Nach der Öffnung: Betriebe sind keine Viruscluster“. Klosterneuburg: Einige Betriebe dürfen unter strengen Auflagen wieder aufsperren. Andere bleiben geschlossen. So richtig glücklich ist niemand.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:03)
Saloninhaberin Manuela Rubitzko: 48-Stunden-Begrenzung nicht machbar.
priv

Hurra, der Lockdown ist vorbei! Wieder haben wir eine Hürde im langen Kampf gegen das Coronavirus geschafft. Neue, in Verordnungen verpackte Regeln lassen aber besonders in der Wirtschaft keinen Jubel aufkommen, denn manche Branchen, wie die Fitnesscenter, müssen ihre Geschäfte weiterhin versperrt halten. Nur unter strengsten Auflagen dürfen Handel, Dienstleister und manche Kultureinrichtungen öffnen.

Ein Beispiel dafür sind die Frisöre. Sie haben seit Montag geöffnet, allerdings mit großen Auflagen (siehe Infobox). Manuela Rubitzko ist Saloninhaberin mit drei Mitarbeiterinnen. „Vorerst will ich betonen, dass ich in meinem Salon bisher alle Schutz-und Hygienemaßnahmen penibel eingehalten habe“, beteuert Rubitzko. Dass das aber nicht überall so gewesen ist, weiß sie auch. „Ich erfuhr von 18 Kunden, dass sie einen Barber-Shop in Wien aufgesucht haben. Diese haben im Hinterzimmer einfach weitergearbeitet“, so die Unternehmerin, die stichprobenartige Kontrollen vermisste.

„Mit den nicht mehr nachvollziehbaren Maßnahmen, wird nur Unmut und Diskussionsnährboden geschaffen.“ Manuela Rubitzko, Frisörsalon

Jetzt, ein paar Tage nach Ende des dritten Lockdowns, der Wiedereröffnung und der zusätzlichen Maßnahmen, würden sich ganz neue Abgründe auftun. Der geforderte negative Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, stellt für Rubitzko eine besondere Herausforderung dar. Sie verliere viele Kunden. Die Testverweigerer sowieso. Die Teststraßen hätten skurrile Öffnungszeiten, die besonders für Berufstätige nicht wahrnehmbar wären, und Personen, die nicht mehr kommen, weil sie im Lockdown von einer anderen Friseurin im Pfusch frisiert worden wären. „Für viele Personen ist die Begrenzung einfach nicht machbar. Sie führt teils natürlich zu Terminengpässen, weil zum Beispiel am Montag alle Nicht-Berufstätigen am Vormittag einen Termin möchten, weil am Samstagvormittag getestet wurde“, beklagt Rubitzko. Und weiter: „Ganz lustig fand ich die Schilderung einer Kundin, die am 8. Februar Friseurtermin hatte, am 10. Kosmetiktermin und am 13. Fußpflegetermin. Sie muss sich daher drei Mal testen lassen.“

Manuela Rubitzko ist mobil auch am Weißen Hof und im Landesklinikum Klosterneuburg tätig: „Für ältere Personen, Menschen mit Behinderung, Personen, die in der Bewegung eingeschränkt sind, und Personen, die nicht mobil sind, ist ein Testen nicht zu bewerkstelligen.“

„Für ältere Personen, Menschen mit Behinderung, Personen, die in der Bewegung eingeschränkt sind, und Personen, die nicht mobil sind, ist ein Testen nicht zu bewerkstelligen.“

Eine ähnliche Situation hat die seit 33 Jahren selbstständige Frisörin noch nie erlebt. Mit den neuen Maßnahmen bricht ihr Umsatz um 40 Prozent ein. Aus Sicht der Unternehmerin fehle es der Regierung in Bezug auf die Maßnahmen völlig an Kontinuität. Auch die Umsetzbarkeit der Maßnahmen werde kaum überprüft.

„Mit den permanenten Veränderungen, den ungerechten und den teils nicht mehr nachvollziehbaren Maßnahmen wird nur Unmut und unnötiger Diskussionsnährboden für die Leitung eines Betriebes geschaffen“, ist sich Rubitzko sicher. Und abschließend: „Es fühlt sich mittlerweile an, als hätte man mich unbewaffnet und schutzlos in eine Art Krieg geschickt. Jegliche Entscheidungsfähigkeit über meinen Betrieb wurde mir entzogen, nur die Haftung und Endverantwortung ließ man mir. Selbst die versprochenen Hilfeleistungen kommen sehr zeitverzögert.“

„Ich glaube, dass wir vergessen werden“

Noch ärgere Sorgen plagen Willi Ruiss, den Clubleiter von „Stars Fitness“. Das große Fitnesscenter darf nämlich gar nicht aufsperren. Und das schon durchgehend seit drei Monaten. „Wirtschaftlich ist es aktuell sehr schwer. Eine gewisse Zeit könnten wir das zwar noch aushalten, aber dann ist auch für uns Schluss“, so der Clubleiter. Das gesamte Weihnachtsgeschäft mit den Silvestervorsätzen sei ausgefallen. Doch die Mitglieder scheinen treu zu sein: „Erstaunlicherweise halten die Mitglieder zu uns. Ein Grund dafür ist aber auch, dass wir in den Lockdowns keine Beiträge verlangt haben, was in unserer Branche an sich nicht üblich ist.“

Der Clubleiter des „Stars Fitness“ versteht nicht, warum man nicht für seine Branche ähnliche Öffnungskriterien wie für Frisöre ersonnen hat. „Ich finde, dasselbe System könnte man doch auch beim Fitnesscenter fahren. Natürlich hätten wir nicht gleich ein volles Haus, aber wir könnten damit den Betrieb langsam hochfahren, und die Mitglieder könnten langsam ihr gewohntes Training wieder aufnehmen“, versteht der Clubleiter die Welt nicht mehr ganz. Die Menschen bräuchten nämlich körperliche Aktivität. Das würde nicht nur der Physis, sondern vor allem auch der Psyche guttun.

Ruiss: „Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass körperliche Fitness auch für das Immunsystem gut ist.“ Die Firmenleitung könnte sich auch vorstellen, dass man im Fitnesscenter einen eigenen Testpoint einrichtet, um die Mitglieder selbst testen zu können. Ruiss: „Ich verstehe das nicht. Wenn das beim Frisör geht, warum bei uns nicht?“

„Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass körperliche Fitness auch für das Immunsystem gut ist.“

„Würden auch selbst testen“: Clubleiter Willi Ruiss, Stars Fitness.
priv

Auch für den Obmann der Wirtschaftkammer, Markus Fuchs, ist das unverständlich: „Zumal die Maßnahmen dort noch leichter umsetzbar wären.“

Im Prinzip sei es aber sehr zu begrüßen, dass der Handel wieder öffnen darf. „Ich bin auch überzeugt, dass jeder Gewerbetreibende sich an die Vorgaben halten wird“, so Fuchs. Dies sei auch vor dem Lockdown so gewesen, weshalb auch viele nicht verstanden hätten, warum sie wieder schließen mussten.

Die Regelung mit den 20 Quadratmetern pro Kunde findet Fuchs aber komplett weltfremd und völlig unverständlich: „Ich hoffe, dass diese Verordnung nicht bestehen bleibt.“

Einen weiteren Lockdown könne sich die Wirtschaft mit Sicherheit nicht mehr leisten, ist Fuchs überzeugt. Schon jetzt seien zu viele Betriebe Opfer dieser Pandemie und dieser mutlosen Auf- und Zusperrtaktik der Regierung geworden. Fuchs: „Das Schlimmste für unsere Unternehmer ist diese vollkommen fehlende Planbarkeit. Es hilft das beste Kurzarbeitsmodell nichts, wenn es keine Betriebe mehr gibt.“

Und noch eines ist dem Obmann der Wirtschaftskammer wichtig festzuhalten: „Unsere Betriebe sind sicher nicht der Ort, an dem sich das Virus verbreitet.“

Umfrage beendet

  • Lockerung: Geht ihr in naher Zukunft zum Frisör?