Ein ehrlicher Finder: Brieftasche wieder beim Besitzer. Ein Iraker findet Geldbörse und macht noch in der Nacht Meldung bei der Polizei. Die Brieftasche hat ihren Besitzer wieder.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 30. August 2019 (05:25)
NOEN

Tagtäglich prasseln Nachrichten von Schreckensszenarien und Katastrophen über uns herein. Asylwerber kommen dabei meistens schlecht weg. Deswegen sei an dieser Stelle eine Meldung veröffentlicht, die der NÖN übermittelt wurde. „Das, was ich Ihnen jetzt erzähle, ist Ihnen vielleicht eine kleine Geschichte wert“, so der Klosterneuburger, der anonym bleiben will. Nein. Sogar eine große.

„Gestern lud ich meine Großfamilie zum Heurigen in Sooß ein. Da ich Barzahlung erwartet hatte, war meine Geldbörse entsprechend gefüllt“, erzählt der Klosterneuburger, dessen Name der Redaktion bekannt ist. Nicht gefüllt genug, denn die Gesamtrechnung machte mehr aus, als der Mann mit hatte. So einigte man sich auf eine Bezahlung auf Rechnung.

Nachdem der Mann noch einen Verwandten in seine Wohnung am Kirchenplatz in Bad Vöslau gebracht hatte, fuhr der Rest der Familie heim nach Klosterneuburg.

Am Morgen des 21. August bemerkte der Mann, dass die Geldbörse weg war. Suche im Auto, auf der Straße, Anruf beim Heurigen – alles Fehlanzeige. Schließlich rief er beim Polizeiposten Bad Vöslau an, die tatsächlich eine Meldung erhalten hatten, dass jemand um 5 Uhr Früh eine Geldbörse abgeben wollte – „sie war mir am Kirchenplatz offenbar aus der Tasche gefallen“ –, den Posten aber unbesetzt vorfand und seine Handynummer hinterließ.

"Am Ende musste ich ihn beknien, damit er den ihm zustehenden Finderlohn annimmt"

„Ich fuhr sofort hin zur Polizei, von wo wir den Finder anriefen. Er würde gleich vorbeikommen, meinte dieser, und stand keine 15 Minuten später vor mir: dunkler Hauttyp, bemüht um die deutsche Sprache und sichtlich verschlafen“, erzählt der Klosterneuburger weiter. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Finder mit seiner Familie vor einigen Jahren aus dem Irak nach Österreich kam, in Bad Vöslau Nähe Kirchenplatz lebt und bei der Firma Magna arbeitet. Er sei gerade aus der Nachtschicht gekommen, als er die Geldbörse fand.

Das Fazit des Glücklichen, im erneuten Besitz seiner Brieftasche: „Nicht nur, dass er meine Geldbörse nicht angerührt hat, er ist extra nach der Arbeit aufgestanden, um sich zur Polizei zu bemühen. Und am Ende musste ich ihn beknien, damit er den ihm zustehenden Finderlohn annimmt. ‚Für Ihre Tochter‘, konnte ich ihn schließlich überzeugen. Und abschließend: „Ich denke, das ist ein kleiner Beitrag dazu, wie wir auf unsere nicht-österreichischen Mitbürger schauen können – christliche Nächstenliebe, von einem Nicht-Christen gelebt, der es selbst sicher nicht einfach hat.“