Herbizideinsatz im Weinbau verändert Bodenleben . Studie von Boku und Weinbauschule Klosterneuburg: Herbizideinsatz im Weinbau verändert Bodenleben und Traube. Ökologe Zaller: „Besser auf alles verzichten.“

Erstellt am 27. Juni 2018 (04:20)
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Im Weinbau hat in den vergangenen Jahren der Herbizideinsatz stark zugenommen. Wie die APA berichtet, wurde in einer Freilandstudie an der Weinbauschule Klosterneuburg (NÖ) nun gezeigt, dass Unkrautbekämpfungsmittel nicht nur das Bodenleben massiv verändern, sondern auch die Nährstoffgehalte der Weinrebe von der Wurzel bis in die Traube, berichtet die Universität für Bodenkultur (Boku) am Dienstag in einer Aussendung.

Insgesamt 40 Herbizide sind laut Boku für den Weinbau in Österreich zugelassen, 22 davon mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Als Hauptgrund für deren Einsatz nennt die Uni die Arbeitszeitersparnis im Vergleich zur mechanischen Unkrautkontrolle.

Für die Studie unter der Leitung von Florian Faber von der Weinbauschule Klosterneuburg wurden in einem schuleigenen Weingarten mit fünfjährigen Reben der Sorte Gewürztraminer die drei meistverwendeten Herbizide mit den Wirkstoffen Glyphosat, Glufosinat und Flazasulfuron praxisüblich im Unterstockbereich ausgebracht. Als Kontrollvariante wurde Unkraut mechanisch entfernt.

Kompletter Verzicht auf Herbizide im Weinbau als sinnvolle Lösung

„Wir fanden erstaunlich viele Veränderungen in der Weinrebe nach der Herbizidbehandlung“, fasste der Ökologe Johann Zaller von der Boku die Ergebnisse zusammen, die kürzlich im Fachjournal „Environmental Science and Pollution Research“ veröffentlicht wurden. Am auffälligsten war das Ergebnis bei der sogenannten Mykorrhizierung der Rebwurzeln. Nach dem Einsatz der Unkrautvernichtungsmittel war diese um 53 Prozent reduziert. Die mit den Weinreben in Symbiose lebenden Mykorrhizapilze würden für eine bessere Nährstoffversorgung, Rebengesundheit und Weinqualität sorgen.

Alle drei getesteten Herbizide zeigen ähnliche Nebenwirkungen. Es mache nach Zaller also wenig Sinn, ein umstrittenes Mittel wie Glyphosat gegen ein anderes auszutauschen, „besser wäre der komplette Verzicht auf Herbizide im Weinbau“.

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