"Hick Hack" um schwebendes Haus im Grünland geht weiter. Was die PUK in Sachen "kuriose Bauführung" in Klosterneuburg aufdeckte, könnte rechtlich gedeckt sein. Keller dürfen im Grünland gebaut werden. Land NÖ prüft.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 22. April 2020 (05:01)
Ein wahrlich kurioses Bild: Der Rohbau eines Kellers im Grünland und darüber die erhaltenswerte Holzhütte. Ein Produkt findiger Planer?
PUK

Kollersteig 135: Diese Adresse sorgt derzeit für viel Aufregung in Klosterneuburg. 1959 wurde die Baubewilligung für ein Wochenendhaus im Grünland erteilt. Auf 27 Quadratmetern wurde damals ein Holzhaus errichtet. Jahrzehnte später erhielt es die Widmung GEB (Erhaltenswertes Gebäude im Grünland) und erst 2014 auf GEB+ erweitert.

Nun, was darf man bei so einer Widmung am Bestand baulich verändern?

Die Grundrissfläche darf maximal um 16 Quadratmeter erweitert werden. Wenn der Altbestand abgerissen wird, darf nicht mehr neu gebaut werden.

Was hingegen wirklich auf diesem Bauplatz passiert, glaubt Gemeinderat Stefan Hehberger von der PUK (Plattform Unser Klosterneuburg) zu wissen: „In nur drei Wochen wurde der Abtransport von mehr als 100 Lkw-Ladungen Erdreich organisiert und der Schalungsbau für einen 100 Quadratmeter-Kellerbau aufgezogen. Ebenso wurden mehr als drei Betonpumpen und eine Vielzahl von vierachsigen Betonmischern aufgefahren, um den Keller fertigzustellen.“

„Aus meiner Sicht widerspricht das klar dem Willen der politischenGesetzgebung.“ Sepp Wimmer, des. Planungsstadtrat

Hier seien Hangabtragungen und Geländeaufschüttungen für Kellerbauwerke erfolgt, die zwar formal, um der Bauordnung Genüge zu tun, „Keller“ genannt werden, die jedoch eindeutig Aufenthaltsräume darstellen würden. Hehberger: „Talseitig entstanden große Fenster oder ganze Glasfronten. Das ist für einen Keller äußerst unüblich.“

Die PUK fordert ein konsequentes Einschreiten und das Bekenntnis zum Schutz der Umwelt durch restriktive Siedlungsentwicklung.

Einen sofortigen Baustopp, die angeforderte Prüfung und Bewertung durch das Land NÖ dauert viel zu lange.

Alle bestehenden GEBs sollen auf ihre Angemessenheit durchleuchtet werden.

Keine neuen GEB-Widmungen. Viel zu lange hätten sich die politischen Entscheidungsträger um eine „saubere“ Lösung für die GEB herumgedrückt.

Eine Resolution an das Land NÖ, damit Details für Bautätigkeiten im Grünland genauer, strenger und präziser in der NÖ Bauordnung beschrieben werden.

Ist so ein Bau im Grünland denn überhaupt möglich?

Der designierte neue Planungsstadtrat Sepp Wimmer: „Leider könnte es schon sein, dass dies alles nach den Baubestimmungen rechtmäßig ist. Nur zum jetzigen Zeitpunkt weiß man das nicht, weil eine derart extreme Ausnutzung der GEB-Widmung hat es bisher noch nicht gegeben.“ Dies sei auch der Grund gewesen, warum die Baubehörde das Land NÖ um eine Expertise gebeten hat.

Dass dieser Fall überhaupt zur Diskussion steht, sei auch auf die kuriose Situation zurückzuführen, dass es zwar im Bauland umfangreiche Bestimmungen für das Bauen gibt, im Grünland hingegen viele Schlupflöcher offen sind. So bräuchte man im Grünland keine Baubewilligung für einen Swimmingpool, einen Keller oder einen Bunker. „Hier macht sich der Bauwerber die extreme Hanglange des Grundstückes zu Nutzen und errichtet einen Keller mit einem tollen Panorama blick auf das gesamte Donautal“ so Wimmer weiter. Diese Vorgangsweise sei bisher einzigartig, und man darf gespannt sein, wie das Land NÖ über die Rechtmäßigkeit dieser Vorgangsweise urteilt. Wimmer: „Aus meiner Sicht widerspricht das klar dem Willen der politischen Gesetzgebung.“