Einsturz drohte: „Wie nach einem Bombenangriff“

Vergangenen Freitag musste die Feuerwehr, die Polizei und das Bauamt ausrücken. Ein Bauwerk in Klosterneuburg drohte einzustürzen. Entwarnung erst am Nachmittag.

Christoph Hornstein
Christoph Hornstein Erstellt am 06. Oktober 2021 | 04:37
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Das Unterfangen einer Mauer brachte die Außenmauer zum Einsturz. Baubehörde, Polizei und Feuerwehr mussten ausrücken. Die Agnesstraße wurde kurzzeitig aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Foto: privat

Im Juli dieses Jahres gab es die ersten Konflikte mit der bauführenden Firma und den Anrainern der Nachbargrundstücke. Jetzt hat es in der Agnesstraße 37 gekracht. „Es schaut aus wie nach einem Bombenangriff“, so die Anrainer. Beim Versuch, eine Stützmauer zu unterfangen, stürzten die Außenfassade und die Zwischendecke ein.

„Gefahr in Verzug“

„Gefahr in Verzug“, hieß es letzten Freitag in der Agnesstraße 37. Polizei, Feuerwehr und Baubehörde rückten sofort aus. Der Anblick erinnerte ältere Semester an Kriegszeiten. Aus Angst vor einem kompletten Einsturz des Gebäudes sperrte die Polizei sofort die gesamte Agnesstraße. So wie die hinter dem Altbestand wohnenden Anrainer berichten, soll es schon seit Juli dieses Jahres zu Problemen mit der Sanierung des Altbestandes gekommen sein.

Am Dienstagabend des 8. Juli gab es für diese Anrainer plötzlich kein Warmwasser mehr. Im Zuge der Begehung der Baustelle Liegenschaft Agnesstraße 37 stelle der EVN-Techniker allerdings einen starken Gasaustritt auf der Baustelle fest und hat die Gasleitung umgehend geschlossen und verplombt.

Der Grund laut EVN lag in der fehlerhaften Demontage der Gasanlage im Zuge der Arbeiten im Althaus Agnesstraße 37. „Kurzfristig wurde in unserem Haus auf Kosten der Baufirma und durch einen von ihm beauftragten Installateur ein Warmwasserboiler installiert. Damit war ab 14. Juli die Warmwasserversorgung für unsere wie auch die Liegenschaft unserer Nachbarn wiederhergestellt. Eine Lösung für die Heizung ist allerdings noch offen“, erzählt einer der zwei Anrainer. Auch die Internetleitung soll gekappt worden sein.

Jetzt wird mit Strom geheizt

Bis heute sind diese Problem noch nicht endgültig gelöst. Eine Elektrotherme löst zwar zwischenzeitlich das Warmwasser- und Heizungsproblem, „aber nur mit enormen Mehrkosten, die zwar von der Baufirma übernommen werden sollen, aber um die man sich dann wahrscheinlich wieder wird streiten können“, so die Befürchtung der Nachbarn. Natürlich könne man vieles mit Geld regeln, aber die Einbußen an Lebensqualität in diesem Sommer – durch außergewöhnliche Vibrationen, Staubentwicklung und Lärm – mussten die Anrainer ertragen.

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Die Agnesstraße musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.
privat

Was den Teileinsturz des Altbestandes betrifft, munkelt man bereits von einem bewusst manipulierten Abbruch. „Das ist kein geplanter Abriss. Es waren Umbauarbeiten am Haus geplant. Diese sind auch – unter Einbeziehung der Nachbarn – baurechtlich bewilligt worden“, so Baudirektor Peter Neubauer. Nach einer statischen Prüfung durch die Baufirma und die Baubehörde konnte allerdings Entwarnung gegeben werden. Die Agnesstraße wurde am Nachmittag wieder für den Verkehr bis 3,5 Tonnen freigegeben. Die Baustelle wurde aber behördlich eingestellt. „Jetzt muss die Baufirma die Sicherheitsarbeiten und ein neues statisches Konzept vorlegen. Und danach das, was eingestürzt ist, wieder herrichten“, so Neubauer. Abbrechen dürfe man das Gebäude nicht.

Die NÖN befragte den Eigentümer der ausführenden Baufirma „LC Plus Bau GmbH“ Latif Celovic. Es stimme, dass die Gasleitung im Sommer durch einen Baufehler gekappt wurde. Alles sei aber unter den Rechtsanwälten geklärt worden. „Die Elektro-Ersatzgeräte wurden von uns zur Verfügung gestellt. Auch die erhöhten Stromkosten werden wir übernehmen“, so Celovic.

Was den Altbestand betrifft, bestätigt der Eigentümer der Baufirma den Lapsus: „Ja, es ist ein Fehler beim Unterfangen geschehen“, versichert aber: „Die Sicherungsmaßnahmen sind gleich abgeschlossen, und es wird – in Absprache mit dem Bauamt – alles wieder so hergestellt, wie es war.“