Fremder Bischof soll Stift aus Krise führen. Vatikan ernennt den deutschen Kurienbischof Josef Clemens zum päpstlichen Delegaten für das Stift Klosterneuburg.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 19. November 2020 (05:36)
Stift Klosterneuburg 
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Im Mai dieses Jahres musste Propst Bernhard Backovsky wegen anhaltender Krankheit sein Amt zurücklegen. Seitdem kommt das Stift nicht zur Ruhe. Schon Anfang Juni veranlasste Rom eine apostolische Visitation im Augustiner-Chorherrenstift. Als Folge davon setzte Rom in einem Dekret Kurienbischof Clemens als Administrator des Stifts ein.

„Wir wissen weder, was sein Auftrag ist, noch wann er kommt und wie lange er bleibt“, sagte Walter Hanzmann, Pressesprecher des Stifts Klosterneuburg. Der Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation, Johann Holzinger, sei mit Bischof Clemens aber im ständigen Kontakt. Hanzmann: „Wir erwarten täglich Rückmeldungen, wie es in dieser Sache weitergeht.“

Als Grund, warum der deutsche Kurienbischof Josef Clemens vom Vatikan zum Administrator von Stift Klosterneuburg bestellt worden ist, wird unter anderem als Ergebnis der Visitation „mangelnde Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle“ genannt. In Rom sei man – nach einer Meldung der APA – zur Auffassung gekommen, „dass das Stift von einem Außenstehenden aus der Krise geführt werden muss.“

Bischof Clemens müsse sich erst in die Sache, die in Rom vorliegt, einarbeiten. Hanzmann: „Corona macht das alles nicht leichter.“

Das Stift bleibt handlungsfähig

Im Stift Klosterneuburg sei man aber trotz allem voll handlungsfähig. Stiftsdechant Benno Anderlitschka und Stiftskämmerer Walter Simek seien zeichnungsberechtigt und könnten kleine Entscheidungen treffen. „Bei großen Projekten müssen wir aber mit Bischof Clemens Rücksprache halten“, so Hanzmann.

Im Vatikan hatte Clemens über 19 Jahre hinweg als Privatsekretär des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre gewirkt. Dieser hieß Kardinal Joseph Ratzinger und wurde im April 2005 zu Papst Benedikt XVI. gewählt. Noch als Kardinal spendete Ratzinger seinem Landsmann im Jänner 2004 im Petersdom die Bischofsweihe.

Backovsky war 25 Jahre an der Spitze des Klosters gestanden. Der 77-Jährige war zuletzt noch formal im Amt.