Neues Buch beleuchtet 111 Orte im Wienerwald. Sabine M. Gruber brachte ein neues Buch heraus: Über eine vermeintlich bekannte Region, die viel Attraktives birgt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 22. März 2020 (03:09)
Luxusgeschöpf aus dem Geschlecht der Rosen: die „schöne Else“ in Kierling.
Sabine M. Gruber

In einer vom bedrohlichen Virus geprägten Zeit, in der auch das Kultur- und Veranstaltungsleben völlig zum Erlahmen gekommen ist, wird nun allseits der Griff zum Buch propagiert. Sei es, dass ohnehin noch etliche ungelesene Bände in den Regalen der Lektüre harren, sei es aber auch, dass man auf Neuerscheinungen neugierig ist – Novitäten, die man zwar derzeit nicht im Buchhandel erwerben, aber doch online bestellen kann.

So hat etwa die Klosterneuburger Autorin Sabine M. Gruber den Band „111 Orte im Wienerwald, die man gesehen haben muss“, herausgebracht: Ein Buch, das wohl zahlreiche interessierte Leser finden wird.

„So schön weit weg von Wien und so schön nah von Wien!“ Hans Weigel (1908-1991) über den Wienerwald

Natürlich könnte man sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, der vorhandenen Flut an Wienerwald-Literatur ein weiteres Opus hinzuzufügen. Die Antwort lautet schlicht und einfach: ja. Denn Gruber, die in derselben Reihe auch den Band „111 Orte der Musik in Wien, die man erlebt haben muss“ verfasst hat, kennt die Region wie die sprichwörtliche Westentasche. Eine Region, über die der Schriftsteller Hans Weigel einmal gesagt hat: „So schön weit weg von Wien und so schön nah von Wien!“

Diese geradezu paradox scheinende Formulierung bietet Gruber ein ideales Motto für ihr Buch, denn: „Je tiefer man vordringt, um das Wesentliche zu ergründen, desto bewusster wird man sich, wie wenig man ihn doch im Grunde kennt, den Wienerwald. Selbst wenn man mittendrin lebt – oder gerade dann.“

Und so führt Gruber auf eine spannende Entdeckungsreise von A wie Alland bis Z wie Zwentendorf. Dabei ist es durchaus nicht verwunderlich, dass auch Klosterneuburg viel Raum gewährt wird, bietet doch die Babenbergerstadt mit ihren Katastralgemeinden viel Entdeckenswertes. Da wird etwa an August Wilhelm Freiherr von Babo erinnert, Vater des modernen Weinbaus. Und wer hat schon je bewusst dem Gedenkstein am Kardinal-Piffl-Platz Aufmerksamkeit geschenkt, der Guido Holzknecht gewidmet ist, dem Pionier der Röntgenologie. Im Haus der Familie Holzknecht in der Buchberggasse wohnte auch ein junger Gymnasiast namens Egon Schiele.

Die mittelalterlichen Mauern des Kremsmünstererhofs, die gotische Tutzsäule am Stiftsplatz zum Dank für das Ende der Pest, das ehemalige Sanatorium Hoffmann, in dem Franz Kafka seine letzten Tage verbrachte und wo heute eine Gedenk- und Studienstätte eingerichtet ist, der seltene Wildfruchtbaum namens „schöne Else“ in Kierling, das Strombad Kritzendorf, einstmalige Riviera an der Donau, das Haus der Künstler und die Lourdesgrotte in Maria Gugging, ein verwunschenes Kriegerdankmal am Exelberg: Das sind nur einige weitere Ausschnitte aus einer Rundreise durch die vielfältige Natur- und Kulturgeschichte des Wienerwalds. Wer darüber hinaus unter anderem erfahren will, wie lange ein Kuss im Busserltunnel dauert und wo dieser erbaut wurde, was Gandhi und Beethoven gemeinsam haben und wo ein Turm so schief wie in Pisa steht, wird im Buch fündig.

Auch wenn durch die virale Situation derzeit nicht die ideale Zeit für Ausflüge und Landpartien ist: Es kommen wieder andere und bessere Zeiten, und auf die könnte man sich schon jetzt mit Vorfreude vorbereiten. Und auf 111 Orte im Wienerwald, die man gesehen haben muss. Nicht nur, aber auch in Klosterneuburg.