Erneuter Lockdown: „Den Preis zahlen wir alle“. Hätte man das vermeiden können? Die NÖN hörte sich bei den Stadtpolitikern in Klosterneuburg um und fragte nach der Meinung der Parteichefs.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 18. November 2020 (04:00)
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Als oberstes Ziel wurde noch im Oktober die Vermeidung eines zweiten Lockdowns genannt. Seit Dienstag, 10. November haben wir ihn. Er gilt als unabdingbar zur Bekämpfung galoppierender Coronazahlen in unserem Land. Die NÖN fragte die politischen Granden der Stadt, was sie davon halten.

„Schwer e Leistungsspektrum zu halten.“ Stefan Schmuckenschlager.
zVg

„Die größte Herausforderung ist der Unterricht zu Hause für die Kinder und Jugendlichen. Das fordert von Eltern und Lehrern eine hohe Einsatzbereitschaft“, meint Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP). Die wirtschaftlichen Probleme würden sich verschärfen und damit auch die Auswirkung auf das Gemeindebudget: „Es wird schwer, das große Leistungsspektrum im vollen Umfang zu halten.“ Die sogenannte „zweite Welle“ sei besonders hart. Denn schon im Frühjahr seien große Schäden entstanden. Schmuckenschlager: „Wir müssen einfach für die Gesundheit und Unversehrtheit der Menschen kämpfen.“ Das Virus übertrage sich von Mensch zu Mensch und nicht von der Regierung auf die Bevölkerung. Nimmt die Verbreitung überhand, dann muss eben eingeschritten werden. Schmuckenschlager: „Jene, die sich den Maßnahmen leichtfertig widersetzen, verursachen durch ihr Verhalten die strengeren Gesetze. Keinen Abstand zu halten und keine Rücksicht zu nehmen ist schlichtweg asozial und gefährdet die Schwachen.“

„Die größte Herausforderung ist der Unterricht zu Hause für die Kinder und Jugendlichen.“ Stefan Schmuckenschlager, Bürgermeister

Karl Schmid, SPÖ: „Das ist Anschlag auf das Gesellschaftsleben.“
SPÖ KLosterneuburg

Für Karl Schmid, Fraktionschef der SPÖ, ist der zweite Lockdown vor allem ein Anschlag auf das Gesellschaftsleben: „Gerade in Klosterneuburg mit allen seinen Vereinen.“ Ebenso für alle Eltern, die arbeiten müssten und niemanden für die Kinderbetreuung hätten, und natürlich für die heimische Wirtschaft. Schmid: „Kurz spricht immer von ‚gemeinsam müssen wir das schaffen‘, und meint damit sich alleine.“ In keinem Entscheidungsprozess sei jemand anderer – außer ÖVP und die Umfaller Grünen – eingebunden gewesen. Wenn wieder wie im Sommer nach dem Lockdown alle Grenzen geöffnet sind und der Wintertourismus anläuft, sei der nächste Lockdown vorprogrammiert. „Was soll die Heuchelei des Menschenwegsperrens? Glaubt die Regierung wirklich, dass sich Ärzte, Pflegepersonal, Polizisten, Rettung, Feuerwehr, Handwerker, Piloten, Köche, Abwäscher, Politiker und politische Besucher aus dem Ausland nicht anstecken?“, schimpft Schmid.

Regierung war nicht genug vorbereitet

„Allein auf Hoffnung zu setzen, ist zu wenig.“ Sepp Wimmer, Die Grünen.
Die Grünen Klosterneuburg

Für den Chef der Grünen, Sepp Wimmer, hätte die zweite Welle verhindert werden können, „wenn man sich schon über den Sommer darauf vorbereitet hätte.“ Allein auf das Prinzip Hoffnung zu setzen sei zu wenig gewesen. „Und dass Bundeskanzler Kurz noch im August vom Licht am Ende des Tunnels gesprochen hat, war vielleicht auch nicht sehr hilfreich“, meint Wimmer.

Josef Pitschko (FPÖ): „Totalversagen der Bundesregierung.“
Zwazl

FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko attestiert der Bundesregierung völliges Versagen: „Wenn die Corona-Infektionszahlen inzwischen höher sind als in den von Präsident Trump geführten USA, ist die österreichische Bundesregierung offensichtlich unfähiger als der amerikanische Präsident.“ Die Bundesregierung hätte es über die Sommermonate unterlassen, einen Notfallplan – insbesondere zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebes - zu erarbeiten. Pitschko: „Anscheinend war der Wiener Wahlkampf für die Türkisen und Grünen wichtiger als die Erarbeitung von Maßnahmen zur Verhinderung eines neuerlichen Zusperrens von Betrieben.“

„Regierung hat während des Sommers geschlafen.“ Clemens Ableidinger, NEOS
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In das selbe Horn stößt NEOS-Chef Clemens Ableidinger: „Die Bundesregierung hat beim Krisenmanagement versagt. Dass eine zweite Welle kommt, war abzusehen.“ Statt Vorbereitungen zu treffen, hätte die Regierung während des Sommers geschlafen. Bis heute gebe es kein funktionierendes Contact-Tracing, keine stimmige Teststrategie, kein logisches Ampelsystem und keine Strategien für Kinderbetreuung, Schulen und Unternehmen. Ableidinger: „Den Preis dafür zahlen Handel, Gastronomie und am Ende wir alle.“

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