Nach Bank-Coups in NÖ: 100.000 Euro für Hinweise. Für Hinweise, die zur Verhaftung der Täter führen, wurde nun eine sechsstellige Belohnung ausgelobt.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 01. Dezember 2020 (09:51)
Die Täter betraten am Freitag, 13. November, um 18.40 Uhr die Bank Austria am Niedermarkt.
LPD NÖ

Auch knapp zwei Wochen, nachdem die spektakulären Bank-Coups bekannt wurden, sucht die Polizei noch immer mit Hochdruck nach den Tätern. Für Hinweise, die zur Verhaftung führen, wurde nun eine Belohnung von 100.000 Euro ausgelobt.

Insgesamt plünderten die Täter in den drei Banken in Klosterneuburg, Mödling und Wien 68 Schließfächer. Wie hoch die Schadenssumme tatsächlich ist – kolportiert wurden 25 Millionen Euro –, wird derzeit ebenfalls noch von der Polizei mittels Befragungen der Schließfach-Inhaber erhoben.

Bisher konnte die Exekutive allerdings schon feststellen, wie die Täter vorgegangen sind. Schon mehrere Wochen vor der Tat haben die Täter begonnen, mittels des sogenannten Skimmings die Karten von zutrittsberechtigten Kunden sowohl beim Eingang zum Diskretraum als auch beim Terminal des unmittelbaren Schließfachsystems zu kopieren. Dazu wird in den Eingabeschlitz ein von außen nicht sichtbares Kopiermodul eingebaut, welches die Informationen des Magnetstreifens sukzessive aufzeichnet und dann von den Tätern ausgelesen wird, um 1:1-Kopien anzulegen. Die zu den Karten gehörenden PIN-Codes wurden sodann offenbar durch versteckt installierte kleine Kameras abgefilmt, als die späteren Opfer auf ihre Fächer zugegriffen haben. Kurz vor dem finalen Zugriff am 13. November haben die Täter alle Installationen abgebaut.

Das Landeskriminalamt für Niederösterreich hat eine eigene Ermittlungsgruppe gebildet, die ausschließlich diesen Fall bearbeitet und in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Wien tätig ist.

Polizei bittet um Mithilfe

Auch für die Tat in Klosterneuburg hat die Polizei nun neue Informationen veröffentlicht. Auf den Überwachungsvideos sind nur zwei vermummte Männer zu sehen, die Polizei geht jedoch davon aus, dass sich ein weiterer Täter oder eine Täterin sowohl im Bereich des Stadtplatzes als auch im Bereich der Park & Ride Anlage beim Bahnhof oder auf dem Schotterparkplatz „In der Au“ in einem PKW aufgehalten hat. Besonders hingewiesen wird darauf, dass einer der Täter die Bank mit einer offensichtlich voll bepackten Tasche um 19.34 in Richtung Stadtplatz (nach dem Ausgang nach links) verlassen hat und ohne diese Tasche um 19.37 Uhr zurückgekehrt ist. Um 23.18 haben die beiden Täter die Bank dann in Richtung P&R-Anlage oder Schotterparkplatz „In der Au“ (nach dem Ausgang nach rechts) verlassen. Daher wird ein dritter Täter in einem Fahrzeug vermutet, welches während der Tatzeit umgeparkt wurde.

Sammelklage für die Geschädigten

Nun sucht die Polizei nach Zeugen, die zu der Tat in Klosterneuburg – und den beiden anderen Tatorten in Mödling und Wien – Hinweise geben können. Sollte einer dieser Hinweise zur Festnahme der Täter führen, kann sich der Tippgeber über eine Belohnung von 100.000 Euro freuen.

Wer von den Schließfachdiebstählen persönlich betroffen ist, kann sich nun einer Sammelklage des Verbraucherschutzvereins (VSV) anschließen. Mit der Sammelaktion sollen geschädigte Kunden bei der Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen gegen die Banken unterstützt werden, führte VSV-Obmann und Jurist Peter Kolba aus: „Ich habe vor 30 Jahren als Konzipient bei einem Rechtsanwalt einen ähnlichen Fall rund um Missbrauch einer Bankomatkarte geführt und gewonnen. Die Situation bei Zahlungskarten hat sich sowohl technisch (Chipkarten) als auch rechtlich zugunsten der Kunden geändert. Es ist aber ungeheuerlich, dass sich die Banken für Selbstbedienungs-Safes heute dieses veralteten Systems bedienen. Dafür müssen sie den Kunden haften.“

Wie diesen Montag bekannt wurde, gab es nun ein weiteres Opfer. Eine 73-jährige Klosterneuburgin ist von Trickbetrügern um Bares und Wertgegenstände für mehr als 100.000 Euro gebracht worden. Dabei nutzte das Duo laut Polizeiangaben vom Montag die Verunsicherung der Seniorin nach den Diebstählen aus Bankschließfächern in Klosterneuburg (Bezirk Tulln), Mödling und Wien aus. Die Pensionistin hatte am Freitag einen Anruf eines vermeintlichen in der Causa ermittelnden Kriminalbeamten erhalten, der ihr mitteilte, dass ihr Besitz im Depot nicht mehr sicher sei.

Die Klosterneuburgerin willigte deshalb ein, Geld und Wertsachen zur sicheren Verwahrung der Polizei zu übergeben. Ein Mann erschien laut Exekutive mit einem gefälschten Dienstausweis und übernahm Bares und die Gegenstände. Dann leerte die 73-Jährige ihr Bankschließfach und gab den Inhalt dem vermeintlichen Polizisten. Auch in Wien hob sie Bargeld ab und händigte es ebenfalls dem Unbekannten aus.

Am Freitagabend erstattete die Seniorin Anzeige. Das Landeskriminalamt Niederösterreich nahm die Ermittlungen auf. Die Polizei betonte, niemals Bargeld oder Wertgegenstände von Privatpersonen zur sicheren Verwahrung abzuholen, und ging davon aus, dass Täter diese Vorgehensweise aktuell vermehrt anwenden würden.