Ehrung für Regisseur Patzak. „Tabubrecher und Menschenliebhaber“ erhielt das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 29. Februar 2020 (03:08)
Ehrenzeichen-Verleihung: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Eve Joy Patzak, Peter Patzak, Kultur-Stadträtin Veronika Kaup-Hasler (v.l.).
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Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat dem Filmregisseur, Maler und Autor Peter Patzak das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen. Unter den Festgästen befanden sich neben Patzaks Ehefrau Eve Joy auch Vizebürgermeister a.D. Sepp Rieder, Bundesministerin a.D. Hilde Hawlicek, Stadträtin Veronika Kaup-Hasler sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst und Kultur, darunter Johann Feilacher (Museum Gugging) und Ulrich Schulenburg (Thomas Sessler Verlag). Für die musikalische Begleitung sorgte das Atlas Quartett.

Der Wiener Stadtchef erinnerte daran, dass Patzaks künstlerisch-visuelle Anfänge ins zerbombten Nachkriegs-Wien zurückreichen. Im Detail ging Ludwig auf Patzaks legendären Polit-Thriller „Kassbach“ ein: „Kein anderer Film beschäftigte sich so frühzeitig mit dem Neofaschismus und dessen Verknüpfung mit dem Kleinbürgertum wie dieser. Gerade jetzt, wo wir uns immer häufiger mit rechtsextremen Terroranschlägen konfrontiert sehen, wirkt dieser Film aus dem Jahr 1979 geradezu prophetisch.“

„Eine Aufforderung, Sinn und Wiissen weiter zu schärfen und mein Archiv der Erinnerung offen zu halten.“ Peter Patzak über die erhaltene Auszeichnung

„Kassbach“ müsse öfter gezeigt werden, „und zwar nicht nur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern auch in Schulen oder in der Erwachsenenbildung“, meinte Ludwig, der auch auf die kultige „Kottan ermittelt“-Serie einging. Diese wirke auf heutige Zuseher wie eine Zeitreise durch die Geschichte in das Wien der Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnungen. Heute gebe es nur noch zwei Prozent Substandardwohnungen in Wien, so Ludwig.

Die Laudatio auf Patzak hielt Karin Moser von der Universität Wien. Sie würdigte, dass Patzak „große Schritte zur Internationalisierung des österreichischen Films“ gesetzt habe. Ebenso habe er „die Grenzen der künstlerischen Genres durchbrochen“. Er habe in seinen Filmen „immer gesellschaftspolitisch Position bezogen“ und als Lehrender „sein Wissen stets an junge Filmschaffende weitergegeben“. Patzak sei ein „Grenz-überschreiter und Tabubrecher“, ein „Menschenliebhaber und Menschensammler“. Man habe bei Dreharbeiten mit ihm immer viel Spaß – „außer er gewöhnt sich das Rauchen ab oder hält gerade Diät“, so Moser.

Patzak bedankte sich für die Auszeichnung, die für ihn keinen Schlussstrich bedeute, sondern „eine Aufforderung, Sinn und Wissen weiter zu schärfen und mein Archiv der Erinnerung offen zu halten.“

Peter Patzak, geboren 1945 in Wien, wuchs in Wien-Brigittenau auf, wo er auch das Gymnasium besuchte. Er ist ein künstlerischer Universalist - Filmregisseur, Produzent, Maler und Autor. Er lebt mit seiner Frau Eve Joy in Klosterneuburg und hat zwei Söhne.

Patzak studierte Psychologie, Kunstgeschichte und Malerei bei Rudolf Hausner, für seine erste Ausstellung übernahm Albert Paris Gütersloh die Patronanz. 1968 präsentierte er in New York seinen ersten experimentellen Kurzfilm „His Bag“. Sein Spielfilm-Debüt trug den Titel „Situation“, Oscar Bronner hatte dafür das Drehbuch geschrieben, Rita Tushingham war in der Hauptrolle zu erleben.

Fernseh- und Filmgeschichte schrieb Patzak mit seiner ORF-Krimi-Reihe „Kottan ermittelt“ (1976-1983), für die Helmut Zenker die Bücher schrieb. „Kottan“ war anfangs ein Skandal, feierte dann aber im gesamten deutschsprachigen Raum enorme Erfolge und wird noch heute häufig im TV wiederholt.