Nach Wolfssichtung: Keine Angst vorm „bösen“ Wolf. Ein Kritzendorfer will in Hadersfeld einen Wolf gesehen haben. Behörde hat dahingehend keine Meldung erhalten.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 01. August 2018 (04:30)
Symbolbild

Hellste Aufregung herrschte in Mauerbach, als vor ein paar Wochen ein Wolf in ein Gehege eines landwirtschaftlichen Betriebes eingedrungen ist und drei Schafe gerissen hat. Jetzt soll auch in Hadersfeld ein Wolf von einem Kritzendorfer gesichtet worden sein. Die Behörde bestätigt das allerdings nicht: „Bei uns sind dahingehend keine Meldungen eingelangt“, so die Vetarinär- und die Jagdabteilung der Bezirkshauptmannschaft.

„Dass es sich um denselben Wolf handelt, ist aber nicht auszuschließen“, meint der Delegierte des Niederösterreichischen Landesjagdverbandes und Altbezirkshauptmann Wolfgang Straub. Wölfe würden sich in Zukunft immer mehr verbreiten, und auch die Donau hindere sie nicht, auch zu uns zu kommen.

„Sie sind in der Lage, die Donau zu durchschwimmen, wenn sie etwa auf ihren Wanderungen vom Waldviertel in den Süden vorstoßen“, erklärt Straub. Aber auch aus Kärnten, könnten sie bis nach Klosterneuburg kommen. Straub: „Wölfe sind in der Lage in nur einer Nacht zehn bis 20 Kilometer zurückzulegen.“

„Wenn ein Wolf keine Tiernahrung findet, könnte es schon passieren, dass er auch Menschen angeht.“ Wolfgang Straub, Delegierter des NÖ Landesjagdverbandes

Ob der Mensch sich vor Wölfen fürchten muss? „Grundsätzlich besteht für den Menschen keine Gefahr“, sagt der Landesjäger Straub, denn Wölfe seien, vor allem, wenn sie alleine wandern, eher scheue Tiere, und Menschen passten nicht in ihr Beuteschema. Aber ausschließen könne man nichts, deswegen ist immer Vorsicht geboten. „Wenn ein Wolf keine Tiernahrung findet, könnte es schon passieren, dass er auch Menschen angeht“, so Straub.

Wie soll man sich da als Spaziergänger verhalten? Straub: „Sich langsam und ruhig von dem Tier entfernen. Sollte der Wolf trotzdem nicht ablassen, könnte in letzter Konsequenz auch lautes Anschreien helfen.“

„Der Wolf aus Mauerbach kam von den Westalpen“, so Georg Rauer, der Wolfsbeauftragter an der VETMED Uni in Wien ist. Mittels DNA-Probe konnte man das feststellen. Der Experte vermutet, dass derzeit im gesamten Staatsgebiet Österreichs maximal zehn einzelne Wölfe unterwegs sind. Gefahr für Menschen bestünde auch für Rauer derzeit keine. „Es gibt Fälle in Polen, wo zwei Kinder angegriffen wurden. Dabei wurde der Wolf aber angefüttert und hat sich so an den Menschen gewöhnt. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden“, appelliert Rauer.

Dies bestätigt auch Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer (LK) und ARGE Wolf: „Der Wienerwald ist ein riesiges und beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet. Es sollten dort in nächster Zeit Hunde ausschließlich an der Leine geführt werden. Wölfe greifen gerne Hunde an.“

Wölfe greifen gerne Hunde an

Wie man sich richtig verhält, wenn man einem Wolf begegnet, beschreibt Heindl ähnlich wie Straub: „Sich kurz bemerkbar machen und dann langsam und ruhig zurückzuziehen. Keine Selfies machen oder dem Wolf nachgehen. Schon gar nicht Futter anbieten.“ Der Mensch käme für den Wolf nicht als Beute in Frage. In Niederösterreich häufen sich die Sichtungen und die Aufnahmen mit Fotofallen. „Wölfe können mittlerweile überall vorkommen. Sie beschränken sich nicht nur auf Gebiete in Nationalparks. Wie das Mauerbacher Beispiel zeigt, nähern sie sich auch Stadtgebieten an“, weiß Daniel Heindl.

Dies lässt natürlich die Diskussion rund um den Schutz des Wolfes wieder aufflammen. Das Tier steht nach einem EU-weiten Gesetz unter strengem Schutz. Dieses Gesetz stellt nach dem Vorfall in Mauerbach der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LK NÖ), Hermann Schultes, in Frage: „Wenn der Wolf bis hierher gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen. Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden.“ Die LK fordere daher von der EU, dass der Schutzstatus der Wölfe geändert werde.

Keine Bestie, aber auch kein Kuscheltier

Anton Hieger, Kammerobmann des Bezirks St. Pölten-Land, sieht das ähnlich: „Wenn die Wolfspopulation zunimmt, werden sich mehrere Rudel bilden, die dann weiterziehen, weil nicht mehrere Rudel an einem Ort genug Raum finden.“

Artenschutz-Experte Arno Aschauer vom WWF (World Wide Fund for Nature) hält dagegen: „Der Wolf ist weder reißende Bestie noch Kuscheltier, sondern eine EU-weit streng geschützte Art. Daher braucht es rechtskonforme Management-Konzepte mit Herdenschutz-Maßnahmen und Entschädigungen.“ Aschauer fordert eine Rückkehr zur Sachlichkeit und kritisiert die negative Stimmungsmache: „Anstatt Ur-Ängste vor dem bösen Wolf zu bedienen, müssen international bewährte Lösungen auch in Österreich ausgebaut werden. Wer nur nach der Flinte ruft, lässt auch die betroffenen Landwirte allein im Regen stehen. Rechtswidrige Abschussfantasien lösen kein einziges Problem.“

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