Gastronomie in der Krise: Kurzzeit oder Kündigen?. Klosterneuburgs “Wüde Goass“-Wirt Klaus Döller kritisiert das neue Kurzzeitarbeitsmodell und die aufwendige Administration. Das AMS NÖ versucht, den Aufwand zu erleichtern.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 26. März 2020 (03:28)
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Gastronom Klaus Döller lässt kein gutes Haar am Kurzarbeitsmodell: „Das wird in der Öffentlichkeit als Stein der Weisen verkauft, ist aber in Wirklichkeit der größte Stumpfsinn.“ Sein Betrieb – die Einkehr zur wüdn Goass – ist seit 16. März geschlossen.

Was tun mit den 18 Mitarbeitern? Erster Gedanke des Wirten: Kurzzeit. Bei näherer Betrachtung hat Döller das Modell wieder verworfen. Denn: „Die Idee ist zwar gut, aber nur mit irrsinnigem Mehraufwand der Lohnverrechnung zu administrieren. Die Kosten muss der Dienstgeber bezahlen.“

Nach der Kurzarbeitregelung müsste der Wirt zusätzlich zu einem herabgesetzten Bezug auch Kurzarbeitsunterstützung zahlen. Sie wird vom Arbeitgeber vorfinanziert und nachträglich durch das AMS refundiert. Döller: „Ich habe keine Arbeitsleistung, mein Betrieb ist geschlossen. Trotzdem müsste ich zahlen und bis zu drei Monate auf mein Geld warten.“ Außerdem müsse erst eine Software zur Abrechnung entwickelt werden.

Der Wirt sieht sich gezwungen, die Dienstverträge einvernehmlich aufzulösen – mit vertraglich geregelter Wiedereinstellung „nach Aufhebung der Beschränkungen“ und „je nach Arbeitsanfall“. „Ich kann’s nicht anders machen“, so Döller. Statt der Kurzarbeit schlägt er vor, Dienstverhältnisse ruhend zu stellen, anfallende Stunden, Urlaube und Arbeitslosengeld auszuzahlen.

AMS: Viele Vorteile für die Arbeitgeber

AMS-NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich unterstreicht die Vorteile für Arbeitgeber im Vergleich zum bisherigen Modell: „Das sind unter anderem höhere Beihilfe, indem die Beiträge zur Sozialversicherung bereits ab dem ersten Monat ersetzt werden. Weiters kann der Arbeitsausfall in einzelnen Wochen während des gesamten Kurzarbeitszeitraums auch 100 Prozent betragen.“

Die Administration bedarf zeitlichen und organisatorischen Aufwands, gibt Hergovich zu. Aber: „Das AMS versucht mit Hilfsmitteln, wie den Abrechnungstabellen, den Aufwand zu erleichtern.“ Und: „Es besteht über alle Sozialpartner hinweg Einigkeit darüber, dass dieses Modell eine gute Alternative zur Kündigung von Arbeitnehmern darstellt.“ Denn es sei keine Entlohnung innerhalb der Kündigungsfrist zu beachten, nach der Krise sind Mitarbeiter sofort einsatzbereit. Hergovich: „Gerade in der Gastronomie gestaltet sich die Suche nach passendem Personal sehr schwierig.“