Blaulichtorganisationen "trotzen" den Baustellen. Feuerwehr, Rettung und Polizei sehen keine Probleme. Herausforderung für RK-Krankentransporte.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 14. August 2019 (04:27)
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Symbolbild

KLOSTERNEUBURG Der Baustellen-Sommer stellt den Verkehr vor ein Dilemma. Um von A nach B zu kommen, müssen Autolenker mehr Zeit in Kauf nehmen und Geduld beweisen. Wenn schon wenige Minuten zu viel sind, ist das aber keine Option. Die Blaulichtorganisationen meistern die heißen Monate trotz Sperren und Umleitungen – mit logistischer Finesse und Flexibilität.

„Wir haben durch die Baustellen keine Probleme gehabt“, berichtet Chefinspektor Georg Wallner. Für die Exekutive gäbe es genug andere Möglichkeiten, rasch zum Einsatzort zu kommen. Auch wenn zwischen Polizeistation und Ziel eine Verkehrssperre liegt. Wallner: „Genauso wie Feuerwehr und Rettung haben wir Schlüssel für bestimmte Wege, die nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind und wo es Schranken gibt.“

„Autos stehen im Stau und unsere Krankentransporte mit den Patienten genauso.“ Thomas Wordie, Bezirksstellenleiter RK

Und wenn es dann doch keine andere, rasche Anfahrtsstraße gibt, müssen die Blaulichter schon im Vorfeld für den Ernstfall gerüstet sein: Die Enge-Totalsperre spaltet Kritzendorf, und auch die Feuerwehr teilt ihre Ressourcen auf. Kommandant Peter Dussmann erzählt: „Wir haben ein Auto in der anderen Hälfte von Kritzendorf hinter der Sperre stationiert.“ Die Mannschaft ist gesplittet: Einsatzkräfte, die wegen der Sperre nicht zum FF-Haus kommen, haben ihre Ausrüstung außerhalb der Zentrale griffbereit. Dussmann: „Teilweise haben sie ihre Uniformen zuhause oder im Auto.“ Die Feuerwehr ist auf beiden Seiten stets einsatzbereit.

Gute Koordination und Kooperation

Das musste sie in den letzten Wochen auch sein: Mehrmals haben die Pager der Kritzendorfer Alarm geschlagen. Aber: „Das waren Einsätze, wo es nicht auf Sekunden ankam. Gröbere Einsätze wie Brände oder Unfälle mit eingeklemmten Personen gab es nicht“, schildert Dussmann. Durch gute Abstimmung mit den Nachbar-Wehren Klosterneuburg und Höflein wäre auch da schnell Hilfe gekommen, die Gemeinde hat für die Kritzendorfer im Ernstfall einen Waldweg bereitgestellt.

Die Baustelle ist im Endspurt, schon am Mittwochabend soll die Straße wieder befahrbar sein. Die nächsten Baustellen werden aber kommen. Und eine ist schon jetzt absehbar: die Sanierung der Heiligenstädter Hangbrücke, voraussichtlich ab März 2020. Das Rote Kreuz Klosterneuburg schaut den Arbeiten gespannt entgegen – „mit einem gewissen Bauchweh und vielen Fragezeichen“, verrät Bezirksstellenleiter Thomas Wordie.

Schon jetzt klagen die Helfer über deutlich spürbaren Zeitverlust. Wordie: „Nicht im Rettungsbereich, das läuft gut. Wir haben geglaubt, dass vor allem die Hundskehlen-Baustelle dramatischere Auswirkungen hat, aber das ist machbar.“ Im Notfall nutzt das Rote Kreuz Ausweichrouten, der Unterschied liege im Ein-bis-Zwei-Minuten-Bereich.

„Autos stehen im Stau und unsere Transporte mit den Patienten genauso“

Beim Krankentransport ist hingegen Geduld gefragt. „Autos stehen im Stau und unsere Transporte mit den Patienten genauso.“ Insgesamt sind die RK-Fahrzeuge die gleiche Zeit wie immer im Einsatz, schaffen aber weniger Fahrten. Mit der Baustelle beim Kahlenbergerdorf könnte sich das verschlimmern: 80 bis 120 Krankentransporte absolviert das Rote Kreuz pro Tag, bis zu 50 Prozent fahren Richtung Bundeshauptstadt. Dabei ist nicht immer ein Wiener Krankenhaus das Ziel.

Wordie: „Wir nutzen die Nordbrücke für Fahrten nach Korneuburg, Krems oder St. Pölten.“ Die Brücken-Arbeiten könnten die Routen verlagern. Noch wird verhandelt, wie Blaulichter die Baustelle umfahren können. „Das wird sicher eine Herausforderung. Wir hoffen, dass die Situation entschärft wird und wir entlang der Donau fahren können“, wünscht sich Wordie.

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