Bedingte Strafe für zwei „Watsch’n“ . Klosterneuburger (50) muss Schmerzensgeld und Strafe zahlen und bekommt bedingte Freiheitsstrafe.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 03. Februar 2021 (03:43)
Symbolbild
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Warum der 24. September 2020 auf einem Hof in Harmannsdorf so derart aus dem Ruder lief, konnte keiner der vier Beteiligten mit Gewissheit mehr sagen vor Richterin Monika Zbiral am Landesgericht Korneuburg. Was feststand, war, dass am Ende der kleinen Feier der 50-jährige Besitzer des Hofes, ein Klosterneuburger, einer 49-Jährigen zweimal ins Gesicht schlug und sie an den Knöcheln über seinen Hof zerrte.

Provaktionen als Auslöser

Dem vorangegangen seien ständige Provokationen der Frau, die vor 20 Jahren dessen Lebensgefährtin war und beide bis dahin ein freundschaftliches Verhältnis pflegten, so der geständige Privatier vor Gericht. Unter anderem habe sie ihn immer wieder bespuckt und beschimpft, sodass er ihr irgendwann Schläge androhte. Nachdem die 49-Jährige ihn weiter provozierte: „Ja, tu das!“, wie sie als Zeugin bestätigte, schlug sie der Mann ins Gesicht.

Warum die Frau überhaupt bei ihm gewesen sei, wollte Richterin Zbiral von dem 50-Jährigen wissen. Sie sei am Vortag unangemeldet in der Tür gestanden und habe die Nacht und den 24. September am Hof verbracht. Bei der improvisierten kleinen Feier am Hof, um nachträglich den Geburtstag des Angeklagten zu begießen, waren noch ein Nachbar und ein tschetschenischer Chiropraktiker anwesend, der den Beschuldigten wegen eines Halswirbelproblems beriet.

Der Nachbar zeigte sich so interessiert an den chiropraktischen Methoden des ehemalige Kampfsportlers, dass beide wenig von der weiteren Eskalation mitbekamen. Nachdem sich die 49-Jährige weigerte, den Hof zu verlassen, packte der 50-Jährige sie kurzerhand an den Knöcheln, zog sie vom Sofa und etwa zehn Meter über den Hof; dort kam es dann zur „zweiten Watschen“. Dieser Schlag perforierte laut gerichtlichem Gutachten das Trommelfell des rechten Ohres der Frau.

9.570 Euro Schmerzensgeld forderte sie von dem Angeklagten, auch deshalb, weil die Juristin seit Kindheit schwerhörig ist, was dieser unumwunden akzeptierte. Die Richterin erkannte in ihrem Urteil auf fahrlässige Misshandlung mit der Folge einer schweren Körperverletzung und einer bedingten achtmonatigen Freiheitsstrafe sowie 2.100 Euro Geldstrafe.