Neuerlicher Baustreit um Winzerhof in Buchberggasse. Der Begriff „Galerie“ ist laut Baubehörde in der NÖ Bauordnung nicht geregelt. Anrainer und Grüne befürchten dritten Stock für das alte Winzerhaus in der Buchberggasse.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 02. Oktober 2019 (04:15)
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Wieder geht es um das alte Winzerhaus in der Buchberggasse 15. Dort könnte mittels einer „Galerie“ unter dem Dach zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. Die Anrainer berufen dagegen.

Schon 2017 schaffte es das Bauvorhaben Buchberggasse 15 in die Schlagzeilen der NÖN. Ursprünglich wollte man in diesem Winzerhaus zwölf Wohnungen errichten. Danach wurde der Einreichplan auf drei Wohneinheiten geändert. Das Kuriosum: Die Küchen blieben im Einreichplan erhalten. Somit hatte jede Wohnung vier Küchen. „Das wurde geändert“, versicherte Baudirektor Peter Neubauer gegenüber der NÖN. Was jetzt aber aktuell den Anrainern aufstößt: Der Umbau umfasst den Ausbau des Dachgeschosses und darüber eine „Galerie“, die baurechtlich nicht als Stockwerk gewertet wird. „In Wirklichkeit werden hier zwei Stockwerke auf den Bestand aufgebaut“, sind sich die Anrainer sicher und haben das Bauvorhaben beeinsprucht. Das Urteil des Klosterneuburger Stadtrates ist noch ausständig.

Das lang gezogene, einstöckige Winzerhaus in der Buchberggasse 15 ist typisch für die Klosterneuburger Winzerhäuser und auch für das Viertel, in dem es steht. Deshalb ist hier auch von der Stadtgemeinde eine sogenannte Schutzzone eingerichtet worden. Wer aber weiß, wie teuer Klosterneuburger Grund und Boden ist, weiß auch, dass Bauträger danach trachten, jeden Quadratmeter an Wohnfläche auszunützen. Das scheint auch die Prämisse des Planers „Buchberggasse 15 Immobilien GmbH“ zu sein.

„Es wird interessant sein, ob die Klosterneuburger Baubehörde sich an die Landesvorgaben hält.“ Grün-Chef Sepp Wimmer

Dem alten Winzerhaus wurde laut Flächenwidmungsplan die Bauklasse I zugewiesen. Das bedeutet eine Gebäudehöhe von maximal acht Meter, also Maximum zwei Stockwerke. Das Dach wird dabei nicht dazu gerechnet. Und das ermöglicht natürlich, dass man im Dach Wohnräume – wie im gegenständlichen Fall – unter dem Titel „Galerie“ unterbringt. Obwohl das Amt der NÖ Landesregierung darlegt, dass nur dann eine Galerie vorliegt, wenn dort keine Nutzung als Wohnraum möglich ist. Die Pläne für die Klosterneuburger Buchberggasse weisen jedoch in der sogenannten „Galerie“ genügend Platz als Wohnraum aus.

Für die Anrainer und den Grünen ist diese „Galerie“ eindeutig der Versuch, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. „Nun wird es interessant sein, ob die Klosterneuburger Baubehörde sich an die Landesvorgaben hält“, meint der Grüne Umwelstadtrat Sepp Wimmer, der die traditionelle Buchberggasse vor einer weiteren Verbauung schützen will. Für ihn ist diese „Galerie“ ein drittes Geschoß. Wobei für Wimmer schon das zusätzliche Stockwerk den Charakter des einstöckigen Winzerhauses zerstört: „Die Galerie im Dach wäre nur mehr der finale Todesstoß für dieses Traditionshaus.“

Die NÖN fragte bei Baudirektor Peter Neubauer nach, der aufgrund des laufenden Berufungsverfahrens nur allgemein Auskunft erteilen kann. „Die NÖ Bauordnung sieht keine Definition für die Auslegung der Galerie vor. Bei den baubehördlichen Entscheidungen, die bis dato getroffen wurden, stützt man sich auf Rechtssprechungen der obersten Gerichtshöfe.“ Und auf die Frage, ob es in der NÖ Bauordnung Schlumpflöcher gibt: „Die Bauordnung regelt nicht alle Bereiche. Für diese gibt es aber zu 99 Prozent ständige Rechtssprechung und Höchstgerichtsurteile, nach denen sich die Behörden orientieren.“