Tschernobyl 1986: Landwirte waren in großer Sorge. Kierlings Ortsvorsteher Johann Fanta erinnert sich zurück an seine Gedanken und Erlebnisse im April 1986.

Von Thomas Török. Erstellt am 29. April 2021 (03:15)
Kierlings Ortsvorsteher Johann Fanta war nach der Tschernobyl-Katastrophe besorgt um die Gesundheit seiner Kühe und ihrer Produkte.
: NÖN Archiv, : NÖN Archiv

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 versetzte auch die Landwirte in Österreich in große Besorgtheit. Groß war die Befürchtung, dass radioaktive Strahlung über den Ostwind und die radioaktive Wolke im „sauren Regen“ auf die Felder in Österreich getragen wurde.

Die Sorge war ganz und gar berechtigt, denn eine starke Verstrahlung hätte für unsere Landwirtschaft und somit auch für unsere Lebensmittelversorgung desaströse Folgen gehabt. Neben den Äckern wären vor allem Rinder betroffen gewesen, die die Verstrahlung über das Grasen auf den Weideflächen aufgenommen hätten. Aus diesem Grund kam es im Mai 1986 auch zu Maßnahmen wie verstärkten Kontrollen von Nahrungsmitteln.

„Wir dachten uns alle, dass bald der Ostwind kommt und uns die Verstrahlung auf die Felder bringt.“ Johann Fanta, Ortsvorsteher Kierling

Johann Fanta, Kierlings Ortsvorsteher und Milchbauer, war damals 30 Jahre alt, als das Unglück passierte. „Wir dachten uns alle, dass bald der Ostwind kommt und uns die Verstrahlung auf die Felder bringt. Die Kühe nehmen sie über das Gras auf, und so kommt sie dann in Milch und Käse. Und dann nimmt sie der Mensch auf. Eine Freude hatte damals keiner mit der Situation.“

Doch so kam es zum Glück nicht, da die radioaktive Wolke nur als leichter Nieselregen abgeregnet war. Der Raum Klosterneuburg verzeichnete nur geringe Strahlenwerte, und Fantas Milch war nicht strahlenbelastet. Da man auch nicht so einfach an Milch herankam, war Fanta am Schluss sogar in einer vorteilhaften Lage: „Viele Leute sind da gerne zu mir auf den Hof gekommen, und haben Milch gekauft, da man sonst nirgendwo welche bekam.“