Klosterneuburg

Update am 09. Februar 2017, 11:10

von Christoph Hornstein

Brand-Inferno im Grünland: Geduldeter Schwarzbau?. Grüne klagen an: Warum haben Behörden Wohnen geduldet? Bauamt gibt dazu keine Auskunft.

Das Wohnhaus im Kammerjoch ist samt seinen Nebengebäuden bis auf die Grundmauern abgebrannt. Geht es nach den Grünen, dürfte auf diesem Grundstück gar kein Haus stehen.  |  NOEN, FF Klosterneuburg

Betroffenheit in ganz Klosterneuburg über das Brandinferno im Kammerjoch. Ein Wohnhaus samt Nebengebäuden brannte bis auf die Grundmauern ab. Der Besitzer blieb wie durch ein Wunder unverletzt, ist durch den Vorfall jedoch obdachlos. Der Mann findet durch Bemühen des Bürgermeisters Stefan Schmuckenschlager vorerst in einem Hotel eine Herberge. Aber durfte man auf diesem Grundstück überhaupt wohnen?

Fraktionschef Sepp Wimmer von den Grünen vermutet, dass Behörden und Wien-Energie fahrlässig gehandelt und daher mitverantwortlich für die Tragödie sind. Die Grünen verlangen zum zukünftigen Schutz der Bevölkerung vor ähnlichen Fällen eine rasche Aufklärung.

„Diese Tragödie hat zwei Ebenen. Einmal die menschliche, wo wir alle sehr froh sind, dass der Bewohner des Hauses und auch sein Hund mit dem Leben davongekommen sein.“ Wie viele Geschichten solcher Art gibt es da noch in Klosterneuburg?“
Stadtrat Sepp Wimmer, Die Grünen

Die zweite Ebene sei aber weniger schön, weil sie zeige, dass das Bewohnen der Liegenschaft illegal sei. „Keiner hätte darin wohnen dürfen“, so Wimmer. Den Behörden sei das aber seit Jahren bekannt gewesen. Vor Jahren musste der Eigentümer eine von ihm provisorisch über die Bäume verlegte 380-Volt-Starkstromleitung auf Geheiß in der Erde vergraben. „Warum haben die Behörden ein Bewohnen der Liegenschaft ohne bauliche Widmung und feuerpolizeiliche Genehmigung geduldet?“, fragt sich der Stadtrat.

Der Flächenwidmungsplan zeigt, dass das betroffene Grundstück auf „Grünland/Forst“ (Glf) gewidmet ist.  |  NOEN, Homepage Stadtgemeinde

Mit diesen Fragen konfrontierte die NÖN das Bauamt. Baudirektor-Stellvertreter Peter Neubauer sprach von mannigfaltigen Gründen, warum jemand im Grünland bauen und wohnen könnte. Vielleicht gäbe es ja einen Abbruchbescheid, jedenfalls könne man der NÖN zum gegenständlichen Fall keinerlei Auskünfte geben.

Größere Katastrophe im Sommer?

Als mögliche Brandursache nannte Feuerwehrkommandaten Josef Angelmayer einen überhitzten Ofen. „Die Mannschaft musste etwa 400 Meter zu Fuß zum Brandort gehen und über diese Strecke auch die Leitungen legen“, so Angelmayer. Das hätte zumindest eine halbe Stunde gekostet, dann erst konnte der Brand bekämpft werden. Angelmayer: „Das war ein sehr gefährlicher und zeitaufwendiger Einsatz für die Klosterneuburger freiwilligenFeuerwehren.“

„Und hätte noch viel schlimmere Folgen haben können“, meint Wimmer, „nicht auszudenken, wenn der Brand in den heißen und dürren Sommermonaten ausgebrochen wäre. Der ganze Leopoldsberg hätte wie Zunder gebrannt.“

Auch die „Wien Energie“ konnte bis Redaktionsschluss, der NÖN keine Auskunft geben.

Stadtrat Wimmer will die Sache jedoch weiter verfolgen. „Wie viele Geschichten solcher Art gibt es da noch in Klosterneuburg?“

Bürgermeister ist empört

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager ist ob der Vorwürfe der Grünen empört: „Der Vorwurf ist niederträchtig. Dem Mann ist alles durch die Flammen genommen worden, und nun wollen die Grünen noch nachträglich die Behörden auf ihn hetzen.“

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