„Die Gewissheit: Der Friede ist da…!“ . Bereits Anfang April wurde Klosterneuburg von der Roten Armee eingenommen und besetzt. Die Chorherren kehrten wieder in das Stift zurück.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 06. Mai 2020 (04:00)

„In diese Stimmung nochmals aufflammender Verzweiflung und Verzagtheit platzte am Sonntag, den 6. Mai die Nachricht von der bevorstehenden bedingungslosen Kapitulation. Und am Dienstag, den 8. Mai frühmorgens folgte die Bestätigung, folgte die Mitteilung, dass die Deutsche Wehrmacht zur Gänze bedingungslos kapituliert habe. Heute haben wir die Gewissheit: Der Friede ist da...! “ – So berichtete das „Klosterneuburger Forum“, die Zeitung des provisorischen Zentralausschusses der KPÖ Klosterneuburg, über den Tag, den wohl viele in Österreich herbeigesehnt haben: Der Zweite Weltkrieg war in Europa offiziell zu Ende. In Klosterneuburg war es allerdings schon einen Monat früher so weit. Am 8. April wurde Klosterneuburg von der Roten Armee befreit.

Über St. Andrä und Maria Gugging rückten sowjetische Truppen Richtung Klosterneuburg vor. Mit Straßensperren und der Sprengung der Brücken wurde zwar noch versucht, den Vormarsch auf die Babenbergerstadt und somit auf Wien zu stoppen, aber auf viel Widerstand der verbliebenen Soldaten und Volkssturmmänner stießen die russischen Soldaten nicht. Innerhalb von drei Tagen wurde Klosterneuburg eingenommen und besetzt.

Viel Zerstörung in den letzten Kriegstagen

Einen erschütternden Augenzeugenbericht der Einnahme der Babenbergerstadt lieferte Theobald Tschetertnik, einer der drei Chorherren, die ab 1941 als einzige als Pfarrer im Stift Klosterneuburg bleiben durften: „„Es lagen die Toten auf den Straßen, teilweise auch die Leichen der Nationalsozialisten, die Selbstmord begangen hatten. Angestellte von uns, die wohl Nationalsozialisten gewesen sind, hatten sich auch vergiftet. Die Leichen lagen herum mit den Pferdekadavern. Die Friedhofskapelle war voll Leichen. Es gab keine Särge. Es waren auch nur einzelne Körperteile, zerrissene Arme und Beine dabei. Ich konnte gar nicht in die Kapelle hinein, doch obwohl ich die Einsegnung der Toten von außen machte, haben meine Kleider nachher so nach Verwesung gestunken, dass sich alles abwandte.“

Gerade in den ersten Tagen der russischen Besatzung kam es zu zahlreichen Übergriffen auf Frauen jedes Alters und zu zahlreichen Plünderungen in privaten Haushalten, in Geschäftslokalen und bei Heurigen und Bauern. Auch im Stift Klosterneuburg suchten die Soldaten vor allem nach Alkohol. Hierbei kam es zu einem Großbrand im Stift. Der Löschversuch wurde nach einiger Zeit erfolglos abgebrochen. Wie durch ein Wunder gingen die Flammen dann allerdings von alleine aus, und das Stift konnte gerettet werden.

So viel Glück hatten nicht alle Klosterneuburger. Zahlreiche Häuser wurden in den letzten Kriegstagen zerstört beziehungsweise beschädigt. Die dadurch schon vorherrschende Wohnungsnot wurde in Klosterneuburg zusätzlich verschärft, weil viele Wohnungen, Häuser und Villen von sowjetischen Soldaten und Offizieren beansprucht wurden. Damit einem selbst das nicht auch passiert, griff so manch findiger Klosterneuburger zu einer List, die von Altbürgermeister Laurenz Strebl einmal beschrieben wurde: „Um einer Einquartierung zu entgehen, griffen Klosterneuburger zu ungewöhnlichen Mitteln: Es war durchaus üblich, russische Uniformstücke in die Fenster zu hängen, um den Eindruck zu erwecken, dass hier bereits Soldaten wohnten. Wie erfolgreich diese Methode war, lässt sich nicht mehr belegen.“

Feierliche Rückkehr der Chorherren zu Leopoldi

Wieder nach Hause zurückkehren konnten Ende April auch wieder die Augustiner-Chorherren. Vier Jahr davor besetzte die Gestapo das Stift und vertrieb die Chorherren. Nur drei Brüder durften im Stift bleiben. Einer von ihnen war Stadtpfarrer Oswald Rod, der durch sein energisches Auftreten Übergriffe auf Menschen und Kunstwerke in den Jahren der nationalsozialistischen als auch der sowjetischen Besatzung verhindern konnte.