Abzocke: Anzeigenflut in der Kuchelau. Die Kuchelauer Hafenstraße ist von der Gemeinde Wien zur Fahrradstraße erklärt worden. Seitdem regnet es Anzeigen. Bürgermeister will Gespräche mit Wien führen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 14. November 2018 (04:32)
privat
Wer weiß, was man auf einer Fahrradstraße als Autofahrer darf, oder nicht? Und was für eine Höchstgeschwindigkeit gilt jetzt: die am Boden markierten 30, oder die am Verkehrszeichen gestatteten 50 Stundenkilometer?

Gefrotzelt fühlen sich nicht wenige Klosterneuburger, die von Klosterneuburg aus in die Kuchelauer Hafenstraße einbiegen wollen. Die Durchfahrt ist nämlich seit 2013 verboten. Die Gemeinde Wien – die Kuchelauer Hafenstraße liegt im 19. Bezirk – hat diese Straße nämlich zur Fahrradstraße erklärt. Was das genau bedeutet, ist den meisten Autofahrern gar nicht so bewusst, denn diese Straßenart gibt es erst seit Kurzem.

Zufahrt erlaubt, Durchfahrt verboten heißt es seit dem Jahr 2013 in der Kuchelauer Hafenstraße. Dazu gibt es links und rechts der Straße ein Verkehrszeichen – rundes Schild mit blauem Hintergrund und weißem Fahrrad – und eine weiße Bodenmarkierung. Aber was ist eine Zufahrt? Das fragt sich auch Rudolf Hintermeier aus Klosterneuburg, der sich die neuen Wohnbauten in der Kuchelauer Hafenstraße anschauen wollte und daher mit seinem Auto zufuhr.

Straße kurzerhand zur "Fahrradstraße" erklärt

Er wurde angezeigt und besuchte daher die Polizeiinspektion auf der Hohen Warte in Döbling. „Vom Chefinspektor wurde mir gesagt, dass sich Anrainer der dort neu gebauten Wohnhausanlage über den Straßenverkehr beschwert hätten und daher seit Kurzem diese Straße zur ‚Fahrradstraße‘ erklärt wurde. Auch ihm sei der Begriff Fahrradstraße nicht geläufig. Doch wären schon an die 600 Anzeigen gemacht worden“, erzählt Hintermeier, der in diesem Fall die Gleichheit vor dem Gesetz anzweifelt: „So gesehen könnten sich die meisten Menschen, die an einer Straße wohnen, eine Fahrradstraße wünschen. Bekommen werden sie sie freilich nicht.“

Hintermeier rechnet mit einer Strafe von 50 Euro. Genaue Auskunft über die Höhe der Strafe hätte man ihm nicht geben können. „Ich will nur alle Klosterneuburger davor warnen, dort zu fahren, und sie vor weiterem finanziellem Schaden bewahren.“

Ein Kuriosum am Rande: Die höchstzulässige Fahrgeschwindigkeit in Fahrradstraßen beträgt 30 Stundenkilometer. Das ist so auch auf dem Boden markiert. Nach etwa zehn Metern gibt es aber ein Verkehrsschild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern. Was gilt jetzt?

Fahrradstraße bleibt sicher

„Dass die neuen Bewohner der Wohnhausanlage die Fahrradstraße durchgesetzt hätten, kann nicht sein, denn die wohnen dort noch nicht so lange“, so der neue Bezirksvorsteher von Döbling, Daniel Resch. Die Fahrradstraße bleibe aber jetzt einmal. Für die nach der Eisenbahnkreuzung befindlichen Poller sei die ÖVP nie gewesen. Das sei auf Verlangen der SPÖ geschehen.

Aber was, wenn einmal die B14 blockiert ist? Das soll schon bald passieren. Anfang Sommer 2019 muss die B14 saniert werden. Da wird den ganzen Sommer lang nur ein Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Resch: „Für mich ist klar, dass die Kuchelauer Hafenstraße für die Zeit des Umbaues aufgemacht wird. Das muss auch der Gemeinde Wien klar sein.“

Schmuckenschlager zeigt sich verärgert

„Da sind wir die Letzten, die gefragt werden. Wir haben in allen Konsultationsprozessen, in denen die Stadtgemeinde eingebunden war, mitgeteilt, was das für ein Holler ist, die Kuchelau zuzumachen, was das eigentlich für eine Frechheit insgesamt bedeutet“, zeigt Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager so gar kein Verständnis für diese Maßnahme beim „Offen gesagt“ in Maria Gugging. Ende November soll es einen Termin beim Wiener Bürgermeister geben, da wäre auch dieses Thema auf der Tagesordnung.

Umfrage beendet

  • Wie steht ihr zur Sperre der Kuchelauer Hafenstraße?