Happyland: Herbe Kritik vom Rechnungshof. Vier Seiten des Rechnungshof-Rohberichts wurden der NÖN zugespielt. Projektplanung und Generalplaner im Fokus der umfassenden Kritik.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 21. März 2018 (05:31)
Das Klosterneuburger Happyland kommt schon seit seinem Bestehen nicht mehr aus den Schlagzeilen. Nach Bekanntwerden des Rechnungshof-Rohberichtes ist es um eine Schlagzeile reicher geworden.
NOEN, NÖN

Ganz Klosterneuburg wartet auf den Endbericht des Rechnungshofes in Sachen Happyland Sportstätten GesmbH. Das Prozedere schreibt vor, dass es einen Rohbericht geben muss, der einem engen Kreis der Verantwortlichen (Eigentümer, Geschäftsführer) vorzulegen ist. Danach gibt es die Möglichkeit, die Zeit bis zum Endbericht mit Verbesserungen der Rechnungshofkritik zu nützen.

Der Rohbericht ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Dieser Tage wurden der NÖN vier Seiten des Rohberichts anonym zugespielt. Der Inhalt dieser Seiten gibt allen Kritikern der Happyland-Sanierung recht.

Jahrelang prasselte die Kritik um die Sanierung der Freizeitstätte „Happyland“ auf die Verantwortlichen nieder. Aber getan wurde anscheinend auch nach Vorlage des Rohberichts wenig. Das jedenfalls ist die Meinung des Rechnungshofes, der auf Seite 10 des 110 Seiten starken Konvoluts schreibt: „Die Liste der noch nicht behobenen Mängel umfasste im März 2017, über ein Jahr nach Abschluss des Projekts, mehr als 100 Punkte. Weder die Geschäftsführung noch der Generalplaner konnte eine Strategie samt Zeitplan für deren Behebung vorlegen.“

„Generalplaner und Projektsteuerung erreichten die in den Leistungsverträgen vorgegebenen Ziele nicht.“ Zitat aus dem Rechnungshof-Rohbericht

Im Rohbericht wird auch zu alten Vorwürfen, wie zu Korrosionsschäden an den Geländern „infolge bislang unterbliebener Inbetriebnahme der Wärmepumpen“, der Lüftung in der Mehrzweckhalle („für die bescheidmäßig zugelassene Besucherzahl unterdimensioniert“) oder zum ersatzlosen Abbau der Wärmetauscher bei der Kälteanlage des Eislaufplatzes, was zum weitgehenden Verlust der Abwärmenutzung für das Bad und zu zusätzlichen Kosten führte, Stellung genommen.

Die meiste Rechnungshof-Kritik bündelt sich beim Generalplaner „Maurer & Partner“. Der Rechnungshof beurteilte die vom Generalplaner erstellten Leistungsverzeichnisse „als wenig geeignet, um im Wettbewerb unstrittig das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln“, so der Bericht. So soll sich beispielsweise beim Gewerk „Trockenbau“ die Summe aus Mehrmengen und Nachträgen auf 96 Prozent der Auftragssumme belaufen haben. Leistungen, die von Mitbietern nicht kalkuliert werden konnten.

Kontrollorgane blieben unwirksam

„Generalplaner und Projektsteuerung erreichten die in den Leistungsverträgen vorgegebenen Ziele nicht. Der Generalplaner nahm die örtliche Bauaufsicht nicht ausreichend wahr“, heißt es im Rechnungshof-Rohbericht weiter. Die Kontrollorgane – die sich im Wesentlichen aus Mitgliedern des Stadtrates und der Stadtgemeinde zusammensetzen – blieben laut Rechnungshof unwirksam. Die Geschäftsführung informierte den Sportstättenbeirat ungenügend, der Beirat erfüllte seine Überwachungspflicht daher nicht.

Auch über den früheren Geschäftsführer Stefan Konvicka findet der Rechnungshof keine lobenden Worte: „Der Geschäftsführer verfügte weder über eine bauspezifische Ausbildung noch über Erfahrungen mit vergleichbaren Bauprojekten.“ Zusammen mit fehlender Zustimmungsbefugnis des Beirats war dies „mitbestimmend für den teilweise nachteiligen Verlauf der Sanierung Happyland.“

„Der Geschäftsführer verfügte weder über eine bauspezifische Ausbildung noch über Erfahrungen mit vergleichbaren Bauprojekten.“

Die gesamte Projektabwicklung der Sanierung vom Masterplan 2012 bis zum Einreichplan 2014 steht auch im Fokus der Kritik des Rechnungshofes: „Die Entwicklung des Sanierungsprojekts war gekennzeichnet durch vielfache Änderungen, die sich zwischen den Planungsschritten Masterplan, Vorentwurfsplanung und Einreichplan sowie der Ausführung ergaben.“

So enthielt die Vorentwurfsplanung in Abweichung des Masterplans statt der Sanierung des Fußball-Hauptspielfeldes und der Außentennisplätze deren Neubau in neuer Lage. Weder die Wirtschaftlichkeit noch die Zweckmäßigkeit wurden dafür dokumentiert. Nicht mehr Teil des Projekts waren hingegen die thermische Sanierung, wie die Verlegung der Eissportanlage.

Schließlich wurden beim Einreichplan wieder Positionen reduziert: die sieben geplanten Außen-Tennisplätze auf fünf, keine Sanierung der Saunaanlage, keine Sanierung der Gebäudehülle von Mehrzweck– und Tennishalle, keine zusätzliche Tennishalle, keine Hochsprunganlage, keine Neuerrichtung des Eislaufplatzes, Saunabuffet nicht saniert, keine Glasfassade beim Verbindungsgang zu den neuen Garderoben, kein Stiegenabgang an der Nord-Ost-Ecke der Tennishalle, kein Gymnastikraum und der Wegfall der Sanierung der Verwaltungsräume.

Keine Stellungnahme zu den Vorwürfen

Viele der vom Rechnungshof erhobenen Vorwürfe gehen an die Adresse des Generalplaners „Maurer & Partner“. Der Projektverantwortliche für das Happyland, Thomas Jedinger, wollte sich zu den Vorwürfen der NÖN gegenüber nicht äußern. „Ich warte den offiziellen Endbericht des Rechnungshofes ab“, so Jedinger.