Landwirtschaft braucht das Wasser von oben. Auch wenn die Stadtgemeinde Klosterneuburg genug Trinkwasser zur Verfügung hat – die Landwirtschaft braucht das Wasser von oben.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 13. Mai 2020 (03:58)
Landwirte klagen über die Trockenheit auf den Feldern. Kein Dauerregen in Sicht.
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Der bisherige Frühling ist in der Zwischenbilanz einer der zehn wärmsten der 254-jährigen Messgeschichte. „In der warmen Witterung begannen viele Pflanzen um zwei bis drei Wochen früher auszutreiben als im Mittel, und dementsprechend größer ist heuer der Wasserverbrauch der Vegetation“, so Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Ob beim Rasenmähen im Garten oder auf dem Traktor – es bildet sich eine Staublawine. Es fehlt der Regen, und wenn er einmal kommt, dann nicht ausreichend. Dieser Umstand bringt schon einige Gemeinden in Niederösterreich dazu, das Gemeindewasser zu rationieren.

In Klosterneuburg sind wir Gott sei Dank noch weit weg davon, wie das Rathaus auf Anfrage berichtet: „Dank einem dichten Netz an Brunnen und Wasserspeichern fließt das lebenspendende Nass in Klosterneuburg stetig, auch bei Hochwasser und Hitze.“

Mit acht Brunnen, 17 Hochbehältern und 275 Kilometern Wasserleitung hätte Klosterneuburg eines der besten und sichersten Versorgungsnetze des Landes. Egal wie heiß der Sommer wird, die Klosterneuburger bräuchten sich keine Gedanken über Wasserknappheit zu machen. Im äußersten Notfall könnte auch Wien unter die Arme greifen, denn zur Hauptstadt besteht seit Langem eine Leitung, die im Jahr 2000 saniert und vergrößert wurde. Aber keine Sorge, nur wirklich außergewöhnlich heiße Sommer wie jener von 2015 bringen das stadteigene Netz an seine Grenzen.

„Dank einem dichten Netz an Brunnen und Wasserspeichern fließt das lebenspendende Nass in Klosterneuburg stetig, auch bei Hochwasser und Hitze.“

„Die Rebe braucht nicht viel Wasser. Sie kommt mit wenig aus. Aber für die jungen Pflanzen ist der Niederschlag zu wenig“, so der Direktor der Weinbauschule, Reinhard Eder. So musste man bei einer neuen Auspflanzung beim Schwarzen Kreuz 30 Liter Wasser heranschaffen, damit die jungen Reben überleben. Auch die Bewässerungsbrunnen gehen langsam zur Neige, weil die Flüsse und Bäche zu wenig Wasser führen.

Bei den Obstkulturen ist die Trockenheit schon viel gefährlicher. Eder: „Wir brauchen dringend einen zwei- bis dreitägigen Landregen. Wind und Sonne sind das Schlechteste.“

Heuer nur die halbe Heuernte

Die Wiesen stehen im Fokus der Sorgen der Landwirte wie Johann Fanta aus Kierling: „Die Heuernte wird sich heuer halbieren. Meine Tiere kann ich heuer auch nicht auf die Weiden treiben. Da gibt’s einfach zu wenig Futter. Aber auch der Kukuruz braucht ganz schnell Regen. Bei uns im Wiener Umland ist es aber nicht so schlimm. Im Tullnerfeld hat die Landwirtschaft schon mehr mit der Trockenheit zu kämpfen.“

Im Osten könnte das für die Pflanzen verfügbare Wasser zu einem „noch stärker limitierten Faktor werden“, wie es in der Studie „COIN - Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria“ heißt. Sie wurde im Auftrag des Umweltministeriums erstellt. Die Studie wurde unter der Annahme von Dürreperioden in den 2030er Jahren erstellt. Treten diese Phasen tatsächlich ein, so muss man in Niederösterreich mit
einem Ernteverlust von mindestens 30 Prozent rechnen.