Der mit den Stimmen tanzt: Michael Garschall mit Leopold ausgezeichnet

Erstellt am 22. November 2022 | 23:41
Lesezeit: 3 Min
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Nicht hinter, sondern vor den Kulissen: NÖN-Leopold-Preisträger Michael Garschall mit NÖN-Kulturressortleiterin Michaela Fleck auf der Bühne seiner jüngsten Operettenproduktion in seiner Heimatgemeinde Blindenmarkt. Foto: Erich Marschik
Foto: Erich Marschik
Michael Garschall ist der 23. NÖN-Leopold- Preisträger – und der erste Opern- Intendant – in der Kategorie Kultur.
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Preise hat er schon viele. Ehrenringe und Ehrennadeln, Förderpreise und Kulturpreise, ein goldenes Stadtwappen (2007, von der Stadtgemeinde Klosterneuburg), zwei goldene Ehrenzeichen (eines 2015 vom Land Niederösterreich, eines 2021 vom Bund, also: von der Republik Österreich). Und: einen NÖN-Leopold.

Der ist der jüngste auf der Liste. Der ist schwerer als der Oskar. Und der heißt nicht nur so, wie Niederösterreichs Landespatron und Klosterneuburgs Stiftsgründer. Der heißt auch so wie der diesjährige NÖN-Leopold-Preisträger in der Kategorie Kultur: Michael (Leopold) Garschall.

Den NÖN- Leopold widme ich meinem Papa!“ Michael Garschall Oper Klosterneuburg-Intendant und NÖN-Leopold-Preisträger 2022

Noch während seiner Schulzeit stand der in Amstetten geborene und in Blindenmarkt aufgewachsene zum ersten Mal auf einer (Wirtshaus-) Bühne, war „Laufbursche“ bei Freddy Quinn und arbeitete auch mit dem späteren Musicalsommer-Intendanten Johann Kropfreiter in Amstetten zusammen. Mit gerade einmal 21 gründete er sein erstes Festival, die Herbsttage Blindenmarkt. Acht Jahre später – und noch immer als einer der Jüngsten – übernahm er die Intendanz der Oper Klosterneuburg.

Dort, erzählt Michael Garschall, „hatte man schon von Blindenmarkt gehört“ und den Operetten-Macher daraufhin zum Opern-Hearing eingeladen. Der damalige Kultur-Stadtrat habe sich dann „für den Jüngeren“ in der Endauswahl entschieden.

Dieser brachte 1998 seine erste Oper in den auch heute noch nur für die sommerliche Opernproduktion öffentlich zugänglichen Kaiserhof des Klosterneuburger Stiftes: Rossinis „Barbier von Sevilla“. Der damalige Regisseur – und heutige Nestroy-Preisträger – wurde „vom Publikum gelobt, aber von der Kritik zerfetzt“, erinnert sich Garschall, einer der Sänger, der damals „eine kleine Rolle“ hatte, singt heute in Bayreuth Wagners Siegfried: Andreas Schager.

Eine andere, die längst auf den wichtigsten Opernbühnen brilliert und 2021 nicht nur mit dem Ehrentitel Kammersängerin, sondern auch mit dem NÖN-Leopold in der Kategorie Kultur ausgezeichnet wurde, sang auch – erst – in Klosterneuburg: Daniela Fally. „Das war 2004“, meint Michael Garschall, „in der ‚Verkauften Braut‘, und da kam sie auf der Motorhaube eines Puch-Traktors in den Kaiserhof gefahren – unvergessen!“

Aber auch die Sopranistin streut dem ersten NÖN-Leopold-Preisträger unter Niederösterreichs (Musiktheater-)Intendanten Rosen: „Viele der heute international bekannten Sängerinnen und Sänger wurden von ihm entdeckt und konnten in Klosterneuburg ihre ersten Bühnenschritte tun.“ Sie, Fally, verdanke Garschall auch ihre erste Regiearbeit („Wiener Blut“ war das, bei den Herbsttagen Blindenmarkt 2021). Und sie verbinde seit vielen Jahren auch „eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung“ mit ihm.

Er, der frisch gekürte NÖN-Leopold-Preisträger, widmet seine jüngste Auszeichnung einem, mit dem ihn auch ganz Persönliches verbindet und der erst im August diesen Jahres verstorben ist: „meinem Papa“. Und: Er hat noch viel vor: Nach Puccinis „Bohéme“ diesen Sommer kommt nächsten Sommer Verdis „Don Carlos“ in Klosterneuburg. Das wird nicht nur „großartig“ und „sicher etwas Einmaliges“. Und das wird auch groß gefeiert – und zwar mit der 25. (großen) Opernpremiere im Kaiserhof.

Und wohin kommt der NÖN-Leopold? „Der kommt ins Wohnzimmer, das auch mein Büro ist“, meint Michael Garschall. Aber vorläufig ist er noch in Blindenmarkt – zum Feiern.

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