Blaue Bohnen für ein Video. FPÖ übt harte Kritik am Rechnungsabschluss des Vereins Stadtmarketings und Tourismus.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 11. Juli 2019 (03:54)
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Die Mannschaft des Vereins Stadtmarketing mit Geschäftsführerin NicolaAskapa (3.v.l.hinten) nach Fertigstellung der Image-Videos 2018.

„Der Stadtmarketingverein ist ein mit 255.000 Euro subventionierter Ramschladen, der auch gelegentlich Zimmervermittlungen durchführt. Die Zeckmäßigkeit seiner sonstigen Werbetätigkeit ist zweifelhaft.“

In gewohnt harter Manier kritisiert FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko den Verein Stadtmarketing Klosterneuburg, der Ende April seinen Jahresabschluss 2018 dem Gemeinderat vorlegte. Pitschko verlangte Ergänzungen des Berichts, diese wurden bei der letzten Gemeinderatssitzung am 28. Juni vorgelegt.

So erhielt der Stadtmarketingverein im Jahr 2018 von der Stadtgemeinde 255.000 Euro. Davon wurden für Personalaufwand 132.000 und für Verwaltungsaufwand 28.000 Euro verwendet. Weitere 67.000 Euro wurden unter dem Titel „Fremdleistungen Werbung“ ausgegeben, davon mehr als 10.000 Euro für „Brix production-video“ und 19.000 Euro für „Satelfilm“-Drehbuchkosten.

Unter „UB Werbung Stadtmarketing“ wurde ein Aufwand von 13.000 Euro verbucht. Der Stadtmarketingverein erzielte im Jahr 2018 Einnahmen von 620 Euro für Zimmervermittlung. Höhere Einnahmen von 30.000 Euro resultierten aus dem Verkauf von ÖBB-Tickets und 28.000 Euro aus dem Shopverkauf, was abzüglich des diesbezüglichen Wareneinsatzes von 49.000 Euro einen Deckungsbeitrag von 9.000 Euro ergab. So weit die Zahlen.

„Das Stadtmarketing ist ein mit 255.000 Euro subventionierter Ramschladen, der auch gelegentlich Zimmervermittlungen durchführt.“ Josef Pitschko, FP-Stadtrat

Empört reagierte FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko, als sich der vom Bürgermeister in den Stadtmarketingverein entsandte NEOS-Gemeinderat Walter Wirl auf die Frage, welcher Film vom Stadtmarketingverein mit 19.000 Euro subventioniert und was unter „UB Werbung Stadtmarketing“ mit insgesamt 13.000 Euro verbucht wurde, in Schweigen hüllte.

„Wozu sitzen Sie in diesem Gremium, wenn Sie nicht einmal Auskunft über größere Aufwandspositionen im Rechnungsabschluss des Stadtmarketingvereins geben können?“, echauffierte sich Pitschko in der Gemeinderatssitzung und machte, indem er das Stadtmarketing als „Ramschladen“ bezeichnete, kein Hehl daraus, was er von diesem Verein hält.

„Ob die Unternehmen, deren gesamte Interessentenbeiträge und Ortstaxen von der Gemeinde dem Stadtmarketingverein als Subvention überlassen werden, von den Aktivitäten des Stadtmarketingvereins irgendwelche Vorteile haben, ist zumindest zweifelhaft“, so Pitschko abschließend.

„Angesichts dessen, dass der Tourismus in Klosterneuburg eine große Rolle spielt, ist meines Erachtens alles zu begrüßen, was die Attraktivität der Stadt als Ausflugs- und Reiseziel steigert und zur Marke Klosterneuburg passt“, entgegnet Nicola Askapa, Geschäftsführerin des Vereins Stadtmarketing. Genau darauf seien Aktivitäten und Marketingstrategie des Vereins ausgerichtet. Der Verein handle im Auftrag der Stadtgemeinde und setze viele Projekte und Veranstaltungen um.

Und Vorstandsmitglied Gemeinderat Leopold Kerbl zeigt sich angriffslustig: „Ich würde gerne von Stadtrat Pitschko wissen, was er sich unter Stadtmarketing vorstellt und vor allem, wie er dies ohne Mitarbeiter und Budget bewerkstelligen würde? Mitglieder seiner Partei kennen sich ja bestens aus, wie man zu kostenfreien touristischen Werbevideos kommt.“ Über die Bezeichnung „Ramschladen“ für das Stadtmarketingbüro im Happyland würden sich die rund 60 Klosterneuburger Unternehmer und Winzer, die hier die Gelegenheit nutzen, ihre regionalen Produkte zu präsentieren, ganz besonders freuen. „Hätte sich Pitschko die Mühe gemacht, ordentlich zu recherchieren, wüsste er, dass das Stadtmarketing-Budget eine Zusammenfassung von vormals verteilten Budgetposten ist und es sich nicht um Mehraufwendungen für die Stadt handelt. So übersichtlich war’s noch nie.“