Digital statt Papier: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Christoph Hornstein. Erstellt am 05. Februar 2020 (03:50)
Franz Gleiß
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der
Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Digital: Ein Katastrophe für ältere Menschen

Besonders für ältere Menschen ist dieser Wandel der Sparform nicht leicht mitzumachen. Das weiß die Chefin des NÖ Seniorenclubs, Ortsgruppe Klosterneuburg, Waltraud Balaska, nur zu gut. „Das Sparbuch ist noch immer die beliebteste Form des Sparens bei den älteren Personen.“ An zweiter Stelle würde das Bausparen liegen. Einmal pro Jahr wird die örtliche Bank eingeladen, um über die Möglichkeiten des Sparens und die verschiedenen Sparformen zu informieren.

„Für ältere Menschen ist es ganz besonders wichtig, einen Notgroschen auf der Seite zu haben“, weiß Balaska. Der Sparwille und die Sparfreude seien ihrer Meinung nach ungebrochen. Auch wenn es fast keine Zinsen für das Sparbuch mehr gäbe. Für die besonders Betuchten ist natürlich auch die Investition in Immobilien ein Thema.

Gar keine Freude hat Balaska mit der Tendenz, dass ein virtuelles Sparbuch über das Internet das klassische Büchlein bald komplett ersetzen soll. „Das ist ein Unsinn“, so Balaska, „es gibt so viele alte Leute, die mit dem Internet nicht umgehen können und eine Scheu davor haben.“ Für einen alten Menschen sei es wichtig, das Sparbuch aus Papier in Händen halten zu können. „So etwas wäre eine Katastrophe. Bei aller Modernisierung: Da werden die Banken auch auf alte Menschen Rücksicht nehmen müssen“, so die Chefin der Senioren.

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