NÖ Landesimpfkampagne: „Impfung kann Leben retten“. NÖ Landesimpfkampagne soll die Durchimpfrate erhöhen. Die NÖN sprach mit Primarius Frank und Arzt Peter Kaufmann.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 12. Februar 2020 (03:50)
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„Jegliche Kampagne, die die Durchimpfrate in Österreich erhöht, ist zu begrüßen. Die Landesimpfkampagne in NÖ ist solch eine und hat nicht nur die Aufgabe, über die zu vermeidenden Erkrankungen zu informieren, sondern auch den Zugang zur Impfung zu erleichtern.“ Positiv äußert sich Primarius Universitätsprofessor Herbert Frank, Abteilungsvorstand der Inneren Medizin im Landesklinikum Klosterneuburg, über die Initiative des Landes NÖ.

In Anbetracht der derzeit weltweit medienwirksamen Berichterstattung über den Coronavirus, dessen Ausbruch in China und der fast täglichen Neuauflage von Hygiene-Richtlinien im Coronavirus-Verdachtsfall vergisst man ganz auf jene Infektionserkrankungen, die während der Wintermonate für uns eine tatsächliche Bedrohung bei fehlender Schutzimpfung darstellen. Besonders am Beispiel Influenza will Primarius Frank die Wichtigkeit der Impfung festmachen. 1.400 Österreicher seien 2019 an Influenza verstorben. Im Vergleich: 400 sterben pro Jahr auf österreichischen Straßen. „In Anbetracht dieser Zahlen und der geringen Influenza-Durchimpfrate von lediglich acht Prozent muss man von fehlender Gesundheitseinsicht sprechen“, so Frank. Alleine im Krankenhaus Klosterneuburg kämen derzeit täglich hochfiebernde Patienten in die Notfall/Erstversorgung, die positiv auf Influenza getestet würden. Einige schwerere Verläufe müssen stationär aufgenommen und natürlich dort isoliert werden, um eine weitere Ausbreitung des Virus auf andere Patienten und Mitarbeiter im Pflegebereich zu verhindern. Besonders das Ärzte- und Pflegepersonal sollte einen Impfschutz aufweisen. Konkret gegen Masern, Hepatitis B und Influenza.

Zusätzlich sollte gerade in Zeiten der Grippe-Infektion auf einfache, aber sehr effektive Hygienemaßnahmen Wert gelegt werden. So empfiehlt Frank:

  • Auf Begrüßungen mit Händeschütteln, Umarmung und Küssen verzichte.
  • Bei Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie beim Einkaufen Handschuhe tragen.
  • Bei Niesanfall in den Ärmel (nicht in die Handfläche) niesen.
  • Mehrmals täglich die Hände mit Seife und warmem Wasser waschen.
  • Sollte man fiebern, zu Hause bleiben. Das gilt vor allem bei Schul- und Kindergartenkindern.

Primarius Frank: „Es muss uns allen klar sein: Eine Impfung kann Leben retten.“

Ein Appell der Hausärzte

Der Allgemeinmediziner Peter Kaufmann aus Kritzendorf verweist auf den österreichweiten gültigen Impfplan als Grundlage und auf ein individuelles Gespräch mit dem Patienten. Kaufmann: „Im Prinzip gelten diese individualisierbaren Empfehlungen für alle Menschen aller Altersgruppen, ganz besonders aber natürlich für Immunsupprimierte, chronisch Kranke und Hochrisikogruppen, bei denen eine Infektion zu dramatischen Komplikationen führen kann.“ Insbesondere verweist Kaufmann auf Personen im Gesundheitswesen.

Auffrischungen seien bei allen Impfungen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um die Schutzwirkung nicht zu verlieren.

Manche Menschen können nicht geimpft werden und benötigen daher den sogenannten Herdenschutz, um nicht zu erkranken. Herdenschutz bedeutet, dass die meisten Menschen, mit denen die erkrankte Person in Kontakt kommt, geimpft sind, das Virus selbst sich dadurch nicht verbreiten kann. „Dieser Herdenschutz hat global gesehen die Pockenerkrankung weltweit ausgerottet“, weiß Kaufmann. Seit Ausbruch des Coronavirus in China sei das Hygienebewusstsein der Bevölkerung deutlich gestiegen. „Generell ist Händewaschen eine der wichtigsten Maßnahmen, um sich selbst zu schützen und auch die Ausbreitung zu verhindern“, so der erfahrene Allgemeinmediziner.

Und abschließend: „Das Wichtigste ist möglichst differenzierte, hochqualitative, objektive und verantwortungsvolle Aufklärung.“

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