Plötzlicher Abbruchbescheid quält Ehepaar nächtelang. Nach Umwidmung in Grünland kam für ein Ehepaar der Abbruchbescheid. Nun entscheidet Landesverwaltungsgerichtshof.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 15. Februar 2017 (05:52)
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Ein idyllisches Häuschen am Thomas-Brunner-Weg in Kritzendorf. Bis 1997 war das Bewohnen offenbar legal. Durch eine Umwidmung ist es das angeblich nicht mehr: Abbruchbescheid und Einspruch.
NOEN, privat

Den Traum wollten sie sich erfüllen: Ein Häuschen im Grünen sollte es sein. Abgelegen in der Natur, weit weg vom Trubel der Großstadt. 1983 haben sich Hermine und Wilhelm Schumacher diesen Traum erfüllt. 3420 Kritzendorf, Thomas-Brunner-Weg 5B, so hieß fortan die neue Wohnadresse. In seinen 90 Quadratmetern lebte das Ehepaar vier Jahre lang glücklich.

„1988 erschienen plötzlich und unangemeldet Herren vom Bauamt auf unserem Grundstück“, erzählt Hermine Schumacher. Das Unternehmerehepaar wurde darüber informiert, dass sich das Haus nun auf Grünland befände und es keine Baubewilligung für das Wohnhaus gäbe. „Wir wurden damals angehalten, darauf zu achten, dass die Böschung nicht rutscht. Von einem Abbruch des Hauses war damals sicher keine Rede“, so Schumacher.

Der dürfte aber eingeleitet worden sein, denn 13 Jahre später lag der Abbruchbescheid im Postkasten. „Das kam wie aus heiterem Himmel und hat uns schwer getroffen, zumal wir nicht verstehen, warum das Haus abgerissen werden muss“, so Schumacher weiter.

Nach GeB kam Grünlandwidmung

Die Familie erhob sofort Einspruch gegen den Bescheid. Bis 1997 gab es auf diesem Grundstück nämlich die sogenannte GeB-Regelung. Danach ist das Bewohnen von bestehenden Gebäuden im Grünland erlaubt. Nicht erlaubt ist allerdings, das Gebäude zu vergrößern oder Nebengebäude zu errichten. Das hat Familie Schumacher aber nie getan: „Es ist alles so geblieben, wie wir es 1983 gekauft haben. Da wurde sicher nichts verändert.“ Ab 1997 gab es dann eine Rückwidmung auf Grünland. Das ist auch der aktuelle Stand der Flächenwidmung auf diesem Grundstück.

Nach dem Abbruchbescheid 2001 soll es 15 (!) Jahre keinen Kontakt mehr mit der Baubehörde gegeben haben.

Erst am 26. Jänner 2016 kam ein Schreiben des Bauamts Klosterneuburg, in dem angefragt wurde, ob denn das Haus schon abgerissen worden wäre.

„Wenn das wirklich passiert, müssen wir Wohnung suchen und den Abbruch des Wohnhauses bezahlen.“ Hermine Schumacher

Es kam zu einem Termin mit Stadtamtsdirektor Michael Duscher und Baudirektor-Stellvertreter Peter Neubauer. Auch ein Anwalt wurde mitgenommen, weil man einen Experten dabei haben wollte. Schumacher: „Wir haben damit versucht, einen Weg zu finden, der für alle gangbar wäre. Aber es war sinnlos. Die Herren haben sich unwillig und äußerst unfreundlich gezeigt. Ein Einlenken für eine Lösung des Problems wurde abgelehnt.“

Die Angelegenheit ist beim LVGH

Bis heute hat der zugezogene Anwalt zwei Beschwerden beim Landesverwaltungsgericht in St. Pölten eingebracht. Bis heute erfolglos.

„Wir haben seit 20 Monaten keinen Urlaub mehr gemacht, weil wir Angst haben vor den weiteren Kosten, die durch diese Sache entstehen könnten“, ist Hermine Schumacher fassungslos. Und weiter: „Wenn das wirklich passiert, müssen wir uns eine Wohnung suchen und den Abbruch des Wohnhauses bezahlen. Das würde vor allem meinem Mann das Herz brechen.“

20.000 Euro haben die Schumachers bereits berappen müssen an Kosten und Aufwendungen. Wenn es zu einem Rechtsstreit käme, würde es wohl noch viel teurer kommen. „Wir verstehen nicht, dass es für dieses Haus keine Baubewilligung geben soll. Uns wurde gesagt, wenn es keine Baubewilligung gibt, dann gibt es auch keine GeB-Widmung, also muss es eine Baubewilligung geben“, schließt Schumacher.

„Das Verfahren liegt noch beim Landesverwaltungsgericht. Es gibt noch keine Entscheidung, ob abgebrochen werden muss oder nicht.“ Baudirektorstellvertreter Peter Neubauer

„Das Verfahren liegt noch beim Landesverwaltungsgericht. Es gibt noch keine Entscheidung, ob abgebrochen werden muss oder nicht“, so Baudirektor-Stellvertreter Peter Neubauer. Warum dann die Frage, ob die Eigentümer das Gebäude schon abgerissen hätten? Neubauer: „Es musste von der zweiten Instanz festgestellt werden, ob das Objekt überhaupt noch steht, um weiter tätig zu sein.“

Auch, warum das Prozedere bereits 15 Jahre dauere, konnte der Baudirektor-Stellvertreter erklären. „Die Stadtgemeinde hat sich in dieser Zeit dafür eingesetzt, Gesetzesänderungen zu bewirken, um solche Gebäude vor dem Abbruch zu schützen“, so Neubauer.

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