Musikschulen im Lockdown: So geht es nicht mehr weiter. Klosterneuburg: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Ewald Baringer. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
NÖN

„Ich möchte gerne Danke sagen für das großartige Engagement, das den Schülern in Ihrer Musikschule entgegengebracht wird! Die Musikschule hat ihren guten Ruf zurecht! Ich bedanke mich auch für die Vorsichtsmaßnahmen bezüglich Corona, die sehr gut eingehalten werden, ich sehe hier keine Gefahr der Virusausbreitung (...) Die Corona-Hotspots sind an anderer Stelle, aber sicherlich nicht an den Schulen zu finden.“

Dies ist nur eine von Dutzenden positiven Rückmeldungen von Eltern, die der NÖN vorliegen: Eltern, deren Kinder die J.G. Albrechtsberger-Musikschule in Klosterneuburg besuchen, Eltern, die dankbar sind für das unglaubliche Engagement von Schulleitung und Lehrerschaft, um den Unterrichtsbetrieb auch in Corona-Zeiten aufrecht zu erhalten. Die zitierte Stellungnahme stammt übrigens von einer Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin, die zweifellos zu einer kompetenten Einschätzung der Situation beitragen kann.

Die Herausforderungen sind immens, wie auch Musikschul-Leiterin Ariadne Basili weiß: „Die Corona-Zeit bedeutet für alle Beteiligten einen viel größeren Zeitaufwand, viel Fantasie, Flexibilität und verlangt nach einem unbegrenzten Einsatz. Bis jetzt haben wir es geschafft, aber es geht nicht mehr so weiter. Es ist unverständlich bzw. nicht vollziehbar, mit welcher Leichtigkeit ein Lockdown pauschal verhängt wird und wie undifferenziert über alles drüber gefahren wird“, findet Basili kritische Worte.

„Musikschulunterricht verläuft großteils (in der Corona-Zeit sogar nur) individuell/einzeln, was die Infektionsgefahr schon an sich zu einem großen Ausmaß vermindert. Es ist daher unverständlich, dass die Musikschule anhand von gleichen Kriterien behandelt wird wie die Pflichtschule oder Kindergärten. Die Ansteckungsgefahr in der Musikschule ist viel geringer als bei einer Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist unbedingt notwendig, dass die Musikschule die nächsten zwei Monate offenbleibt, damit das Schuljahr in vollem Schwung abgeschlossen werden kann“, so Basili.
„Ich bin überzeugt, dass unsere Schüler in dieser schwierigen Zeit auch viel profitiert und Positives erfahren haben. Vor allem haben sie die Sicherheit gewonnen: ,Die Musik und ihr Instrument bleiben immer treue Freunde‘. Und das ist etwas sehr Wichtiges!“

„Die Musik und ihr Instrument bleiben immer treue Freunde.“ Ariadne Basili, Direktorin der J. G. Albrechtsberger- Musikschule Klosterneuburg

Dennoch sieht Basili die Problematik sehr nüchtern: „Wir entziehen der Musikschule genau das, was auch einen wesentlichen Teil ihrer Betreuung ausmacht: ihre soziale Funktion und Wirkung gerade durch das einzigartige Eingehen der Pädagogen auf die Persönlichkeit der Schüler. Insbesondere für Anfänger ist Online-Unterricht nicht zu verantworten, aber natürlich auch für alle anderen Schüler kann es nur die letzte Alternative sein. Deswegen müssen die Musikschulen unter entsprechend strengen Vorschriftsmaßnahmen für Einzelunterricht als erste wieder öffnen!“

Die Schülerzahlen seien weniger sorgenerregend als die Isolation und die Resignation, die die Kinder und Jugendlichen erfahren, meint die erfahrene Musikpädagogin.

Am Freitag, 7. Mai jährt sich zum zehnten Mal der „Tag der NÖ Musikschulen“. Basili: „Unser Motto lautet ,Wir bringen die Stadt zum Klingen‘. Hoffentlich lässt Corona dies zu – sonst musizieren die Schüler in den eigenen Wohnungen/Gärten/ Balkonen“. Dass die Musikschule auch in Krisenzeiten aktiv bleibt, zeigt ein Blick auf die Homepage, wo viele Online- Konzerte dokumentiert sind, darunter eine Präsentation aller Instrumente mit Musikbeispielen sowie sechs große Online- Projekte, ein Adventkalender, ein heiteres Faschingskonzert, zahlreiche Klassenabende und Jour-Fixe-Konzerte. Nicht zuletzt nahmen zahlreiche SchülerInnen sehr erfolgreich beim Wettbewerb „Prima la Musica“ teil: 21 TeilnehmerInnen erspielten 21 Preise. Ein Preisträgerkonzert ist ebenfalls auf der Webpage zu finden.

„Gerade in dieser Krisenzeit, in der unser Alltag in jeglicher Hinsicht zum Stehen gekommen ist, ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder mit ihrer Weiterentwicklung und Ausbildung fortsetzen können. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig diese Weiterführung der musischen Ausbildung für unseren Sohn war und wie viel ihm das in dieser Quarantäne-Zeit bedeutet hat“: Ein weiteres Eltern-Statement, das belegt, wie sehr die Arbeit an der Musikschule gerade jetzt besonders geschätzt wird.

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