Heiße Phase für Neustart in den Schulen. Eltern erbost über die Forderung des Gyms in Klosterneuburg, Schularbeiten mitzubringen. Direktorin Poledna: „Kein Rückschluss auf Lehrer“. Anmeldephase läuft auch in Mittelschulen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 14. Februar 2020 (03:42)
Rund 200 Vorstellungs-Gespräche werden im BG/BRG Klosterneuburg zum gegenseitigen Kennenlernen durchgeführt. Die Schule möchte im Anmeldungsprozess auch die Schularbeiten aus dem ersten Halbjahr sehen.
Wagner

Kaum hat das zweite Semester gestartet, dreht sich für Volksschüler-Viertklässler alles nur noch um eine Frage: Wo soll die weitere Schul-Karriere hinführen? Die Gedanken kreisen wohl schon lange in den Köpfen von Kindern und Eltern umher, jetzt wird es Ernst: Die Anmeldungsphase für September läuft bereits.

Das BG/BRG Klosterneuburg, die größte Schule der Babenbergerstadt, führt Kennenlern-Gespräche durch, um den Gym-Neulingen die Nahtstelle zwischen Volksschule und Gymnasium zu erleichtern. Das ist nicht die einzige Anforderung des BG/BRG: Heuer müssen die Viertklässler erstmals Kopien der Schularbeiten aus dem ersten Halbjahr vorlegen. Das passt manchen Eltern gar nicht.

„Jedes Kind sollte sich in der ersten Klasse gut aufgehoben fühlen. Es geht mir nicht darum, eine Elite-Schule zu etablieren.“ Hemma Poledna, Direktorin BG/BRG Klosterneuburg

„Es gibt klare Kriterien für die Aufnahme in ein Bundesgymnasium“, betont Franz Maier – und wendet sich mit einem Hilferuf an die NÖN: „Wir sind eine Gruppe besorgter Eltern und Volkschullehrer. Wir sind machtlos.“ Ihm ist die Forderung nach den Schularbeiten ein Dorn im Auge und zeige, dass man seitens des Gymnasiums den Volksschullehrern nicht vertraue.

Eine Frage des Vertrauens ist das für Direktorin Hemma Poledna nicht: „Ich bin so dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Volksschulen und Mittelschulen. Es würde mir nie einfallen, von den Schularbeiten Rückschlüsse auf die Lehrer zu ziehen.“ Auf Vorschlag von Volksschuldirektorinnen habe sich das Gymnasium, so Poledna, dazu entschlossen, die Schularbeiten anzuschauen. Eine Praxis, die in Privatschulen schon lange gang und gäbe ist.

„Für uns ist das in Ordnung. Schularbeiten sind kein Geheimnis“, bestätigt Ursula Mürwald, Direktorin der Volksschulen Kritzendorf und Weidling. Ein „Gut“ in einer Schule sei mitunter eine bessere Leistung als ein „Sehr gut“ in einer anderen. Mürwald: „Mit den Schularbeiten bekommt man einen besseren Einblick.“

Zurück zum Gymnasium: Voriges Jahr hat das BG/BRG mit Gesprächen im Rahmen des Anmeldeprozesses begonnen. „Wir möchten uns vorstellen und die Kinder kennenlernen. Wir führen rund 200 Gespräche, das ist ein großer logistischer Aufwand“, erklärt die Direktorin. Um die Viertklässler noch besser kennenzulernen, fordert das Gymnasium heuer auch Kopien der Schularbeiten ein. So bekomme man einen besseren Überblick über Stärken und Schwächen, gleichzeitig könne man noch Tipps geben, was bis September geübt werden muss. Poledna: „Jedes Kind sollte sich in der ersten Klasse gut aufgehoben fühlen. Es geht mir nicht darum, eine Elite-Schule zu etablieren, sondern es muss der Schultyp zum Kind passen.“

Neben dem Gymnasium gibt es in Klosterneuburg zwei weitere öffentliche Schulen: die beiden Mittelschulen in der Hermann- und in der Langstögergasse. Die beiden Schulen setzen unterschiedliche Schwerpunkte – Kreativ und Informatik in der Hermann-MS, Sport und Sprachen in der Langstöger-MS. „Die Mittelschule ist die Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, die bestens auf die weiteren Bildungswege und das Berufsleben vorbereitet“, ist Sabine Geyrhofer, Direktorin in der Hermannstraße, überzeugt.

Die familiären Schulstandorte, Unterricht nach dem AHS Lehrplan und ab der sechsten Schulstufe auf zwei Leistungsniveaus, verschiedene Wahlpflichtfächer und die Förderung entsprechend der individuellen Begabungen in kleinen Gruppen sprechen für die beiden Mittelschulen, betont die Direktorin. Und: „An unserem Standort steht vor allem die individuelle Begabungsförderung, Berufsorientierung und das Miteinander im Zentrum.“