Klaus Schwertner kämpft mit viel Herz und Engagement. Unermüdlich kämpft Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner gegen die Armut der Welt. Die NÖN bat ihn zum Interview, um das Jahr 2017 Revue passieren zu lassen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 28. Dezember 2017 (05:23)
NOEN, Caritas
Im Frühsommer 2017 startete Klaus Schwertner (Mitte) mit Werner Brix (unten r.) das Projekt „24-Stunden- Challenge gegen den Hunger“. 100.000 Kinder wurden vor dem Hunger gerettet.

Seit März 2013 ist Klaus Schwertner Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien. Der 41-jährige Klosterneuburger wurde bei seinem Antritt von Caritasdirektor Michael Landau als eine „Caritas-Persönlichkeit mit viel Herz und Engagement“ gewürdigt. Als einer von zwei Geschäftsführern ist Schwertner für mehr als 5.384 Caritas-Mitarbeiter verantwortlich. Die Caritas bietet rasche und effiziente Hilfe in
Österreich und weltweit, speziell in den Bereichen Pflege, Menschen mit Behinderung, Obdachlosen- und Flüchtlingsarbeit, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe. Klaus Schwertner ist verheiratet und hat drei Söhnen und eine Tochter.

NÖN: Herr Schwertner, wie haben Sie heuer Weihnachten gefeiert?
Klaus Schwertner: Weihnachten war heuer etwas anders. Heuer haben wir in einem kleinen Kreis gefeiert, mit meiner Frau, meinen Kindern, der Schwiegermutter und einer Freundin meiner Frau. Sonst war alles wie immer, mit Christbaum, Krippenandacht, und vor der Bescherung waren die Kinder mit dem Opa im Technischen Museum.

Was gab‘s als Weihnachts-Menu?
Ich habe heuer ein paar Dinge geändert: zu rauchen aufgehört und seit September aufgehört, Fleisch zu essen.

"Ich habe mir vorgenommen, mehr auf meine Gesundheit zu achten"

Warum das?
Das hat natürlich persönliche Gründe. Ich habe mir vorgenommen, mehr auf meine Gesundheit zu achten. Aber es hat auch mit den Hungersnöten zu tun. Überhöhter Fleischkonsum hat damit zu tun, dass wir den Hunger auf der Welt nicht in den Griff bekommen. Und seit sechs Wochen trink ich keinen Alkohol mehr. Hauptsächlich sind es Gesundheitsaspekte, die mich dazu bewegen.

Lassen wir das Jahr 2017 doch ein bisschen Revue passieren.
Da fällt mir sofort die Kältewelle im Jänner ein. Wir waren damals in der Obdachlosenarbeit sehr gefordert. Im Jänner trudelten 2.000 Anrufe am Kältetelefon ein. Es war damals sehr beeindruckend, wie viele Menschen sich bereit erklärt haben zu helfen.

Was fällt Ihnen noch zum Jahr 2017 ein?
Die „24-Stunden- Challenge gegen den Hunger“. Mit dem Kabarettisten Werner Brix habe ich diese Aktion knapp vor Schulschluss in der Mariahilferstraße gestartet. Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind auf der Welt an Hunger. Wir haben 24 Stunden lang alle zehn Sekunden einen Luftballon steigen lassen. Das war der Auftakt einer Aktion, die über den Sommer gelaufen ist. Das Ziel war, 100.000 Kinder vor dem Hunger zu retten. Schon in den ersten Tagen wurden 15.000 Euro für Hilfsprojekte gespendet. Gegen Ende des Sommers haben wir dann unser Ziel erreicht.

"Wir müssen lernen, über den Tellerrand zu schauen, und erkennen, wie es den Menschen weltweit geht"

Was ziehen Sie daraus für Schlüsse?
Das zeigt, was Caritas-Arbeit ausmacht. Wir müssen lernen, über den Tellerrand zu schauen, und erkennen, wie es den Menschen weltweit geht. Und denen geht es alles andere als gut.

Was ist alles in Klosterneuburg passiert?
Wir haben im Jänner begonnen, in Klosterneuburg mit viel Engagement eine Demenz-Plattform zu initiieren. Unter dem Aspekt, weil wir wissen, dass Österreich in zehn Jahren weltweit zu den Ländern mit der ältesten Bevölkerung werden wird. Das läuft jetzt schon ein paar Monate, und es ist beeindruckend, was in so kurzer Zeit gelungen ist. Wir haben alle Beteiligten an einen Tisch gebracht. Die Stadtgemeinde, die Alten- und Pflegeeinrichtungen, Betroffene und deren Angehörige – alle sind jetzt bestens vernetzt. Wir haben auch eine Homepage unter „www.demenz-klosterneuburg.at“ eingerichtet, wo Informationen, Termine und Unterstützungsangebote in Klosterneuburg zu finden sind. Es gibt Vortragsreihen, und wir wollen uns nächstes Jahr auf die Schulen konzentrieren. Ich glaube, wir sind auf dem guten Weg, Klosterneuburg als Vorzeigestadt in Niederösterreich im Sinne von „Gut leben mit Demenz“ zu machen.

Gibt es noch etwas für Klosterneuburg zu berichten?
Ja, wir stehen kurz davor, in Klosterneuburg einen Standort für ein weiteres „Lerncafé“ zu installieren. Es gibt derzeit 52 in ganz Österreich. Freiwillige lernen mit Kindern, deren Eltern sich keine Nachhilfestunden leisten können. Das ist ein Erfolgsprojekt. 95 Prozent der Kinder schließen die aktuelle Schulstufe positiv ab. Es ist ein Projekt, das zeigt, wenn man zusammen hält, kann alles gelingen.

Aber hier müssen alle zusammenhelfen...
In Klosterneuburg helfen auch alle zusammen. Der Bürgermeister, die Pfarren, Freiwillige und natürlich die Spender, die das Projekt möglich machen.

Haben Sie noch Kontakt zu „Klosterneuburg hilft“?
Ich finde es nach wie vor beeindruckend, wie viele Menschen sich bei „Klosterneuburg hilft“ engagieren. Ich bewundere diesen langen Atem und habe mich sehr gefreut, dass diese Initiative den Sozialpreis der Stadtgemeinde Klosterneuburg verliehen bekommen hat.

"Nächstenliebe ohne Wenn und Aber"

Wir haben jetzt eine neue Bundesregierung. Beeinflusst das Ihre Arbeit?
Das Schöne an der Caritas-Arbeit ist, dass die Aufgabe unter jeder Bundesregierung die gleiche ist: Not sehen und handeln. Nächstenliebe ohne Wenn und Aber.

Was haben Sie sich eigentlich unter dem Christbaum gewünscht?
Ich habe mir gewünscht, dass christliche Symbole aus den Wahlkämpfen draußen bleiben. Christlich-soziale Werte zeichnen sich nicht dadurch aus, was auf den Plakaten steht, sondern wie wir im Jahr 2018 mit Menschen umgehen werden, die auf Herbergsuche sind.

Haben Sie noch eine Botschaft, die Sie noch loswerden wollen?
Ich würde gerne ein großes Dankeschön an diejenigen richten, die sich im Jahr 2017 für Menschen und die Caritas-Arbeit eingesetzt haben. Ich habe die Bitte, auch im Jahr 2018 dort achtsam zu bleiben, wo Menschen Hilfe brauchen, einsam sind, oder wo uns vorgegaukelt wird, dass es für komplexe Fragestellungen einfache Antworten gibt.