

Pitschko: Ja. Das hängt aber nicht nur mit dem Krieg zusammen, sondern auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung der EU. Wir haben einen auf Pump aufgebauten Wohlstand. Da ist ja nichts verdient von dem Geld, das wir mittlerweile ausgegeben haben. In Deutschland gibt es 2,5 Millionen Pensionisten, die nach 40 Jahren Arbeit Hartz-4-Zuschüsse brauchen. Im eigenen Land breitet sich die Armut ja jetzt schon aus. Auch wenn wir in der EU sind, muss man halt auch ein bisschen auf das eigene Land schauen. Bis in den Mittelstand hinein werden wir alle ärmer werden. Nur die ganz Reichen bleiben reich.

Da werden aber dann auch unweigerlich sozialer Probleme kommen…

Pitschko: Wir werden es uns nicht leisten können jedes Jahr an die 60.000 Zuwanderer aufzunehmen und zu alimentieren. 60.000 ist zwei Mal Klosterneuburg und das in einem Jahr. Die wollen wo wohnen und zu essen haben. Wir schielen derzeit mit den Debatten über Vermögens- und Erbschaftssteuer auf das Geld der Reichen. Dazu kommen noch diese Nebengeräusche mit der Zweitwohnsitz- oder Leerstandsabgabe. Überall will man bei den Besitzenden abkassieren. Aber das sind ja in der Regel die Leistungsträger.

Reden wir noch ein bisschen über Klosterneuburg. Was rennt Ihrer Meinung nach in unserer Stadt gerade schief?

Pitschko: Die Leute wundern sich, was in Klosterneuburg alles gebaut wird. Ich habe auch das Gefühl, jeder Fleck wird derzeit verbaut.

Was ist der Grund?

Pitschko: Die Menschen wollen anscheinend doch in einer Stadt wohnen, die eine gewisse Lebensqualität hat, nahe bei Wien ist und trotzdem Ruhe bietet.

Die Leerstandsabgabe könnte da nicht entgegenwirken?

Pitschko: Nein, denn erstens ist der Leerstand kaum, oder nur lückenhaft erfassbar und dann frag ich mich, mit welchem Recht kann ich Eigentümer zur Vermietung zwingen?

Wie geht’s der FPÖ in Klosterneuburg?

Pitschko:  Ruhig, Es gibt keinen Zank und keinen Hader. Wenn ich meinen Leuten einmal sage, bedenkt, ich bin alt, ihr müsst euch einmal den Kopf über meine Nachfolge zerbrechen, dann sagen sie, nein, kommt nicht in Frage, du machst weiter.

2025 gibts Wahlen. Da ist Josef Pitschko 71. Tritt er an?

Pitschko: In Zeiten wie diesen muss man sich sehr genau überlegen, ob man noch einmal kandidiert. Aber solange meine Parteifreunde gegen meinen Rückzug protestieren, werde ich antreten.

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