Klimaticket: Im Osten wird noch verhandelt. Das Klimaticket ist für Klosterneuburger um 100 Euro teurer als der Normaltarif. Das muss besser werden.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 01. September 2021 (05:16)
ÖBB Zug Eisenbahn Schiene Infrastruktur Symbolbild
NOEN, ÖBB

Das „1-2-3-Ticket“, auch Klimaticket genannt, soll die Revolution im öffentlichen Verkehr sein. Noch nie war Öffi-Fahren so einfach und so günstig. Nach 15 Jahren, in denen dieses Ticket versprochen wurde, hat die Zeit des Wartens jetzt ein Ende. Und das Klimaticket kommt, ja, ist schon da, aber nur in sechs von neun Bundesländern. Wien, Niederösterreich und Burgenland stehen noch in Verhandlungen. Und die dürften sehr zäh sein.

Mit 1. Juli sollte das 1-2-3-Ticket (siehe Infobox) in Kraft treten – und das bundesweit. Soweit die Pläne von Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne). Doch dazu fehlt nach wie vor die Einigung des Bundes mit der Ostregion. Für die westlichen Bundesländer ist der Start am Nationalfeiertag, 26. Oktober, vereinbart.

„Das 2er-Ticket ist signifikant teurer als der aktuelle Tarif. Deshalb muss es noch Verhandlungen mit VOR und Ministerium geben.“ Maria Theresia Eder, Stadträtin ÖVP

Es sind vor allem die Pendler des Speckgürtels rund um Wien, für die das 1-2-3-Ticket keinerlei Vorteile bringt. Am Beispiel eines Pendlers aus Klosterneuburg ist das rechnerisch leicht erklärt. So zahlt man für ein Klosterneuburg/Wien Ticket derzeit 626 Euro im Jahr. Das adäquate Klimaticket, nämlich das 2er, kostet 730 Euro, also um rund 100 Euro mehr, was nicht im Sinne der Sache sein kann.

Zu den offenen Verhandlungspunkten mit Niederösterreich, Wien und dem Burgenland zählen auch einheitliche Tickets und deren Vertrieb sowie die Umstellung der einzelnen Anbieter auf das neue Tarifmodell. Den größten Verhandlungsbrocken stellt allerdings die Finanzierung dar, und da fühlt sich Niederösterreich laut dem zuständigen Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) benachteiligt.

„Die Förderung des öffentlichen Verkehrs ist sicher begrüßenswert“, lobt Stadträtin Maria Theresia Eder, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie und Frauen, das Modell des 1-2-3-Tickets, weist aber darauf hin, dass eine Lösung für Klosterneuburg und die Gemeinden rund um Wien gefunden werden muss: „Das 2er-Ticket ist signifikant teurer als der aktuelle Tarif. Deshalb muss es noch Verhandlungen mit VOR und Ministerium geben. Laut Landesrat Schleritzko darf es für die Klosterneuburg und für alle um Wien liegenden Gemeinde zumindest nicht teurer werden. Wir liegen so nah an Wien, da muss eine Lösung mit einem eigenen Tarif gefunden werden.“ Der Idealfall und ein wichtiger Anreiz wäre für Eder, wenn das Klimaticket in Zukunft günstiger als der aktuelle Tarif werden würde.

Auch Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer (PUK) hält grundsätzlich das „1-2-3-Ticket“ für eine gute Maßnahme, den öffentlich Verkehr zu fördern und die Kosten in den Hintergrund zu stellen. Umso wichtiger ist ihm, für die Umlandgemeinden einen empfindlichen Preisanstieg, eine „Verschlimmbesserung“, zu vermeiden. Kehrer: „Der Tarif für Wien und Klosterneuburg muss bestehen bleiben. Dafür setzen wir uns vehement ein. Auch dem VOR ist das bewusst. Ich bin mir sicher, dass auch dieser keine Verschlechterung für Klosterneuburg zulassen wird.“

Auch eine tarifliche Zuordnung zum Bundesland Wien wäre für Verkehrsstadtrat Kehrer denkbar, der auch gleich an die Zukunft denkt: „Das ‚1-2-3-Ticket‘ wird nur dann eine positive Wirkung haben, wenn auch das Angebot sukzessive verbessert wird. Als nächster Schritt wollen wir beispielsweise die Ausdehnung des Viertelstundentaktes auf der S40 über den gesamten Tag.“

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