Baustoff-Engpässe: „In 25 Jahren noch nie erlebt“. Lockdown und Bauboom macht der Baubranche in Klosterneuburg das Leben schwer: Baustoffe – vor allem Holz und Stahl – sind nur mehr schwer zu bekommen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Bei Baumeister Martin Fuchs wird viel handwerklich gearbeitet. Daher musst er seine Preise noch nicht erhöhen.
zVg

„Schaffe, schaffe, Häusle baue“. Diese Redewendung stammt aus dem Schwäbischen. Dieses Völkchen, das sich, in dem Bestreben, möglichst viel zu arbeiten, ein Häuschen leisten will, besitzt eine ausgeprägte Arbeitsmentalität. So ähnlich ist das auch in Klosterneuburg, nur begründet sich die immense Bautätigkeit eher aus dem Wunsch betuchter Gesellschaftsschichten, im Speckgürtel Wiens wohnen zu wollen. Betucht muss man sein, will man in Klosterneuburg wohnen, denn die Grundstückspreise sind in unerschwingliche Höhen gestiegen.

Jetzt könnte es noch teurer werden: Die Baustoffe werden knapp und dadurch teurer. Die NÖN fragte nach, was das für Auswirkungen für die direkt betroffenen Branchen hat und wie sich die aktuelle Situation auf diese niederschlägt.

„Wir musste bis jetzt noch keine Preiserhöhungen vornehmen, aber das kann ja noch passieren.“ Martin Fuchs, Baumeister

„Baustoffe bekommt man noch, aber die Preissteigerung ist enorm“, berichtet Martin Fuchs, Baumeister in Klosterneuburg. Beim Baustoff Holz soll es schon einen Engpass geben. Bei Stahl sei die Preissteigerung enorm. An wöchentliche Preiserhöhungen müsse man sich gewöhnen.

All das sei auch Corona geschuldet, meint Baumeister Fuchs: „Pandemie und Lockdown unterbrechen die Lieferkette.“

Bei Baumeiter Fuchs wird noch sehr viel handwerklich gearbeitet. „Wir sind auf fertige Bauteile und riesige Mengen nicht so angewiesen. Daher spüren wir das nicht so sehr“, ist der Baumeister froh.

Und doch: Die Bautätigkeit steigt, und daher auch die Nachfrage nach Baustoffen. „Vielleicht erhöht das auch die Baustoffpreise.“

Fakt sei, dass das Häuslbauen teurer wird. Beim Baumeisterbetrieb ist das aber noch nicht angekommen. Fuchs: „Wir mussten bis jetzt noch keine Preiserhöhungen vornehmen, aber das kann ja noch passieren.“

„Pandemie und Lockdown unterbrechen die Lieferkette“

Architekt Norbert Berger, Teilhaber des Architekturbüros Berger-Lenz, bestätigt, dass gerade bei Stahl und Holz schon echte Lieferprobleme auftreten: „Wir bekommen alle drei bis vier Monate Hinweisschreiben, dass sich die Preise um drei bis vier Prozent erhöhen.“ Das sei in der Architekturbranche bei der Kalkulation ein besonderes Problem.

Was ist die Ursache dieser Preissteigerung? Berger: „Man sagt, Corona mit seiner Kurzarbeit sei schuld. Besonders beim Baustoff Holz manifestiere sich das Problem.“

Architekt Berger beobachtet aber auch in anderen Bereichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Facharbeiter würden fehlen, Baubewilligungen dauerten durch das Homeoffice der Beamten doppelt so lang.

„Das wird der Kunde bezahlen müssen“

Wohin wird das führen? Berger: „Es wird der Kunde bezahlen müssen. Wohnen wird teurer. Der Wohnpreis ist in einem Jahr um rund zehn Prozent gestiegen. Das könnte sich zu einem sozialen Problem auswachsen.“

Auch die Zimmerei Fuchs bekommt die Lieferprobleme beim Holz hautnah zu spüren: Was früher in 14 Tagen geliefert wurde, dauert jetzt drei bis fünf Wochen. Die Zimmerei hat genug Anfragen und Aufträge. Der Facharbeitermangel macht aber Probleme. Und natürlich die Preissteigerung. Heinz Fuchs: „Die Preise ändern sich wöchentlich. Man kann nicht mehr seriös kalkulieren.“ Die Hauptauswirkung: Der Kunde muss mehr bezahlen. „Wenn sich das nicht einbremst, kann es sein, dass ich Arbeit genug habe, aber kein Material. Dann gibt es einen Material-Lockdown. Ich habe so eine Situation in 25 Jahren als Zimmermeister noch nie erlebt.“

Heinz Fuchs ist sich nicht sicher, ob das nur an Corona liegt. Er glaubt, dass es zumindest auch daran liegt, dass die Menschen derzeit mehr bauen wollen.

Hilft da nicht eine Lagerhaltung der wichtigsten Baustoffe? Heinz Fuchs: „Gewisse Dinge kann man sich natürlich auf Vorrat bestellen. Aber dazu braucht man Platz, und die Lagerhaltung kostet natürlich auch etwas. Aus heutiger Sicht hätte ich mir schon einiges auf Lager legen sollen. Aber wer weiß das schon im Voraus?“

Zimmermeister Heinz Fuchs bleibt aber Optimist: „Ich glaube fest daran, dass sich alles irgendwann wieder normalisieren wird.“

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